Reporter Eutin
31. Oktober 2016 | Allgemein

Mit Ihnen verlässt ein echter Soldat aus altem Schrot und Korn die Truppe”

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Oberstabsfeldwebel Michael Stahl wird nach 31 Jahren aus der Bundeswehr verabschiedet – seine erste Kompanie bereitet dem Malenter einen liebenswerten Abschied.

Oberstabsfeldwebel Michael Stahl wird nach 31 Jahren aus der Bundeswehr verabschiedet – seine erste Kompanie bereitet dem Malenter einen liebenswerten Abschied.

Eutin (ed). Eine Transall rauscht mehrfach über das Gelände der Eutiner Rettbergkaserne – fast wirkt es wie eine Ehrenbekundung für die beiden Soldaten, die hier heute in den Ruhestand versetzt werden. Ob es das wirklich ist, bleibt wohl ein Geheimnis der Bundeswehr, aber verdient hätten die beiden es wohl, so herzlich, wie sie von ihrem Bataillon verabschiedet werden., der “Spieß” der ersten Kompanie, Oberstabsfeldwebel Michael Thomas Stahl, und Oberstabsfeldwebel Jörg Barenscheer von den Leichten Aufklärern – gleichzeitig zeichnet Oberstleutnant Claus Slembeck, der stellvertretende Kommandeur des Bataillons, verdiente Soldaten und eine Zivilistin aus. Und er hat die Freude zu verkünden, dass alle Eutiner Soldaten aus dem Einsatz in Mali zurückgekehrt und im wohlverdienten Urlaub bei ihren Familien sind. “Sie werden sich wundern, Frau Clauße, wieso Sie hier angetreten sind”, sprach er die tatsächlich leicht verwunderte Dame an, die neben drei Soldaten in Uniform mitten auf dem Grün der Rettbergkaserne steht. Monika Clauße ist die Leiterin der Vorschriftenstelle und tut ihren Dienst mit außerordentlicher Sorgfalt und “mit ausgezeichneten Ergebnissen”, lobt Slembeck. Jeder noch so kleinste Fehler würde im Verteidigungsministerium landen, es sei aber noch nie einer aufgetreten. Dafür bekommt Monika Clauße den Bestpreis des Bataillons. Neben ihr erhält der Stabsgefreite Patrick Fleckner eine formelle Auszeichnung, der Hauptfeldwebel Stefan Rainer Martin wird zum Stabsfeldwebel befördert und dem Stabsunteroffizier Manuel Reder das Ehrenkreuz der Bundesrepublik Deutschland in Bronze verliehen. Im Mittelpunkt des Bataillonsappells aber stehen die beiden designierten Pensionäre des Bataillons – beiden schlagen große Zuneigung, Vertrauen und herzlicher Respekt entgegen. Und hinter beiden liegen herausragende Laufbahnen bei der Bundeswehr. Oberstabsfeldwebel Jörg Barenscheer ist seit 1985 bei der Truppe, “noch in der Zeit des Kalten Krieges”, wie Slembeck vermerkt. Seinen Dienst begonnen hat er als Feldkochkraft im Feldküchentrupp. Und schon da habe sich sein herausragendes planerisches und organisatorisches Talent gezeigt – ein waschechter Infanterist mit schwarzem Barett sei er, sagt Slembeck, und das sei als Kompliment gemeint. Hinter Barenscheer liegen 746 Einsatzstunden in sieben Einsätzen im Kosovo und in Kunduz. “Sie sind ein ehrlicher und guter Ratgeber, den ich immer geschätzt habe”, so der Oberstleutnant – bis auf die fußballerischen Differenzen zwischen HSV-Fan und FC Bayern-Anhänger. Und mit der Bayern-Hymne wird Barenscheer, der als Trainer der 1. Herren in Bujendorf nicht nur passiver Fußballer ist, dann auch auf einem mit einem Fußballtor versehenen Fahrzeug symbolisch in den Ruhestand gefahren. Der Malenter Michael Thomas Stahl ist seit 1987 bei der Bundeswehr, seit 2013 ist der Malenter der Spieß der 1. Kompanie der Aufklärer, und ihm zu Ehren sind zahlreiche Freunde, Angehörige und Weggefährten teils aus dem ganzen Bundesgebiet angereist. Ein Soldat sei Stahl, der eigentlich aus dem Gefüge des Bataillons nicht wegzudenken sei, sagt Slembeck. “Sie haben es immer verstanden, Ihre Kompanie mit Ihrem ganz besonderen Händchen zu führen. Und das hat Ihnen die hohe Anerkennung aller Soldaten in allen Dienstgradgruppen eingebracht. Mit Ihnen verlässt ein echter Soldat aus altem Schrot und Korn die Truppe.” Vorbild sei er immer gewesen, ein richtiger Panzermann und Spieß, immer für seine Soldaten da und “für mich ein guter Ansprechpartner und Kamerad.” Eine epochemachende Zeit auf seinen Reisen im Wohnmobil wüsche er ihm, so Slembeck, “bei uns haben Sie immer einen Platz.” Sein Nachfolger ist Leif Knaak, “ein alter Bekannter”, wie Oberstleutnant Slembeck sich freut, “ich bin mir sicher, dass Sie der Richtige sind”. Zuvor war Knaak beim Aufklärungsbataillon 7 – “jetzt dürfen Sie auch im besten Aufklärungsbataillon besten Dienst leisten.” Dann rollt ein Wägelchen mit einem großen Plakat an der Seite aufs Grün: “Danke Spieß” steht hier mit dem unverkennbaren Konterfei Stahls, das breit grinsend aus seinem Wohnmobil lugt. Auf der Ladefläche ein Strandkorb im Sand – hier macht der sichtlich gerührte Spieß es sich gemütlich. Seine Kompanie, die trotz Haltung ihre Rührung nicht verbergen kann, hat sich hinterrücks Hawaiiketten umgehängt und verabschiedet ihren Spieß mit dem “Jamaica”-Song. Große Fußstapfen scheinen es zu sein, in die Leif Knaak da tritt. Aber: “Die Zeit bleibt nicht stehen”, wie Oberstleutnant Slembeck sagt, “und eine Vielzahl von Aufträgen wartet auf uns und wir werden die Herausforderungen in alter Aufklärertradition meistern.”


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