Frisch gebackene Fachkräfte
Heiligenhafen. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung wurden in Heiligenhafen in dieser Woche vier Bäckerinnen, zwei Bäcker und zwei Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk freigesprochen. Der stellvertretende Obermeister Helmut Börke sowie der stellvertretende Obermeister und Lehrlingswart Andreas Seßelberg gratulierten den Prüflingen in der Filiale am Heiligenhafener Marktplatz zur bestandenen Abschlussprüfung.
Vor dem feierlichen Öffnen der traditionellen Lade in der Insel-Bäckerei fand ein gemeinsames Kaffeetrinken mit Eltern und Ausbildern statt. Anschließend erhielten Marie Meder (Landbäckerei Puck, Grube), Tim Robin Jenett (Mien Backstuv, Neustadt), Merle Fritze (externe Teilnehmerin) und Kira Staack (Bäckerei Reinhard Brede, Scharbeutz) ihren Gesellenbrief sowie ihre Abschlusszeugnisse. Außerdem freigesprochen wurden Jelte Timon Herbst, Kirsten-Loreen Schramm, Leny Thade und Armine Tadevosyan.
Handwerk mit Zukunft
Helmut Börke betonte in seiner Rede, dass die Junggesellinnen und Junggesellen stolz auf ihre erfolgreich abgeschlossene Ausbildung sein können und einen der ältesten Berufe der Welt erlernt haben. Er hob die Wichtigkeit des Bäckerhandwerks hervor: „Den Kunden, die sich teilweise täglich ihre Brötchen bei uns abholen, ist der Kontakt zu den Mitarbeitern wichtig. Sie legen Wert auf Qualität und frische Waren. Backwaren sind ein Genussmittel und damit zukunftssicher“, bekräftigte er weiter und animierte die jungen Absolventen, sich weiterzubilden und die Chancen, die sich ihnen bieten werden, wahrzunehmen. Auch sollten sie sich über ihre Altersvorsorge Gedanken machen. „Das Lernen geht weiter. Es gilt nunmehr, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, sei es im Berufsleben, bei weltlichen Fragen oder im Privaten.“ Börke ermunterte die jungen Freigesprochenen dazu, sich zum Beispiel sportlich und auch ehrenamtlich zu engagieren und nicht zu viel Zeit am Handy zu verbringen.
Die nach wie vor geringe Zahl an Auszubildenden führt der stellvertretende Obermeister unter anderem auf das angeschlagene Image des Bäckerhandwerks zurück und auf die verbreitete Haltung vieler Eltern, ihre Kinder sollten es einmal „besser haben“. Auch das vergleichsweise niedrige Ausbildungsgehalt sowie die angespannte Wohnraumsituation würden es jungen Menschen zusätzlich erschweren, sich für eine handwerkliche Ausbildung zu entscheiden. Die Berufsbildende Schule Neustadt hat durch den Mangel an Auszubildenden bereits ihre Bäckerklasse geschlossen. Zukünftig werden die Auszubildenden dann in Lübeck beschult. Helmut Börke, der selbst auf 40 Jahre berufliche Erfahrung zurückblicken kann, hofft dennoch in Zukunft wieder auf mehr Auszubildende für das besondere Handwerk und setzt dabei auch auf internationale Unterstützung: „Momentan habe ich vier Auszubildende aus Madagaskar und bemühe mich sehr um deren Integration. Wir müssen ein gemeinsames Miteinander anstreben. Nur so können wir stark in die Zukunft gehen.“ (red)