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Eutiner Gaststätten erzählen Geschichte

Bilder
Der neue Kalender der Bürgergemeinschaft Eutin ist da und darf verschenkt werden. In 13 Kalenderblättern erzählt er von der Eutiner Gaststättenkultur – ein spannendes Stück Stadtgeschichte.

Der neue Kalender der Bürgergemeinschaft Eutin ist da und darf verschenkt werden. In 13 Kalenderblättern erzählt er von der Eutiner Gaststättenkultur – ein spannendes Stück Stadtgeschichte.

Eutin (ed). Den Titel ziert ein wunderschönes Hotel, das schon fast Geschichte ist, denn das Hotel zum Uklei ist zum Abriss freigegeben. Das Foto erinnert an seine Glanzzeiten – ist ein Indiz für das Thema des dies- oder besser nächstjährigen Kalender der Bürgergemeinschaft Eutin. Der Kalender „Eutin in alten Ansichten“ für 2020 dreht sich in 13 Kapiteln rund um die Gaststättenkultur – von der Kruggerechtigkeit bis zum Bierbrauen bekommt der Leser auf der Kalenderblattrückseite die Hintergrundgeschichte erzählt und dazu passend ein Stückchen Stadtgeschichte zum Foto auf der Vorderseite des Kalenderblatts.
Zum 39. Mal erscheint der Kalender der Bürgergemeinschaft in dieser Form, in „Alten Ansichten“ – und das mal jeweils 13 Kapitel, „das ergibt mit 338 einzelnen Kapiteln ein umfangreiches Stückchen Stadtgeschichte“, ist Regine Jepp, die Sprecherin der Bürgergemeinschaft stolz auf das Werk. Sie ist sicher: Viele ältere Eutiner werden sich bei den Bildern an früher erinnern und sagen: Da hab ich auch getanzt. Da haben wir unsere Hochzeit gefeiert. Oder eben: Da haben wir auch gekegelt. Denn: „In Eutin wurde überall gekegelt.“ 1927 sind 15 Kegelclubs in Eutin verzeichnet – sie finden ihre Sportheime in den vielen Gaststätten, von denen zahlreiche auch Kegelbahnen eingerichtet haben. So wie der Wittsche Gasthof, ansässig neben dem Weber-Café und stolzer Inhaber einer vierbahnigen Bundeskegelbahn. So wird das Kegeln zum Thema im Oktober. Im November ist es das leicht mysteriöse Sparclub-Wesen, das heute fast ausgestorben ist, aber untrennbar von der Gaststättenkultur. Rund 55 habe es zu Spitzenzeiten in und um Eutin herumgegeben – von der Kneipe fürs Feierabendbier über das Ausflugslokal bis zum fast glamourösen Hotel.
Ein weiteres Gaststättenthema ist von jeher das Bierbrauen, mit dem sich der Januar befasst, und auch das hat Tradition in Eutin – schon allein weil es von Wassergräben durchzogen und damit die wichtigste Voraussetzung für gutes Bier bietet: Gutes Wasser. Von den vielen Brauereien allerdings ist immerhin das St. Michaelis-Bräu am Markt übrig geblieben in einem Haus, in dem schon seit 200 Jahren gebraut wird. Im Februar wird auch anhand des Viktoria-Hotels in der Lübecker Straße auf unterhaltsame Weise erklärt, wieso man „etwas auf dem Kerbholz haben“ oder „in der Kreide stehen“ kann – auch das gehört zur Gaststättenkultur ebenso wie die Bahnhöfe. „An jedem Bahnhof, an dem man umsteigen konnte, gab es ein Hotel, falls der Anschluss mal auf sich warten ließ“, schmunzelt Regine Jepp, „so auch in Eutin.“ Bereits vor dem Bahnhof gab es die Postkutschenstation in der Lübecker Straße – hier wurden die Pferde gewechselt, aber auch die Richtung. Und auch hier konnte es schon passieren, dass der Anschluss erst am nächsten Tag die Stadt verließ. So hatte sich direkt gegenüber der alten dänischen Poststation ein vornehmes Hotel angesiedelt, das den Fahrgästen komfortable Unterkunft bot. Während die Fotos aus dem Fundus der Bürgergemeinschaft kommen, stammen die Texte dazu von Regine und Karlheinz Jepp. Die Sprecherin der Bürgergemeinschaft und ihr Mann sind ein wahrer Fundus an Eutiner Geschichten – es gibt wohl kaum ein Thema, zu dem sie keine Anekdote oder ein Stück Geschichte berichten können. Umso schöner ist es, dass sie ihr umfangreiches Wissen über den Kalender teilen und so von den Ausflugshotels, von Burschenschaftlern, die nur außerhalb des Stadtgebietes trinken durften, von der Postkartenkutlur und dem genialen Touristiker August Holzbach, der seinerzeit Mitbringsel entwarf und verkaufte, erzählen. Die einzige Schwierigkeit des Kalenders ist wohl, sich von Monat zu Monat zu gedulden und nicht alle Geschichten gleich zu lesen. „Viele Eutiner freuen sich schon drauf, der Kalender ist eine echte Tradition geworden. Und das ist gut, denn wir brauchen ihn“, freut sich Carsten Behnk über das Engagement der Bürgergemeinschaft, „als Geschenk für besondere Anlässe. Gut, dass Eutin eine reiche Geschichte hat.“
Den Kalender „Eutin in alten Ansichten“ gibt es für 12 Euro bei LMK und in der Buchhandlung Hoffmann. Wer ihn kauft, tut übrigens nicht nur sich oder den Beschenkten Gutes sondern auch seiner Stadt: Der Gewinn aus dem Kalender wird für Eutin eingesetzt wie für die Sanierung der Eutiner Mühle oder Verschönerungen des Wochenmarkts.



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