Reporter Eutin

Mit Oskar Kokoschka auf Reisen

Bilder

Eutin (ed). Es sind Werke, die von Reiselust zeugen, vom Interesse an Menschen, an Kulturen, an Gesichtern, an Tieren und Landschaften – Werke, die Oskar Kokoschkas Blick auf das alles sichtbar machen, und die gleichermaßen in ferne Länder entführen, in die marokkanische Wüste, aufs Land in Apulien, nach Florenz oder nach New York. Ab Sonntag zeigt das Ostholstein-Museum 140 Zeichnungen und Grafiken Oskar Kokoschkas und holt damit einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts nach Eutin.
Selbstporträts, aber vor allem Reisebilder sind es, Zeichnungen und Grafiken, die auf Kokoschkas Reisen durch die Welt entstanden sind – und mit denen er sich seinen großen Traum vom Reisen erfüllte. Denn in ferne Länder zu reisen, am liebsten nach Afrika, das wünschte sich bereits der junge Oskar Kokoschka. Geboren 1886 in Pöchlarn, im ländlichen Österreich der K und K-Monarchie, zog es es ihn früh schon in die Hauptstadt Wien – er studierte an der Kunstgewerbeschule und traf seine erste große Liebe: Alma Mahler. Mit ihr führte er zwei Jahre lang eine tragische Liebesbeziehung, die zerbrach. Unglücklich meldete er sich freiwillig als Soldat im Ersten Weltkrieg. Zweimal schwer verwundet und in Schützengräben verschüttet wandte er sich nach dem Krieg in seinem künstlerischen Ausdruck dem Expressionismus und der Wiener Moderne zu. Und konnte sich dank des Galeristen Paul Cassierer seinen Traum vom Reisen bald erfüllen. So ging es für Kokoschka in den 20er Jahren auf Malreisen durch Europa, ans östliche Mittelmeer und nach Nordafrika. Von den Nationalsozialisten als “entarteter Künstler” diffamiert, ging er zuerst ins Exil nach Prag und lernte dort seine spätere Frau Olda kennen. Mit ihr floh er dann auf die britischen Inseln. Da während des Krieges Landschaften in Öl schnell unter Spionageverdacht gerieten, begann Kokoschka, Skizzenblock und Farbstifte mit sich herumzutragen – und entwickelte dafür ein Faible. Nach dem Krieg dann begannen die Kokoschkas zu reisen und hörten bis in die 70er Jahre nicht damit auf. Die Zeichnungen und Lithographien, die auf diesen Reisen entstanden sind, sprühen vor Leben. Zum größten Teil sind die Werke schwarzweiß, nur wenige in Farbe – für manche seiner Zeichnungen brauchte Oskar Kokoschka nur wenige Striche, um den Charakter der Landschaft, der Menschen, der Tiere einzufangen. Der Kameltreiber mit seinem Tier, Reiter und Pferde bei den berühmten marokkanischen Pferderennen, apulische Schweine und Schafe. Betrachtet man den Mandelhain, hört man förmlich das Sirren der Grillen, die Zeichnungen entlocken Staunen, Schmunzeln, Reiselust – Kokoschkas Bilder ziehen den Betrachter in die Landschaft, zu den Menschen, die sie darstellen, selbst wenn sie nur mit einigen Strichen schnell gezeichnet wurden. “Und doch schaffte er es, zum Beispiel den Charakter der Tiere nicht nur zu treffen sondern auch zu interpretieren”, so Heinz Spielmann. “Er liebte es, wenn er schnell zeichnen musste.”
Die Werke stammen aus der Sammlung Spielmann-Hoppe – das Kunsthistoriker-Ehepaar Spielmann und seine Tochter Claudia Hoppe sammeln – neben den Werken weiterer namhafter Künstler – die Werke Oskar Kokoschkas aber nicht nur, sie kannten ihn und seine Frau Olda auch über viele Jahre hinweg gut. “Siez-Freunde” seien sie gewesen, schmunzelt Prof. Dr. Heinz Spielmann, der Kokoschka während seiner Zeit als junger Kustos des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe kennenlernte, da er mit dessen zweckgebundenen Arbeiten eine Ausstellung machen wollte. “Das Konzept hat ihm gefallen”, erinnert Spielmann sich gern, eine Zusammenarbeit, aus der eine Freundschaft mit dem Ehepaar Kokoschka wurde. Die Erzählungen der Spielmanns spiegeln wie auch die Auswahl der Reisebilder diese Freundschaft wider, die Zuneigung, die Spielmanns heute noch diesem großen Künstler gegenüber empfinden. Kokoschka habe unheimlich viel Witz gehabt, erzählt Angelika Spielmann lächelnd, “und tolle Umgangsformen. Er war sehr spontan und hatte einen unglaublichen Charme, auch im hohen Alter noch.”
Damals schon fingen die Spielmanns an, Kokoschkas Kunst zu sammeln – und nach seinem Tod sammelten sie auf Auktionen weiter. Aus ihrer Sammlung haben sie eine Stiftung gemacht. Erklärtes Ziel: “Wir wollten, dass bedeutende Künstler auch in kleineren Städten zu sehen sind, dass man nicht nach Wien fahren muss, um eine Kokoschka-Ausstellung zu sehen.” So wünschte sich Dr. Julia Hümme eine solche Ausstellung und freut sich, dass sie diesen Wunsch dank der Spielmann Stiftung verwirklichen konnte: “Weil Kokoschka einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts ist. Und weil diese Zeichnungen und Grafiken einfach großartig sind.”
Eine Ausstellung, die von der Reiselust und der unglaublichen Kunst Oskar Kokoschkas zur Freude des Betrachters erzählt. Sie führt von Reisestation zu Reisestation – Textfahnen erzählen Wissenswertes über Land, Leute und was sie für Kokoschka bedeuteten. So lässt es sich mit dem Künstler, der nicht nur malte und zeichnete sondern auch schrieb, Bühnenbilder und Kostüme entwarf, durch die Welt reisen und sie mit seinem Blick sehen.
Die Ausstellung „Kokoschka auf Reisen“ wird morgen, am Sonntag, dem 3. März, um 11.30 Uhr im Erdgeschoss des Ostholstein-Museums eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Kreispräsidenten Harald Werner wird Professor Dr. Heinz Spielmann in die Ausstellung einführen. Musikalisch wird die Eröffnung durch Kerstin Krieger (Klavier) und Frauke Behrens-Wolff (Flöte) von der Kreismusikschule Ostholstein begleitet.


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