Reporter Fehmarn

Neue Initiative will Fehmarn wieder aufblühen lassen

Die Initiatoren und Initiatorinnen v.l.n.r.: Jürgen Rauert, Svenja Nielson, Matthias Meetz, Barbara Bugislaus-Scheel, Jonas Höpner

Die Initiatoren und Initiatorinnen v.l.n.r.: Jürgen Rauert, Svenja Nielson, Matthias Meetz, Barbara Bugislaus-Scheel, Jonas Höpner.

Bild: hfr

Fehmarn. Knicks, Teiche, Redder und blühende Wiesen statt anonymer Ausgleichszahlungen irgendwo auf dem Festland: Mit der neuen Initiative „Biotope auf Fehmarn“ wollen fünf Inselbewohner und Inselbewohnerinnen erreichen, dass Gelder aus Ausgleichsmaßnahmen – etwa für Windkraftprojekte – künftig direkt der heimischen Natur zugutekommen. „Fehmarn zahlt für Bauvorhaben wie Windkraftanlagen Ausgleichsgelder an den Kreis Ostholstein“, erklärt Mitinitiatorin Barbara Bugislaus-Scheel. „Unser Ziel ist es, dass genau dieses Geld als neue Biotope wieder zurück auf die Insel fließt – und nicht irgendwo im Kreisgebiet versickert.“

Flächen und Projekte auf Fehmarn sollen dabei klar im Mittelpunkt stehen. Wer auf Fehmarn baut – etwa Windkraftanlagen errichtet – greift damit in Natur und Landschaft ein. Für solche Eingriffe schreibt das Naturschutzrecht einen Ausgleich vor: Entweder wird an anderer Stelle ein neuer Lebensraum geschaffen, oder es wird eine Ausgleichszahlung an die zuständige Behörde geleistet, in diesem Fall den Kreis Ostholstein. In der Praxis, so die Initiatoren und Initiatorinnen, landen diese Gelder häufig in einem großen Topf für das gesamte Kreisgebiet – und fließen damit nicht zwangsläufig dorthin zurück, wo der Eingriff überhaupt stattgefunden hat. Genau hier setzt die Initiative an: Sie will Landeigentümer und Landeigentümerinnen, Behörden und Verbände so zusammenbringen, dass möglichst viele der auf Fehmarn erhobenen Ausgleichsgelder auch tatsächlich in fehmarnsche Projekte investiert werden.

Gefördert werden können Biotope in Form von Knicks (Neuanlage oder Verbesserung vorhandener Knicks), Reddern, Teichen und weiteren naturnahen Strukturen. Ein Biotop, so die Initiative, sei schlicht ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere – und damit ein wichtiger Baustein für eine artenreiche, lebendige Insel. Gerade auf einer Insel wie Fehmarn, die stark landwirtschaftlich geprägt ist, sind solche naturnahen Strukturen oft Mangelware: Große, offene Ackerflächen bieten Insekten, Vögeln und Wildtieren zu wenig Deckung und Nahrung. Ein neu angelegter Knick, ein Teich am Feldrand oder ein Streifen Blühwiese können hier schon einen spürbaren Unterschied machen – als Trittstein zwischen größeren Schutzgebieten und als Rückzugsort für Arten, die auf der Insel selten geworden sind. Angesprochen sind ausdrücklich alle, die Land besitzen oder bewirtschaften – die Initiative nennt vier Gruppen, denkt den Kreis der möglichen Mitstreiter aber bewusst weiter: Landwirte und Landwirtinnen können auf ihren Flächen wertvolle Strukturen in der Kulturlandschaft gestalten und dabei langfristige Fördermöglichkeiten nutzen oder Biotope gezielt für ein Ökokonto anlegen, dass sich später mit eigenen Bauvorhaben verrechnen lässt. Jäger und Jägerinnen und der örtliche Hegering schaffen mit Hecken, Feldgehölzen oder Tümpeln Lebensräume für Wildtiere und stärken damit die Artenvielfalt der Insel – ein Anliegen, das sich mit ihrem ohnehin bestehenden Interesse an gesunden Wildbeständen deckt. Kirchengemeinden wiederum verfügen oft über eigene Flächen oder verpachtetes Land; die Initiative lädt sie ein, sich für die Schöpfung und Natur einzusetzen, geeignete Flächen zu identifizieren und das Gespräch mit ihren Pächtern zu suchen. Und nicht zuletzt setzt auch die Stadt Fehmarn verfügbare Gelder für Anpflanzungen auf städtischem Grund ein – ein Beitrag, den die Initiatoren und Initiatorinnen ausdrücklich begrüßen. Der Weg zum eigenen Biotop soll unkompliziert sein. In drei Schritten geht es voran: Interessierte melden sich formlos direkt bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Ostholstein – mit oder ohne konkrete Idee für ihre Fläche. Gemeinsam mit der UNB wird dann geprüft, was auf der jeweiligen Fläche sinnvoll und förderfähig ist. Im dritten Schritt wird die Maßnahme umgesetzt – begleitet und beraten, mit Zugriff auf die zur Verfügung stehenden Ausgleichsgelder. Neben der UNB des Kreises Ostholstein bieten außerdem der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) Schleswig-Holstein und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein weitere Fördermöglichkeiten. Wer noch unsicher ist, ob sich die eigene Fläche eignet, muss laut Initiative keine Scheu haben: Eine erste, unverbindliche Anfrage reiche völlig aus – Klärungsbedarf gebe es fast immer, und genau dafür stehe die Beratung durch die UNB bereit.

Hinter „Biotope auf Fehmarn“ stehen fünf Initiatoren und Initiatorinnen: Barbara Bugislaus-Scheel, Svenja Nielson, Jürgen Rauert, Jonas Höpner und Matthias Meetz. Sie verstehen sich als Bindeglied zwischen Landeigentümern und Landeigentümerinnen, Behörden und Verbänden – und wollen mit möglichst wenig Bürokratie möglichst viel naturnahe Fläche auf die Insel bringen. Über Instagram und persönliche Kontakte will die Gruppe außerdem sichtbar machen, was auf Fehmarn bereits entsteht: Wer eigene Projekte oder Pläne hat, ist eingeladen, den Status quo und Zukunftspläne aktiv mit der Initiative zu teilen.

Perspektivisch soll aus einzelnen Projekten ein Netzwerk werden: Je mehr Hecken, Teiche und Biotope über die Insel verteilt entstehen, desto eher können daraus zusammenhängende Lebensräume werden, die Tieren und Pflanzen mehr bieten als isolierte Einzelflächen. Die Initiatoren und Initiatorinnen hoffen, dass „Biotope auf Fehmarn“ so langfristig zu einem festen Bestandteil der Inselentwicklung wird – getragen von Landwirten und Landwirtinnen, Jägern und Jägerinnen, Kirchengemeinden, der Stadt und allen, die einfach ein Stück Land für die Natur übrig haben.
Kontakt zur Initiative: Barbara Bugislaus-Scheel, Telefon: 01719819112, E-Mail: initiativebiotopefehmarn@gmail.com, Instagram: @initiativebiotopefehmarn. Kontakt UNB Kreis Ostholstein: e.boegelsack@kreis-oh.de, Tel. 04521 788-879.


UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen