reporter Neustadt

Ein Teich mit Geschichte

Neustadt in Holstein. Einst wurde er als Löschwasserreservat angelegt, heute ist er formal ein Regenrückhaltebecken. Doch für viele Menschen im Quartier rund um den Westpreußenring war er über Jahrzehnte viel mehr: eine kleine Naturoase im Norden der Stadt, ein Ort des Verweilens und geteilter Zeit. Wer hier aufgewachsen ist oder lange im Viertel gelebt hat, erinnert sich an Nachmittage mit Freunden am Ufer, an selbstgebaute Flöße, an erste Angelversuche, an ruhige Stunden allein. Im Winter wurde Schlittschuh gelaufen, wenn die Eisdecke trug. Das Gewässer galt nie als offizielles Ausflugsziel und doch schien es früher niemandem und allen zugleich zu gehören. Eine Anwohnerin begann irgendwann Schwertlilien und Sumpfdotterblumen zu pflanzen. Doch dann kam der Einschnitt: Neue Bestimmungen machten es notwendig, den Teich einzuzäunen. Aus dem sozialen Naturraum wurde ein Funktionsraum. Die ehrenamtliche Blumenpflanzerin überstieg zunächst noch auf abenteuerliche Weise den Zaun, um sich weiter um ihre Pflanzen zu kümmern, bis es ihr schließlich untersagt und es still um den Teich wurde.

Doch es kommt wieder Bewegung in die Sache. Im Rahmen des Kinder- und Jugend-Netzwerk-Projekts (KJN) „Heimliche Experten“, begannen Menschen aus dem Viertel wieder über diesen Ort zu sprechen und Ideen für die Zukunft des Teiches zu sammeln. Ein Modellbauprojektforschender Jugendlicher möchte den Teich als mögliche „Klima-Oase“ in einen generationenübergreifenden Lern- und Zukunftsort verwandeln. Einige laufende Projekte gehen bereits in die gleiche Richtung. Das von Quartiersbewohnerin Andrea Barth entwickelte und begleitete Vorhaben „Klima Kids“ ist Teil des MINT-Wettbewerbs, einer seit Jahren erfolgreichen Kooperation zwischen dem Küstengymnasium und dem Rotary Club Neustadt-Ostsee. In einer späteren Projektphase sind weitere Kooperationen und Aktionen angedacht, unter anderem mit den Stadtwerken, mit dem Nachhaltigkeitsmanagement der Stadt Neustadt sowie dem Zeittor-Museum.

Und auch die Blumenpflanzerin Heike Hagn wandte sich an die für das Gewässer zuständigen Stadtwerke mit der Frage, ob eine behutsame Bepflanzung nicht doch wieder möglich sei. „Der Teich ist ein stark verbindender Ort, zumindest in Erinnerungen“, sagt Sebastian Bertram, der das Projekt „Heimliche Experten“ gemeinsam mit Ragna Riensberg und Danny Seidel im vergangenen Jahr initiiert hat. Frei nach dem Motto „Keine Zukunft ohne Vergangenheit“ rufen sie Neustädter dazu auf, Fotos, Zeitzeugnisse und Geschichten rund um das Gewässer zusammenzutragen. Die erste Möglichkeit dazu gibt es am Donnerstag, dem 12. März um 18 Uhr im Familientreff am Westpreußenring 52 (Kontaktmöglichkeit: heimliche-experten@kjn-neustadt.de). (red)


Weitere Nachrichten aus Neustadt

UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen