Marlies Henke

Gilden setzen auf Austausch und Zusammenhalt: 49. Ältermanntreffen in Grömitz

Grömitz. Fahnen, Begegnungen und ein Stück norddeutsche Geschichte: Rund 80 Vertreter aus 24 Gilden haben sich am Samstag zum 49. Ältermanntreffen der ostholsteinischen Gilden getroffen. Gastgeber war in diesem Jahr die Grömitzer Bürgergilde von 1492.

Bereits beim Einzug der Fahnen und Standarten wurde die lange Tradition der Vereine sichtbar. Dazu stellte Gildeoberst Ulrich Dede die Insignien des Grömitzer Verbandes vor, darunter den Schellenbaum und historische Fahnen.

Der seit März neu amtierende 1. Ältermann in Grömitz, Sven Kiekhäfer, begrüßte die Gäste und sprach über die Rolle der Gilden in der heutigen Zeit. Diese stünden seit Jahrhunderten für Zusammenhalt, Austausch und die Pflege gewachsener Patenschaften. „Wir sind mehr als nur Bewahrer der Vergangenheit“, sagte Kiekhäfer. „Wir sind ein lebendiger und fester Bestandteil unserer Gemeinden und Städte. Wir gestalten Gemeinschaft aktiv mit, tragen Verantwortung und stärken das Miteinander vor Ort.“

Einen persönlichen Einstieg wählte Carsten Gonsior, 1. Ältermann der Oldenburger „Sankt Johannis Toten- und Schützengilde von 1192“. In seinen Grußworten spannte er den Bogen von eigenen Kindheitserinnerungen in Grömitz bis zur Bedeutung der Gilden heute. Sie seien Orte der Verlässlichkeit und stünden für die Bereitschaft, füreinander da zu sein, wenn es darauf ankommt.

„Gerade in einer Welt, die immer stärker individualisiert wird, sind wir in unseren Gilden der Gegenentwurf“, so Gonsior, der zudem ein eindrucksvolles Rechenbeispiel vortrug: Addiert man das Alter aller vertretenen Gilden, kommt man auf stolze 9.280 Jahre Geschichte.

Auch Bürgervorsteher Matthias Dammer erinnerte an die Ursprünge der Gilden als Zusammenschlüsse von Kaufleuten, Handwerkern und Bürgern, die sich gegenseitig unterstützten, etwa bei Bränden oder Notlagen. Heute gehe es darum, Traditionen zu pflegen und die plattdeutsche Sprache lebendig zu halten.

Im Rahmen der Grußworte kam es auch zu nachdenklichen Beiträgen: So verabschiedete sich Älterfrau Wiebke Käkler von der Concordia Gilde Petersdorf, da sich die Gilde mangels Nachwuchs auflöst. Auch für Dr. Ralf Stolley von der Neustädter Schützengilde von 1244 war es eine Abschiedsrede: Er hatte im Februar nach 24 Jahren Vorstandsarbeit, davon 19 als 1. Ältermann, seine aktive Zeit beendet (der reporter berichtete).

Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte anschließend der Plattdeutschbeauftragte des Kreises Ostholstein Heinrich Evers. Er sprach über die Bedeutung der plattdeutschen Sprache für die Gilden, bevor der Nachmittag in geselliger Runde und dem traditionellen Ausschießen des Fritz-Latendorf-Pokals ausklang. (he)


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