Marlies Henke

Kasseedorf entscheidet über Windkraft – Bürgerentscheid am 13. September

Bürgermeister Mario Bielarz hofft beim Bürgerentscheid am 13. September auf eine hohe Wahlbeteiligung.

Bürgermeister Mario Bielarz hofft beim Bürgerentscheid am 13. September auf eine hohe Wahlbeteiligung.

Bild: Marlies Henke

Kasseedorf. Jetzt haben die Bürgerinnen und Bürger das Wort: Am 13. September entscheiden die Kasseedorfer über die weitere Planung von Windkraft in ihrer Gemeinde. Auslöser ist ein Bürgerbegehren der Initiative „Keine Windkraft im Herzen der Gemeinde Kasseedorf“. 435 Menschen hatten das Begehren unterzeichnet und damit die erforderliche Quote von 15 Prozent deutlich überschritten (der reporter berichtete).

Worüber wird abgestimmt?
Im Mittelpunkt steht der Aufstellungsbeschluss des Bau-, Wege- und Umweltausschusses vom 12. März 2026 zur 16. Änderung des Flächennutzungsplans. Damit soll die Planung eines Windparks auf einer Fläche beidseitig der Straße von Stendorf nach Bergfeld ermöglicht werden. Grundlage für das Vorgehen ist die sogenannte Gemeindeöffnungsklausel. Sie ermöglicht es Gemeinden, auch außerhalb der vom Land ausgewiesenen Vorranggebiete für Windenergie eigene Flächen für die Windkraftplanung auszuweisen.
Die Bürgerinitiative möchte diesen Beschluss aufheben lassen. Die Gemeinde hält dagegen an dem Aufstellungsbeschluss fest. Entsprechend lautet die Abstimmungsfrage: Soll der Beschluss aufgehoben werden? Wer mit Ja stimmt, unterstützt die Aufhebung des Beschlusses und spricht sich gegen die weitere Planung des Windparks aus. Ein Nein bedeutet, dass der Beschluss bestehen bleibt und die Planung fortgeführt wird.

Wer kann abstimmen – und wie?
1.221 Menschen (Stand April 2026) sind in Kasseedorf abstimmungsberechtigt. Am 13. September kann von 8 bis 18 Uhr in drei Abstimmungsbezirken („Kiek in“ in Kasseedorf, Feuerwehrgerätehaus Sagau und Mehrzweckhalle Griebel) abgestimmt werden; auch Briefabstimmung ist möglich. Für einen erfolgreichen Bürgerentscheid müssen die Ja-Stimmen mindestens 30 Prozent der Abstimmungsberechtigten erreichen.
Bürgermeister Mario Bielarz wirbt vor allem für eine hohe Beteiligung. „Mir ist eins ganz wichtig: möglichst viele Bürger zur Wahl zu bewegen, egal wie sie wählen“, sagte er bei einem Pressetermin. Auch diejenigen, die sich bislang wenig mit dem Thema beschäftigt haben, sollten von ihrem Abstimmungsrecht Gebrauch machen. Nur so lasse sich ein möglichst aussagekräftiges Bild darüber gewinnen, wie die Bürgerinnen und Bürger zu dem Vorhaben stehen, so Bielarz weiter.
Auch Abstimmungsleiter Klaas Raloff sieht im Bürgerentscheid eine Möglichkeit, ein breites Bild der Stimmung in der Gemeinde zu erhalten: „Entscheidend ist dabei eine hohe Beteiligung.“

Darum geht es den beiden Seiten
Die Gemeinde will das Planverfahren fortsetzen. Der Bau-, Wege- und Umweltausschuss hält an seinem Aufstellungsbeschluss vom 12. März fest. Aus Sicht der Gemeinde bietet ein möglicher Windpark die Chance auf zusätzliche Einnahmen: Sie rechnet mit rund 300.000 Euro jährlich aus der EEG-Vergütung, hinzu kämen noch nicht bezifferte Gewerbesteuereinnahmen. Angesichts der angespannten Finanzlage der Gemeinde könnten diese Einnahmen dazu beitragen, zusätzliche Belastungen für die Bürger zu vermeiden. Zudem sollen nach Angaben der Gemeinde jährlich bis zu 40.000 Euro in eine gemeinnützige Stiftung fließen, die soziale und kulturelle Projekte in Kasseedorf unterstützen soll.
Zugleich verweist die Gemeinde auf die Bedeutung des Ausbaus erneuerbarer Energien für Energieversorgung und öffentliche Sicherheit. Ob und unter welchen Bedingungen ein Windpark tatsächlich mit den Interessen von Anwohnern, Natur und Landschaft vereinbar ist, solle im weiteren, ergebnisoffenen Bauleitplanverfahren geprüft und abgewogen werden.
Die Bürgerinitiative will das Planverfahren dagegen bereits an dieser Stelle beenden. Sie sieht das Vorhaben vor allem wegen des Standorts kritisch und verweist darauf, dass das Land die Fläche wegen hoher Konfliktrisiken nicht als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen habe. Sie liege vollständig im Landschaftsschutzgebiet Bungsberg mit Vorland sowie im Naturpark Holsteinische Schweiz. Zudem weist die Initiative auf die geplante Höhe der Anlagen von bis zu 285 Metern und mögliche Auswirkungen auf Landschaft, Anwohner und Natur hin. Grundsätzlich, betont die Bürgerinitiative, richte sich ihr Widerstand nicht gegen Windenergie, sondern gegen den Standort.

Was ein Ja oder Nein bedeutet
Die Abstimmungsfrage hat eine konkrete Folge: Wer mit JA stimmt, spricht sich für die Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses vom 12. März aus. Das eingeleitete Verfahren zur 16. Änderung des Flächennutzungsplans würde damit beendet. Der geplante Windpark wäre damit vom Tisch.
Ein NEIN bedeutet dagegen, dass der Beschluss bestehen bleibt und das Planverfahren weitergeführt werden kann. Dabei würden die unterschiedlichen Interessen und möglichen Auswirkungen eines Windparks, etwa auf Natur, Landschaft und andere Belange, im weiteren Verfahren geprüft und abgewogen. Für die Gemeinde bleibe damit auch die Möglichkeit erhalten, auf die weitere Ausgestaltung der Planung Einfluss zu nehmen, so der Bürgermeister.

Wichtig für die Abstimmenden: Mit einem Nein entscheiden sie nicht unmittelbar für den Bau des Windparks. Sie ermöglichen vielmehr die Fortsetzung des Planverfahrens. Mit einem Ja wäre dieses Verfahren auf Grundlage des Aufstellungsbeschlusses beendet. (he)


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