Kristina Kolbe

Keine leichte Kost - Künstler Holger Wittig-Koppe setzt auf starke Emotionen und schwere Themen

Holger Wittig-Koppe gab am Eröffnungstag eine kleine Einführung in sein Schaffen.

Holger Wittig-Koppe gab am Eröffnungstag eine kleine Einführung in sein Schaffen.

Bild: Kristina Kolbe

Neustadt. Am vergangenen Sonntag wurden die Besucherinnen und Besucher der Ausstellungsräume der Stadtbücherei zu Beobachtern verschiedenster gesellschaftlicher Szenarien. Künstler Holger Wittig-Koppe zeigte dort auf Einladung der Ausstellungsgemeinschaft seine Werke, die noch bis zum 6. Mai zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen sind. Besonders spannend: Holger Wittig-Koppe ist gleichzeitig Soziologe.

Er hat in der Kunst einen Weg gefunden, die Erfahrungen und Erkenntnisse aus seiner Profession auszudrücken. Dadurch öffnet sich auch beim Betrachter das Feld dieser empirischen Wissenschaft vom gesellschaftlichen Zusammenleben und bietet spannende Blickwinkel und Perspektiven aus der Soziologie. Jedes Werk richtet den kritischen Blick auf eine Szene sozialer Interaktion beziehungsweise auf die Gefühle, Gedanken und Emotionen dahinter. Orientierungshilfe geben die nebenstehenden Namen, wie zum Beispiel „Im Lager“, „Besorgter Menschenrechtler“ oder „Das Leben spielt mit gezinkten Karten“. Die Bilder stecken voller Symbolik, mal mehr, mal weniger offensichtlich und erfordern gründliche Aufmerksamkeit, damit dem Auge nichts entgeht.

Die Kunst von Holger Wittig-Koppe erklärt nicht nur die Szene oder Situation, ihr Anblick löst beim Betrachten unvermeidlich auch starke Gefühle aus, manchmal klar und deutlich in eine Richtung, manchmal ambivalent. Er selbst beschrieb seine Werke am Tag der Ausstellungseröffnung als eine Reflexion aus kritischem Blick und der Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft. „Ich versuche, all die Sichtweisen, die ich auf die Gesellschaft habe, in den Bildern zu erfassen“, erklärte er. Dabei blicke er auch hinter die Fassade.

Was seine Werke ausdrücklich nicht sein sollen, ist, nach Angaben des Künstlers selbst, schön. Kräftige Farben und der grobe Malstil lenken den Betrachter direkt zur Essenz. Oft schaut man in verzerrte, skizzenhaft dargestellte Gesichter, an denen sich starke Emotionen wie Wut, Scham oder Bestürzung ablesen lassen. Außerdem gehen die Themen, denen sich Wittig-Koppe widmet, auch gerne dorthin, wo es weh tut, und fordern den Wertekompass des Betrachters heraus. Auch wenn keine schönen Bilder im Sinne der Ästhetik auf die Menschen warten, ist die Ausstellung dennoch einen Besuch wert. (ko)


UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen