

Langenhagen. Die Themen der Gemeindevertretung Schönwalde stießen am vergangenen Mittwoch auf reges Interesse. Die Plätze im Feuerwehrgerätehaus Langenhagen waren bis auf den Letzten gefüllt. Grund dafür dürfte unter anderem das Bürgerbegehren zum Thema Windkraft gewesen sein. Durch eine beschlossene Änderung des Flächennutzungsplans hatte der Bau-, Wege- und Umweltausschuss im April dieses Jahres die Weichen für einen möglichen Windpark in Langenhagen gestellt.
Auf einer Fläche zwischen Langenhagen, Scheelholz und Mönchenneversdorf, östlich des Waldgebietes, möchte die Hanse Windkraft, eine Tochter der Stadtwerke München, drei Windenergieanlagen aufstellen. Durch den Aufstellungsbeschluss würde die Gemeinde nun eigentlich das Planverfahren einleiten. Demnach wäre mit einem tatsächlichen Bau der Windräder im Jahr 2030/2031 zu rechnen.
Doch nicht alle sind von dem Vorhaben überzeugt. Die Bürgerinitiative „Schutzgemeinschaft Bungsberg“ hat 757 Unterschriften gesammelt und damit die Gemeinde aufgefordert, dem Bürgerbegehren direkt zu folgen oder einen Bürgerentscheid durchzuführen. Da der Bau-, Wege- und Umweltausschuss am Aufstellungsbeschluss festgehalten hatte, wird es einen Bürgerentscheid geben.
Dieser wird am Sonntag, dem 22. November, stattfinden. Durch ihre Stimme haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, die Fortführung der Planung zu stoppen.
Die Nabenhöhe, also die Höhe vom Boden bis zur Mitte des Rotors, würde nach aktuellem Planungsstand zwischen 169 und 175 Metern betragen. Hier sieht die Bürgerinitiative eine ununterbrochene Belästigung durch Lärm und Infraschall, zumal der Abstand zur Wohnbebauung in Scheelholz nur 400 Meter betrage. Auch der Schattenwurf am Tag und die blinkenden Lichter nachts würden ein Problem darstellen. Weitere Argumente neben der Beeinträchtigung der Lebensqualität betreffen zum Beispiel den Arten- und Landschaftsschutz sowie den Wertverlust der Eigentümer.
Den Bedenken der Bürgerinitiative stehen wirtschaftliche Interessen gegenüber. Die Hanse Windkraft rechnet damit, dass jede einzelne Windenergieanlage voraussichtlich rund 25.000 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugt. Die Gemeinde erhofft sich durch die Realisierung des geplanten Windparks Einnahmen in Höhe von über 100.000 Euro jährlich durch Gewerbesteuereinnahmen und finanzielle Beteiligung. Dieses Geld könne signifikant zur Haushaltskonsolidierung beitragen, die laut Finanzausschussvorsitzendem Michael Schumacher auf Schönwalde zukommen würden.
Er teilte auf der Gemeindevertretung mit, dass das Haushaltsjahr 2025 mit einem Jahresergebnis in Höhe von minus 426.932,61 Euro abschließt. Um dieses auszugleichen, müsse die Ausgleichsrücklage in Anspruch genommen werden. Zusätzlich müsse die Gemeinde einen Liquiditätskredit in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro aufnehmen. In der Beschlussvorlage heißt es, dass die Gemeinde im Jahresabschluss 2025 erstmals seit einigen Jahren wieder einen Jahresfehlbetrag ausweise, der über die Ausgleichsrücklage zwar noch ausgeglichen werden könne, jedoch als Anlass zur Aufnahme von Konsolidierungsbemühungen gesehen werden solle. „Wir sind gezwungen, uns massive Gedanken darüber zu machen, wie wir unsere Einnahmen erhöhen und unsere Ausgaben senken“, so Schumacher. Als Beispiele zur Einnahmensteigerung nannte er mögliche Anpassungen der Hebesätze sowie der Gebührensatzung für die Ortsentwässerung, die Einführung von Nutzungsgebühren, den Ausbau erneuerbarer Energien oder auch eine Reduktion des Gebäudebestands. Einsparungspotenzial befürchte er beispielsweise im Bereich Sportförderung, Museum, Jugendbetreuung oder Bauhof. „Die Verantwortung für die Finanzen liegt in der Gemeinde“, erklärte er. Daher sei man künftig wohl stärker auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. (ko)




