reporter Neustadt

Leserbrief „Gedenken, Mahnung, Hoffnung, Würde“reporter vom 17.12.2025

Bild: AdobeStock

Ehre wem Ehre gebührt

80 Jahre nach der Versenkung der Cap-Arcona und der Thielbek finden die Mordopfer auf dem sogenannten „Ehrenfriedhof“ in Haffkrug keinen Frieden. Die 1128 hier zur „letzten Ruhe“ bestatteten Menschen aus über 20 Nationen warten seit 75 Jahren vergeblich auf „Ruhe in Frieden“.

Das Naziterrorregime hatte diesen armen Menschen die Freiheit, die Namen, die Würde und das Leben genommen. Mit dem Nennen der bekannten Namen hätte man ihnen zumindest einen Teil ihrer Würde zurückgeben können und den Trauernden etwas Trost durch die Gewissheit: Hier ist der Ort des Gedenkens zur Trauer und zur Zuversicht.

Wie lange will man hier die Toten noch totschweigen? Diese haben umsonst gelebt, sollen sie auch noch umsonst gestorben sein? Wie lange will man noch warten, die armen Seelen um Vergebung zu bitten?

Jetzt hat die Stiftung Polnisch-Deutsche Versöhnung einen Anfang gemacht und ein ganz starkes Zeichen gesetzt. 185 polnischen Mordopfern wurde ihr Name wiedergegeben. In Cortenstahl gebrannt, vielleicht auch in die Köpfe zum Nie-Vergessen. Auch eine Tafel mit Infos über die Tragödie wurde jetzt hier aufgestellt von einem Land, das unter dem Nazi-Regime so furchtbar leiden musste. Man kann diesem Akt der Versöhnung gar nicht genug Hochachtung und Dank zollen.

Mehr als peinlich ist die Rolle der deutschen Verwaltung. Man musste sich vorführen lasen wie es geht und konnte sich dagegen kaum noch länger wehren, da die polnische Seite alles selbst geplant, realisiert und auch finanziert hatte. Ihre Landsleute trauern ja auch um ihre Toten. Sollte das der Grund sein, warum von deutscher Seite hier bislang nichts getan wurde, weil wir keine Toten zu beweinen haben? Oder ist dieser Ort als Beweisstück der dunkelsten deutschen Geschichte so unangenehm, dass man ihn besser verdrängen und vergessen würde?

Nein, es war keine unvermeidliche Natur-Katastrophe, sondern eine perfekt geplante Mordtragödie. Der Friedhof ist auch noch kein Hof des Friedens solange wir diese Erfahrung nicht auch als Friedensbotschaft verkünden: Nie wieder!

Es ist auch falsch, dieses Mahnmal „Ehren-Friedhof“ zu nennen. Dieser Terminus bleibt den Helden/Soldatenfriedhöfen vorbehalten. Es würde der deutschen Verwaltung zur Ehre gereichen, endlich damit zu beginnen, einige der seit Jahren vorliegenden Umgestaltungsentwürfe zum „internationalen Mahnmal“ umzusetzen. Der Anfang ist die Hälfte vom Ganzen.

5. Januar 2026, Stelli Banana


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