reporter Neustadt

Medizinscher Einsatz in Ruanda

Neustadt in Holstein/Ruanda. Hilfe zur Selbsthilfe durch eine intensive eins-zu-eins Fortbildung für OP-Pflege, Anästhesie und Chirurgen - da wird es ganz schön voll im OP-Saal. Ein 9-köpfiges Team der Hilfsorganisation Via Cordium, darunter Mitarbeiter der Schön Klinik Neustadt, war gerade für einen Hilfseinsatz in Ruanda. Das Projekt fand in Zusammenarbeit mit der ruandanischen Partnerorganisation Rwanda Legacy of Hope (Leitung Osee Ntavuka) statt und wurde durch das ruandanische Gesundheitsministerium gefördert.

 

Mit fast 400 Kilogramm Gepäck machte sich das Team aus Norddeutschland kürzlich auf den Weg nach Ruanda, eine schwergewichtige Reise mit medizinischer Ausrüstung und Medikamenten. Mit dabei zwei vollständige OP-Teams: Zwei Chirurgen, drei Anästhesisten und vier Krankenschwestern des Bereiches OP und Anästhesiepflege, darunter einige Mitarbeiter der Schön Klinik Neustadt: Johanna Augustin, Dr. Jaqueline Bruhn, Dr. Veronika Dudek, Kerstin Hellweg, Manuela Hellwich Lourenco und Mathias Tomala. „Wir sind mit dem Ziel nach Ruanda gereist, um Kollegen vor Ort kennenzulernen, gegenseitig voneinander zu lernen, gemeinsam zu operieren und unser Wissen weiterzugeben“, so Mathias Tomala, Chirurg aus Neustadt und Einsatzleiter, „bei unserem Unterricht geht es nicht darum zu belehren, sondern nur zu zeigen, wie wir es in Deutschland in unseren Kliniken machen.“ Operiert wurde nach intensiven Sprechstunden, gemeinsam mit Kollegen vor Ort, dabei war der Schwerpunkt die interdisziplinäre Versorgung von spezifischen Erkrankungen aus dem Bereich Allgemeinchirurgie, Plastische Chirurgie und Handchirurgie.

Einige Erkrankungen, welche in Deutschland selten sind zeigten sich mehrfach, beispielsweise tiefe Schnitt- und Amputationsverletzungen durch Macheten, welche für die Landwirtschaft im Einsatz sind, alte unversorgte Handverletzungen und große Verbrennungsnarben, da viele Menschen am offenen Feuer kochen. „Uns geht es nicht darum, Patienten zu operieren und dann abzureisen, sondern wir möchten unser Wissen weitergeben, damit es vor Ort eingesetzt wird, auch wenn wir nicht da sind. Der Gedanke des Unterrichtens steht für uns daher im Vordergrund“ so Tomala. Das Via Cordium Team lernte während des Einsatzes viele gut ausgebildete Ärzte und Pfleger kennen, zudem zeigte sich, dass es in Ruanda eine sehr gute Basisversorgung für alle Menschen durch eine Krankenversicherung gibt, eine Ausnahme im Vergleich zu vielen Nachbarländern. In Ruanda gibt es autonome Drohnen, welche im Notfall im Einsatz sind um Medikamente und Blutkonserven zu den Krankenhäusern fliegen, das Straßennetz ist größtenteils asphaltiert. Für das deutsche Team sind dies sehr gute Bedingungen, um ein langfristiges Kooperationsprojekt aufzubauen. Mit dem Wissen, welche OP-Techniken für die Kollegen dort interessant sind und welches medizinische Equipment fehlt, reiste das Via Cordium Team nach zwei Wochen intensiver Arbeit wieder ab, mit im Gepäck Dankbarkeit und Freude. „Der enge und freundschaftliche Kontakt lässt auf eine dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Team aus Ruanda hoffen“, so Tomala.

 

Wer ist Via Cordium?

Die Lübecker Hilfsorganisation Via Cordium e.V. hat gerade ihr 10-jähriges Jubiläum gefeiert und wurde 2015 durch eine Gruppe von Ärzten und Lehrern in Lübeck anlässlich der Erdbeben in Nepal gegründet. Die überschaubaren Projekte in aller Welt werden immer mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen umgesetzt. Die medizinischen und sozialen Einsätze finden auf Augenhöhe mit den Betroffenen statt, sogenannte Freundschaftsprojekte. Der Verein wird ausschließlich durch Spenden finanziert und legt Wert auf sehr geringe administrative Kosten, damit die Spenden eins-zu-eins in die Projekte fließen. Das Projekt in Ruanda hat beispielsweise die Schön Klinik Neustadt mit unterstützt. Aktuell finden Projekte in Deutschland, Ukraine, Nepal, Mustang und Tansania statt. Weitere Informationen auf www.via-cordium.com. (red)


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