

Neustadt in Holstein. Mit der Anlaufstelle der Frauenberatung und Notruf Ostholstein wird in der Lienaustraße 14 ein sicherer Ort für Frauen geboten, an dem sie über ihre Gewalterfahrungen sprechen können. Auch Schwangere finden dort in der Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung Ansprechpartnerinnen mit einem offenen Ohr. Vor Kurzem haben Baumaßnahmen zur Kernsanierung an dem Haus sowie Arbeiten zur Erweiterung hinter dem Haus begonnen. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Hilfeleistung zukunftsgerecht aufzustellen und ist auch eine Reaktion auf die allgemeine Zunahme der Gewalt gegen Frauen.
Seit einigen Jahren verzeichnet die Beratungsstelle mit allen Zweigstellen in Ostholstein einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Das liege unter anderem an den Fallsteigerungen, teilte eine Sprecherin der Beratungsstelle mit, die aus Sicherheitsgründen hier nicht namentlich genannt wird. Laut ihren Angaben habe der Frauennotruf einen Fallzuwachs von 500 Prozent seit dem Jahr 2020 verzeichnen können. Das Bundeskriminalamt spricht von einem aktuellen Höchststand der Opfer häuslicher Gewalt. Im Jahr 2024 waren deutschlandweit 265.942 Menschen betroffen, davon 70,4 Prozent Frauen.
Um der gestiegenen Nachfrage auch in Zukunft gerecht werden zu können, sei eine Verbesserung der räumlichen Situation nötig, erklärte die Sprecherin. Daher hat sich die Fachstelle um Fördergelder für bauliche Maßnahmen, die sogenannten Landesimpulsmittel, beworben und Anfang des Jahres die Zusage erhalten. Kurz darauf folgte die Baugenehmigung der Stadt, sodass an der Lienaustraße bereits die ersten Baumaschinen angerückt sind, sodass die Mitarbeiterinnen mit großer Freude in die Zukunft schauen. Sie hoffen, Mitte nächsten Jahres ihre neuen Räume beziehen zu können. In der Zwischenzeit rücken sie ein bisschen zusammen und sorgen so dafür, dass die Beratungen durchgehend und ohne Unterbrechung weiterlaufen.
Während der Kernsanierung des Hauptgebäudes werden zunächst die Räume des Anbaus als Übergangslösung genutzt. Nach Abschluss der Arbeiten zieht der Betrieb in das Erd- und Obergeschoss des sanierten Hauptgebäudes sowie in das neue Treppenhaus mit Seiteneingang. Dank dieser Veränderung verdoppelt sich die künftig selbst genutzte Fläche gegenüber den bisherigen Räumlichkeiten.
Nach der Fertigstellung wird dann jede Fachkraft ihren eigenen Büro- und Therapieraum beziehen. Zusätzlich wird es einen Mehrzweckraum für Gruppenangebote, Seminare, Präventionsveranstaltungen und vieles mehr geben. Auch ein zusätzlicher Therapieraum als traumasensibler Beratungsraum findet sich in der Planung. Einen weiteren großen Gewinn stellt die Barrierefreiheit dar. Derzeit befindet sich die Beratungsstelle ausschließlich im 1. Stock und ist nur über eine Treppe zu erreichen. Das Angebot
Seit vielen Jahren arbeiten vier Sozialarbeiterinnen und Diplom-Sozialpädagoginnen mit unterschiedlichen therapeutischen Zusatzqualifikationen an dem Standort. Dort beraten sie Frauen und Mädchen ab 14 Jahren persönlich oder telefonisch, die körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt erlebt haben oder aktuell davon betroffen sind. Dazu zählen unter anderem häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung und Stalking. Auch bei Folgen von Gewalterfahrungen, beispielsweise Ängsten, einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder Depressionen bietet die Beratungsstelle Unterstützung.
Seit fast 40 Jahren findet in der Lienaustraße 14 außerdem die Beratung rund um Schwangerschaft, Geburt und Schwangerschaftsabbruch statt. Das Angebot richtet sich an Einzelpersonen, Alleinerziehende und Paare. Themen können unter anderem finanzielle Fragen, die Wohnsituation und Antragstellungen sein. Fragen zu psychischen Belastungen vor und nach der Geburt sowie zu Trauer und dem Verlust eines Kindes können ebenfalls besprochen werden, genauso wie Veränderungen und Herausforderungen innerhalb einer Partnerschaft.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Schwangerschaftskonfliktberatung. Dabei erhalten Betroffene Informationen zu den gesetzlichen Bestimmungen und Raum, ihre persönliche Situation, Ängste und Fragen zu thematisieren. Im Anschluss an die Beratung wird der für einen Schwangerschaftsabbruch erforderliche Beratungsschein ausgestellt.
Darüber hinaus berät die Fachstelle zu Kinderwunsch, Verhütung und Sexualität. Im Rahmen einer eigenverantwortlichen Familienplanung unterstützt sie auch bei der Antragstellung für den Verhütungsmittelfonds des Kreises Ostholstein.
Das Angebot der Frauenberatung und Notruf Ostholstein inklusive Schwangerschaftsberatung ist kostenlos, vertraulich und kann auf Wunsch anonym erfolgen. Auch bleibt es den Frauen selbst überlassen, welche weiteren Schritte unternommen werden. Die Frauenberatung und Notruf Ostholstein ist unter 04561/9197 erreichbar. Das Hilfetelefon für Schwangere kann rund um die Uhr unter 0800/4040020 kontaktiert werden. Weitere Informationen und Onlineberatung gibt es unter www.frauennotruf-oh.de. (ko)


