Petra Remshardt

Musikalische Stolpersteine

Anna Alenitsyna-Herber und Natalia Alenitsyna.

Anna Alenitsyna-Herber und Natalia Alenitsyna.

Neustadt. Am Montag, dem 14. Oktober um 19.30 Uhr spielen Anna Alenitsyna-Herber, Klavier, und Natalia Alenitsyna, Violine, im Rahmen eines weiteren Konzertes ‚Musikalische Stolpersteine‘ ein Konzert mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozert, Erwin Schulhoff und Johannes Brahms im Gemeindesaal, Kirchenstraße 7. Der Eintritt ist frei. Die beiden Musikerinnen sind Mitglieder des JCO - Jüdisches Kammerorchester Hamburg. Wie in jedem Programm führen sie Werke eines jüdischen Komponisten auf, so auch dieses Mal: die Suite Nr. 1 für Violine & Klavier.
Erwin Schulhoff wurde 1894 in Prag geboren. Durch eine Empfehlung von Antonín Dvorák konnte er bereits siebenjährig in den Klavierunterricht und mit 10 Jahren ins Prager Konservatorium eintreten. Auch Max Reger zählte zu seinen Lehrern. Den Ersten Weltkrieg überstand Schulhoff als Angehöriger des österreichischen Heeres mit Handverletzungen und Erfrierungen. Durch Kontakt mit George Grosz kam er mit der Dada-Bewegung in Berührung. 1924 nach Prag zurückgekehrt, setzte er sich als Konzertveranstalter und Pianist rückhaltlos für die Wiener Schule ein und unternahm ausgedehnte Konzertreisen nach Salzburg, Venedig, Genf und Oxford mit Werken der damaligen Avantgarde. Schulhoff interessierte sich für alle radikalen Richtungen der Avantgarde, für Dadaismus und Jazz. Er schrieb unter anderen das Jazz-Oratorium H.M.S. Royal Oak und sein bekanntestes Werk, die Hot Sonate, die im März 2020 in Neustadt zur Aufführung kommt. Schulhoff starb1938 im KZ Wülsburg.
Die Musiker des Jüdischen Kammerorchesters sind von den damaligen Entwicklungen betroffen, sind doch ihre Familien notgedrungen - wenn nicht ermordet, emigriert. In jedem Programm führen sie die Tradition des ersten Jüdischen Kammerorchesters fort: Neben Kompositionen aus allen Jahrhunderten erklingen Kompositionen jüdischer Komponisten, die dem NS-Rassenwahn zum Opfer fielen, um ihre Werke der Vergessenheit zu entreißen und ihnen ihre Namen wiederzugeben, quasi als musikalischer Stolperstein.
Das erste Jüdische Kammerorchester Hamburg wurde ein Opfer des NS-Rassenwahns. Im Herbst 1934 gründete der Geiger, Dirigent und Komponist Edvard Moritz das Ensemble mit jüdischen Musikern. Mit ihnen musizierten Solisten wie die Geigerin Herta Kahn, die Sopranistin Ilse Urias, die im April 1939 nach Chile fliehen konnte, der Cellist Jakob Sakom, an den ein Stolperstein vor der Hamburger Laeiszhalle erinnert. Er soll 1941 in einem Wald in Litauen mit Tausenden anderer Juden von der SS erschossen worden sein. (red)


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