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Neues Leben im Neustädter Gewerbehafen

Neustadt. Der Neustädter Kommunalhafen ist wieder in Bewegung. Ein 100 Meter langes Frachtschiff, zahlreiche Lastwagen und geschäftiges Treiben waren in der vergangenen Woche an der Kaikante zu beobachten. Am Donnerstagmorgen machte die aus Norwegen kommende „Wilson Baerl“ fest und brachte rund 2.600 Tonnen Schüttgut, das unter anderem im Straßenbau verwendet werden kann. Für die Stadtwerke Neustadt (SWNH) ist dieser Schiffsanlauf ein besonderer Moment, denn nach vielen Jahren mit kaum nennenswertem Güterumschlag wird der Gewerbehafen wieder aktiv genutzt.

Doch die Rückkehr der Frachtschiffe findet unter anderen Voraussetzungen statt als früher. In den vergangenen Jahren hat sich die Hafenwestseite erheblich verändert. Wo einst die gewerbliche Hafennutzung im Vordergrund stand, sind inzwischen neue Gewerbeflächen, Wohnungen und Hotels entstanden oder befinden sich in der Entwicklung. Die maritime und touristische Nutzung hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Nun treffen diese unterschiedlichen Nutzungsformen unmittelbar aufeinander.

Regionaler Partner sorgt für neuen Güterumschlag
Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Unternehmen Gollan, mit dem die Stadtwerke beim Hafenumschlag zusammenarbeiten. Die angelieferten Materialien können unter anderem im Straßenbau eingesetzt werden. Mit Blick auf die Fehmarnbeltquerung und deren Hinterlandanbindung sehen die Hafenverantwortlichen einen erheblichen Bedarf an Baustofftransporten. Neben Neustadt seien auch Heiligenhafen und Travemünde interessante Standorte, um Baustoffe auf dem Seeweg anzuliefern, erläuterte Alexander Wengelewski von den Stadtwerken.
Für die SWNH ist die Wiederbelebung des Hafens ein Erfolg. „Wir sind ein ganzes Stück stolz darauf, dass wir den Hafen wiederbeleben“, erklärte der stellvertretende Werkleiter Dirk Heckmann im Gespräch mit dem reporter.

Nach Aussage von Heckmann und Wengelewski soll der Neustädter Kommunalhafen nicht ausschließlich für Baustofftransporte genutzt werden. Auch Forschungsschiffe, Fahrzeuge zur Munitionsräumung, größere Traditionssegler oder andere gewerbliche Schiffe könnten künftig dort festmachen. Möglich wird dies durch die Einrichtung eines zertifizierten Sicherheitsbereichs nach internationalen Vorschriften (der reporter berichtete).

Wie häufig künftig Schiffe den Hafen anlaufen werden, könne man derzeit noch nicht sagen, da die Anfragen teilweise sehr kurzfristig über Schiffsmakler erfolgen würden. Sicher ist aber, dass weitere Anlieferungen bereits bis in den November vorgesehen sind.

Lkw-Verkehr, Staub und Lärm
Wie sich der Güterumschlag auf das unmittelbare Umfeld auswirkt, zeigte sich bereits beim ersten Schiffsanlauf. Zahlreiche Lastwagen waren im Einsatz, um die angelieferte Ladung abzutransportieren. Dabei bildeten sich zeitweise längere Fahrzeugschlangen. Hinzu kamen die Geräusche der Entladearbeiten, Staubentwicklung und die für den Hafenbetrieb erforderliche Beleuchtung.

Hafenbetriebsleiter Alexander Wengelewski berichtete im Pressegespräch von zahlreichen positiven Rückmeldungen zum wieder aufgenommenen Schiffsverkehr. Zugleich räumte er ein, dass die Organisation des Lastwagenverkehrs beim ersten Einsatz noch nicht optimal funktioniert habe. Der Kooperationspartner habe den Bedarf an Fahrzeugen zu großzügig kalkuliert. Künftig sollten die Lastwagen möglichst kontinuierlich anfahren, beladen werden und den Hafen wieder verlassen, ohne längere Warteschlangen zu bilden.

Für die Entladearbeiten gelten nach Angaben der Stadtwerke werktags Betriebszeiten zwischen 6 und 22 Uhr. Schiffsanläufe sind grundsätzlich an allen Wochentagen möglich. Die Beleuchtung des Sicherheitsbereichs sei aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben.

Unterschiedliche Nutzungen auf engem Raum
Eine besondere Herausforderung ergibt sich aus der räumlichen Enge auf der Hafenwestseite.
Nach Information der SWNH ist diese Mischnutzung im Bebauungsplan berücksichtigt. Auch die Schallschutzanforderungen an die Gebäude seien entsprechend ausgelegt.
Im praktischen Betrieb müssen sich nun allerdings unterschiedliche Verkehrsströme denselben begrenzten Raum teilen. Neben den Lastwagen für den Hafenumschlag gibt es Lieferverkehr für die ansässigen Betriebe sowie Zufahrten zu weiteren Gewerbe- und Wohngebäuden.

Alexander Wengelewski geht derzeit davon aus, dass im rückwärtigen Straßenbereich weitere zwei bis drei Parkplätze entfallen müssen, damit die Lastwagen die engen Kurven besser passieren können.

Unabhängig vom Güterumschlag sei im Zuge der städtebaulichen Entwicklung jedoch ohnehin vorgesehen, den Autoverkehr auf der Hafenwestseite deutlich zu reduzieren. Besucher und Hotelgäste sollen verstärkt die vorhandenen Parkmöglichkeiten am Bahnhof und außerhalb des unmittelbaren Hafenbereichs nutzen.

Sicherheitszaun bleibt zunächst stehen
Eine weitere Veränderung ist der Sicherheitszaun entlang des Gewerbehafens. Er sei grundsätzlich so konstruiert, dass er auch wieder abgebaut werden kann, wenn das fragliche Schiff Neustadt wieder verlassen hat. Dass der Zaun bereits mehrere Wochen vor dem ersten Schiffsanlauf aufgestellt worden sei, sei der behördlichen Abnahme des Sicherheitsbereichs geschuldet gewesen, so die SWNH.
Allerdings werde er mindestens auch in den nächsten Wochen aufgestellt bleiben, da weitere Schiffsanläufe bis in den November hinein geplant seien. Ob und wann er anschließend wieder entfernt wird, konnten die SWNH noch nicht beantworten. Für die Stadtwerke ist die flexible Absperrung ein Kompromiss zwischen den Sicherheitsanforderungen des Hafenbetriebs und der sonstigen Nutzung des Areals. Wie häufig der Bereich künftig tatsächlich frei zugänglich sein wird, lasse sich derzeit noch nicht absehen.

Erfahrungen sollen ausgewertet werden
Heckmann bezeichnete die ersten Schiffsanläufe als eine Phase, in der die Stadtwerke praktische Erfahrungen sammeln und Abläufe verbessern wollen. Dabei gehe es insbesondere um die Organisation des Schwerlastverkehrs und das Zusammenspiel der verschiedenen Nutzungen.

Die SWNH seien offen für Anregungen und Rückmeldungen aus dem Umfeld. In etwa einem halben Jahr soll sich nach Vorstellung der Hafenverantwortlichen besser beurteilen lassen, wie sich der Güterumschlag entwickelt, ob saisonale Unterschiede bestehen und wie häufig der Hafen tatsächlich von größeren Schiffen angelaufen wird.

Ein Hafen mit wechselvoller Geschichte
Der Neustädter Gewerbehafen blickt auf Zeiten mit deutlich größerem Warenumschlag zurück. Nach Angaben der Stadtwerke wurden vor der Jahrtausendwende jährlich rund 180.000 bis 190.000 Tonnen Güter umgeschlagen. Spätestens mit der Aufgabe des Betriebs der Firma HaGe im Jahr 2014 sei der Güterumschlag weitgehend zum Erliegen gekommen und der Hafen wurde über viele Jahre kaum noch gewerblich genutzt. Entsprechend rückten andere Nutzungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt der Überlegungen zur Hafenentwicklung. Zu einer formellen Stilllegung des Gewerbehafens kam es jedoch nicht. Vielmehr entschieden die verantwortlichen Stadtverordneten damals, die Möglichkeit des Güterumschlags grundsätzlich zu erhalten. Mit der nun erfolgten Wiederaufnahme setzen die Stadtwerke nach eigenen Angaben diesen kommunalpolitischen Willen um. (gm)

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