Kristina Kolbe

Neues Wohnhaus für Menschen mit Unterstützungsbedarf entsteht am Lübschen Mühlenberg

Neustadt in Holstein. Eine neue Wohnanlage für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und hohem Unterstützungs- und Pflegebedarf soll in der Wismarer Straße 1 im Neubaugebiet Lübscher Mühlenberg entstehen. Dafür wurde am vergangenen Freitag der Grundstein gelegt. Zur Feierlichkeit waren zahlreiche Gäste erschienen, darunter Vertreter aus Verwaltung, Politik, Gesellschaft sowie der Stiftung Leben und Wohnen und des HLW (Hamburger Lebenshilfe Werks).

„Ich hoffe, dass wir gut vorankommen und jeder, der möchte, auch eine Chance hat, hier einzuziehen“, erklärte Oliver Jansen, der derzeit ebenfalls in einer Wohneinrichtung des HLW lebt und gerne selbst nach der Fertigstellung (geplant zum Jahresende 2027) einziehen würde. Das Konzept sieht vor, dass die 23 geförderten Wohneinheiten direkt an die Bewohnerinnen und Bewohner vermietet und auch mit ihnen selbst die Mietverträge abgeschlossen werden, alles im Sinne der Teilhabe. Das passt auch zum Motto der Hamburger Lebenshilfe „Nichts über uns, ohne uns“. Daher wurde ein Wohnbeirat einberufen, der aus potenziellen künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern gebildet wurde und zu dem auch Oliver Jansen zählte.

Bernd Schwarzenmüller von der Stiftung betonte am Tag der Grundsteinlegung, dass alle Menschen ein Recht auf Selbstbestimmung und Würde hätten. Er freue sich sehr, dass hier ein Ort entstehe, an dem die Menschen wohnen, leben und sich zu Hause fühlen können. Er bezeichnete das Wohnprojekt als einen Ort, an dem Inklusion nicht nur ein Wort ist, sondern wirklich gelebt werde. Zuletzt wurde mit dem Wohnprojekt im Rosengarten im Jahr 2016 ein solcher Ort in Neustadt geschaffen, weshalb das HWL auch für Simone Tackenberg vom Kreis bereits eine alte Bekannte ist. Sie bezeichnete die Hamburger Lebenshilfe als langjährige und verlässliche Kooperationspartnerin und betonte, dass mit diesem Bauvorhaben Inklusion in der Praxis gelebt werde und hier den Worten Taten folgen. Eine Grundsteinlegung bedeute auch Fortschritt für die Stadt, hob Bürgermeister Mirko Spieckermann hervor und erklärte, dass mit diesem Projekt ein wichtiges Zeichen für eine inklusive Gesellschaft gesetzt werde. Eine lebenswerte Stadt zeige sich vor allem dadurch, dass alle Menschen ihren Platz finden und selbstbestimmt leben können, schloss er.

Geplant sind auf drei Etagen insgesamt sieben Wohnungen für 23 Bewohnerinnen und Bewohner. Jede Person erhält ein eigenes Zimmer mit Bad, ergänzt durch gemeinschaftliche Wohn- und Aufenthaltsbereiche in den einzelnen Wohneinheiten. Das Konzept verbindet Leistungen der Eingliederungshilfe mit Pflegeleistungen und sieht eine Assistenz rund um die Uhr vor. Ein multiprofessionelles Team aus Fachkräften der Eingliederungshilfe und der Pflege soll die Bewohner individuell begleiten.

Im Erdgeschoss entsteht zudem ein Gemeinschaftsraum, der auch der Nachbarschaft offenstehen soll. Ziel ist es, einen Ort der Begegnung zu schaffen und den Austausch im Quartier zu fördern. „Wir möchten dazu beitragen, dass ein Umfeld entsteht, in dem Menschen selbstverständlich miteinander in Kontakt kommen und Inklusion im Alltag mit Leben gefüllt wird“, erläutert Geschäftsführer Carsten Krüger das Konzept. Laut Katrin Koch, Geschäftsführerin der Stiftung Leben und Wohnen, soll mit dem Neubau ein modernes, ambulant ausgerichtetes Wohnangebot entstehen, das den Bewohnerinnen und Bewohnern ein hohes Maß an Selbstbestimmung und individueller Unterstützung ermöglicht. (ko)


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