

Neustadt. Für den gesperrten Abschnitt des Uferwanderwegs zwischen Neustadt und Pelzerhaken könnte es bald eine ungewöhnliche Lösung geben. Seit rund zwei Jahren ist ein Teilstück wegen Abbruchgefahr gesperrt, Spaziergänger müssen Umwege in Kauf nehmen. Eine dauerhafte Sicherung gilt als teuer und schwierig, zwischen Stadt und Grundstückseigentümern gab es zuletzt keine Einigung (der reporter berichtete).
Doch nun zeichnet sich eine überraschende Wendung ab. Zwei Neustädter Unternehmerinnen, Svenja Klettermann und Anke Seilberger, haben eine bislang wenig bekannte Fördermöglichkeit beim Bundesamt für einzigartige Erlebnisräume und Freizeitinfrastruktur („BEEF“) entdeckt und gemeinsam mit der Stadt eine Bewerbung auf den Weg gebracht.
Die Lösung ist ebenso einfach wie spektakulär. Der fehlende Abschnitt des Wanderwegs soll künftig nicht mehr klassisch befestigt werden. Stattdessen ist geplant, an der Abbruchkante einen Hochseil-Kletterpark zu errichten. Unter dem Projektnamen „Tarzan & Jane“ könnten Spaziergänger die rund 20 Meter künftig frei schwingend überwinden, wahlweise mit Liane oder gesichertem Doppelschwung im Premiumtarif. Selbstverständlich unter fachkundiger Anleitung und gegen einen kleinen Obolus. Ein spontaner Urwaldschrei wäre dabei ausdrücklich nicht untersagt. Paralell dazu wird eine spannende und kurzweilige Hängebrücke installiert, die auch für Kinderwagen und Rollatoren geeignet sein wird. Für alle, die lieber festen Boden unter den Füßen behalten, bleibt der bewährte Umweg weiterhin eine gute Alternative.
Voraussetzungen für die Förderung
Voraussetzung für die Fördermittel ist allerdings ein kleiner Imagewechsel. Neustadt muss offiziell als sportliche, actionreiche und abenteuerlustige Stadt gelten. Nach Informationen aus dem Ausschuss für Regionales, Strategien, Kommunikation und Handel („ARSCH“) soll dafür bereits eine pragmatische Lösung gefunden worden sein. Geplant ist, den bestehenden Slogan „Hafenheimat“ um eine Zusatzzeile wie „Jetzt auch mit Nervenkitzel“ zu ergänzen. Auch die plattdeutsche Ortsbezeichnung auf den Ortsschildern könnte angepasst werden. Aus „Niestedt in Holsteen“ würde dann „Niestedt in Holsteen – mit Avontüür“. Damit wären die Förderkriterien bereits erfüllt. Auch die Tourismusexperten geben grünes Licht und bezeichnen diese Marketingmaßnahmen als „gelungene, formale Imageanpassung bei gleichbleibender Grundidentität“.
Zukunftsmusik: Weitere Projekte
Auch über weitere Projekte wird nachgedacht. Im Gespräch sind unter anderem eine Seebrücke mit Glasboden zur Fischbeobachtung in Neustadt und ein Bungee-Jumping-Tower in der Ostsee am Pelzerhaken. Perspektivisch könnten zudem eine „künstliche Surfwelle“ und eine Wasserskianlage im Binnenwasser folgen. Denn „durch den Weggang des Ostseeschnäpels könnte man durchaus darüber nachdenken, das Binnenwasser künftig touristisch zu erschließen“, bekundete ein erfahrener Neustädter Fischer, der anonym bleiben möchte.
„Wie auch immer! Wir sehen in all diesen Projekten sehr großes Potenzial für die touristische Entwicklung der Stadt“, heißt es aus dem Umfeld der Initiatorinnen. Ob die Verantwortlichen den Ball nun aufgreifen und sich trauen, Neustadt tatsächlich zur Abenteuerstadt zu wandeln, bleibe noch abzuwarten. Ideen scheint es jedenfalls genug zu geben.
Umfrage für weitere Ideen:
Unter dem Stichwort „April, April“ sind nun auch die Leserinnen und Leser eingeladen, eigene Vorschläge für außergewöhnliche Projekte beim reporter einzureichen. Die kreativsten Ideen werden gesammelt und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Wir freuen uns über E-Mails unter redaktion@der-reporter.de. (gm)



