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Qualvolle Überzüchtungen bei Hunden - Wenn das süße Aussehen krank macht

Überzüchtungen bei Hunden sind seit Jahren ein Thema in Tiermedizin und Tierschutz. Gemeint sind Zuchtformen, bei denen bestimmte äußere Merkmale so stark betont werden, dass sie die Gesundheit beeinträchtigen. In Deutschland spricht man in diesem Zusammenhang von Qualzucht.

Was bedeutet Überzüchtung

Von Überzüchtung wird gesprochen, wenn optische Merkmale wie eine extrem kurze Schnauze oder ein stark abfallender Rücken gezielt verstärkt werden, obwohl sie funktionale Nachteile haben. Das äußere Ideal steht dabei über dem Wohlbefinden des Tieres.

Typische Beispiele

Rassen wie die Französische Bulldogge, der Mops oder die Englische Bulldogge leiden häufig unter Atemproblemen. Die verkürzte Schnauze kann zu chronischer Atemnot, Hitzestress und erhöhter Narkosegefahr führen. Beim Deutscher Schäferhund begünstigt eine stark abfallende Rückenlinie orthopädische Erkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie und Arthrose. Ausgeprägte Hautfalten oder sehr langes Fell erhöhen zudem das Risiko für Entzündungen, Augenprobleme und Hautinfektionen.

Ursachen und Folgen

Modeerscheinungen, Ausstellungserfolge und wirtschaftliche Interessen spielen eine wichtige Rolle. Hinzu kommen enge Genpools innerhalb der Reinzucht, die genetische Defekte begünstigen.

Viele betroffene Hunde leiden dauerhaft unter Schmerzen oder funktionellen Einschränkungen. Manche Tiere können nur eingeschränkt atmen, laufen oder sich auf natürlichem Weg fortpflanzen. Die Lebenserwartung kann reduziert sein.

Was sich ändern muss

Fachleute fordern gesundheitsorientierte Zuchtstandards, größere genetische Vielfalt und eine stärkere Aufklärung der Käufer. Wer einen Hund anschaffen möchte, sollte Gesundheit und Belastbarkeit höher bewerten als ein bestimmtes Erscheinungsbild, so die Forderung. (red/gm)


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