Michael Scheil
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„Unter dem Strand“: Ein Ostsee-Krimi zur Cap Arcona Katastrophe

Turid Müller, mit ihrem Erstling „Im Schatten der Insel“ für den GLAUSER-Preis nominiert, hat jüngst bei PIPER ihren Kriminalroman „Unter dem Strand“ veröffentlicht: Im Fokus: die Cap Arcona – ein Schiff, das Weltgeschichte schrieb und eine Tragödie am Kriegsende, deren Auswirkungen noch bis in die Gegenwart reichen. Die Hamburgerin mit Heimathafen in der Lübecker Bucht hat darin die schwere Geschichte ihrer beiden Lieblingsorte verarbeitet. Der Roman thematisiert vor dem Hintergrund historischer Ereignisse das aktuelle gesellschaftliche und politische Klima. Wilhelm Lange, Historiker und ehem. Leiter des Museums Cap Arcona Neustadt in Holstein dazu: „Einen Ostsee-Kriminalroman zur Cap-Arcona-Tragödie vom 3. Mai 1945 zu schreiben, ist eine wirkliche Herausforderung. Kann ein Krimi dem ernsten Thema KZ überhaupt gerecht werden? Durch akribische Recherchen im Hinblick auf die Verquickung von unglücklichen Umständen, die zum Tode von über 7000 KZ-Häftlingen führten, ist dieses Vorhaben gelungen. Der „Fog of War“ wird aufgelöst. Leserinnen und Leser tauchen in eine spannungsgeladene Krimiwelt ein.“

Liebe Frau Müller, wie sind Sie auf das Thema „Cap-Arcona-Katastrophe“ gekommen? Nach dem ersten Band meiner Amrum-Krimireihe, wollte ich ein neues Buch schreiben und war auf der Suche nach einer Geschichte, die in der Lübecker Bucht zuhause ist. Wenn man in der Bucht spazieren geht, kommt man nicht weit, ohne Gedenksteine zu sehen, die an diese Tragödie erinnern, die sich in den letzten Kriegstagen ereignet hat.

Zunächst habe ich gezögert. Ich dachte, das kann ich unmöglich machen: Wie kann man eine Schiffskatastrophe beschreiben? Noch dazu in dieser Größenordnung!

Doch je mehr ich die Gegend kennenlernte, desto klarer wurde mir, dass diese Geschichte erzählt werden will. Was hier vor bald 81 Jahren passiert ist, ist bis heute gleichermaßen präsent und dennoch recht unbekannt. Dabei haben die Geschehnisse durchaus Implikationen für unser Zusammenleben im Hier und Heute. Zum Beispiel geht es um die Frage, wie wir Erinnerung gestalten, wie wir als Menschen miteinander umgehen wollen, und ob wir aus der Vergangenheit lernen können.

Vor welche Herausforderungen hat Sie der Stoff gestellt? Und wie haben Sie diese gemeistert? Tatsächlich muss ich sagen, dass ich nie zuvor für ein Buch derart viel recherchiert habe. Mir war sehr schnell klar: Ernsthaftigkeit und Tragweite der Thematik machen es erforderlich, historisch sehr exakt zu sein, fernab von Klischees zu bleiben, und mit den sensiblen und durchaus kontroversen Inhalten achtsam umzugehen. Also habe ich nicht bloß Bücher gewälzt, sondern auch mit zahlreichen Institutionen und Fachleuten aus der Region zusammengearbeitet, die so freundlich waren, mir ihr Wissen zur Verfügung zu stellen. Ganz besonders bei meiner Recherche unterstützt hat mich zum Beispiel das Museum Cap Arcona in Neustadt und das Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Bereits bei der Vorpremiere in der Lübecker Bucht und ganz grundsätzlich ist es Ihnen ein Anliegen, mit lokalen Initiativen zusammenzuarbeiten. Warum? Ich lege Wert darauf, dass Kultur nicht an der Bühnenkante endet. Wichtig ist doch, dass diese Impulse in unseren Alltag finden. Dass Vereine, die um das Gedenken bemüht sind, ihre Arbeit bekannter machen können. Dass in Zeiten von Fake News und Geschichtsrevisionismus ein niederschwelliger Zugang zu fundierten Fakten möglich ist. Dass es Austausch gibt über das, was ganze Generationen bis heute prägt und belastet. Und vor allem, dass wir gemeinsam Wege finden, das Versprechen „Nie wieder!“ einzulösen.

Wie kommt man als Psychologin dazu, historische Krimis zu schreiben? Ich schreibe über kollektive Traumata, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Auch meine literarische Tätigkeit ist für mich also letztlich psychologisch. Was unter den Teppich der Geschichte gekehrt wird, wird schnell zur Stolperfalle. Es ist unsere Aufgabe, den Teppich zu lüften, und zu beleuchten, was da im Untergrund Wellen schlägt. Das macht den Weg frei für die Zukunft.

Live erleben kann man Turid Müller mit „Unter dem Strand“ in der Region am:

• 3. Mai um 14.00 und 16.00 Uhr in Neustadt auf Gedenkfahrten mit Lesungen auf der MS Sturmvogel 2, veranstaltet vom Kinder- und Jugendnetzwerk Neustadt in Holstein e.V. Anmeldungen für die Fahrten unter: dseidel@stadt-neustadt.de

• 17. April um 19.30 Uhr bei einer Lesung in der Buchhandlung Hoffmann in Eutin

• 22. April um 17.00 Uhr bei einer Lesung in der Stadtbibliothek Travemünde und

• 25. April von 16.00 bis 17.00 Uhr bei einer Signierstunde in Timmendorf in der Buchhandlung Belletrist


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