

Neustadt in Holstein. Rund 120 Gäste waren am vergangenen Samstagabend der Einladung des Arbeitskreises Cap Arcona gefolgt, um den Vortrag des Historikers Prof. Dr. Wolfgang Benz in der Kulturwerkstatt Forum zu hören. Anlass war der bevorstehende 81. Jahrestag der Cap-Arcona-Tragödie.
Benz sprach über die Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs und ordnete die Ereignisse rund um den 3. Mai 1945 in Neustadt historisch ein. Dabei wurde deutlich: Die Eskalation - mit bombardierten Schiffen, tausenden Toten auf See und der Ermordung der Stutthof-Häftlinge an Land - war kein zufälliges Zusammenwirken unglücklicher Umstände. Vielmehr sei das, was in den letzten Kriegstagen in eine regelrechte Raserei mündete, bereits in der Ideologie des Nationalsozialismus selbst angelegt gewesen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage nach den Motiven der Täter in dieser Phase: Welche Rolle spielten Frustration, Durchhalteparolen oder der Glaube an eine „Wunderwaffe“? Warum setzte sich die Gewalt bis zuletzt fort, obwohl der Krieg längst verloren war? Benz zeichnete hier ein Bild von ideologischer Verblendung, Fanatismus und einem System, das bis zum Ende auf Vernichtung ausgerichtet blieb. Zum Abschluss schlug der Berliner Historiker den Bogen in die Gegenwart. Erinnerung allein, so Benz, reiche nicht aus. Es gehe darum, wachsam zu bleiben, Gefahren früh zu erkennen und Widerstand zu leisten. Für diesen Appell erhielt er lang anhaltenden Applaus. (red)



