Marlies Henke

Elmar Gehlens „Phase Gelb“ im Hans-Ralfs-Haus für Kunst und Kultur

Bilder

Neustadt in Holstein. Da gehen sie: der Musiker, der Straßenkehrer, der Seemann, das Mädchen, der Beamte, die Mutter. Jede der 18 Figuren auf dem Triptychon „Panorama“ von Elmar Gehlen hat sich auf den Weg gemacht. Woher sie kommen oder wohin sie gehen, bleibt bei flüchtiger Betrachtung unklar. Auch der Ort dieser Momentaufnahme ist unbestimmt: eine große gelbe Fläche. Doch wer genau hinschaut, entdeckt sie, die verborgenen Orte, die kleinen Alltagsdramen und die großen Sehnsüchte.
 
Mit „Phase Gelb“ von Elmar Gehlen ist das Hans-Ralfs-Haus für Kunst und Kultur nach einer 20-monatigen Pause in die neue Ausstellungssaison gestartet.
Als Schauspieler, Regisseur, Musiker oder eben als Künstler sei Elmar Gehlen vielseitig und extrem talentiert, betonte die Leiterin des Hans-Ralfs-Hauses Anke Kessenich am vergangenen Donnerstag auf der gut besuchten Ausstellungseröffnung. Immer auf der Suche nach neuen Aufgaben, arbeite Gehlen sich sicher durch verschiedene Themen, Motive und Genres. „Jetzt katapultiert er uns mit plakativen, farbenprächtigen, an Comics erinnernden Darstellungen geradezu mit einem Knall hinein ins pralle Leben. Als Betrachtende können wir teilhaben an alltäglichen Situationen, an besonderen Begebenheiten, an vermeintlichen Katastrophen oder an kleinen Glücksmomenten. Die Bilder sind eine Einladung zum Schauen und Entdecken“, so Kessenich weiter.
 
Drei Monate hat Elmar Gehlen in diesem Jahr an seinem Hauptwerk der Ausstellung, dem 1,50 mal 4,50 Meter großen „Panorama“ gearbeitet. Der erste Entwurf dazu entstand aber schon im Jahr 2001 auf Mallorca und ist ebenfalls im Hans-Ralfs-Haus zu sehen. Außerdem zeigt Gehlen weitere Skizzen aus dem Entstehungsprozess des Panorama-Motivs sowie Einzelszenen und Bilder aus dem Leben, dem Alltag, dem Sport.
 
Neben den malerischen Werken kamen die Gäste am Eröffnungstag in einen zusätzlichen Kunstgenuss: Im Rahmen eines kleinen Streifzugs durch das Getümmel auf seinem „Panorama“ ließ Elmar Gehlen sie teilhaben an den Nöten und Träumen seiner Figuren. Ein Beispiel: Der Musiker, dessen großer Traum - ein Auftritt in ausverkaufter Konzerthalle – sich in seiner Sonnenbrille widerspiegelt. Doch im Moment scheint ihm niemand zuzuhören. Auch die schwarze Faust auf seinem Freiheitskämpfer-Shirt ist verblasst. „Das ist nicht witzig, das sind Dramen, die sich hier abspielen“, sagte Elmar Gehlen mit amüsiertem Blick auf das eigentlich ganz normale Leben seiner Helden, die, so der Künstler, teils ganz gezielt, teils unvorhersehbar entstanden seien. Mit der Ausstellung habe er eine Einheit schaffen wollen aus verschiedenen Themen, erzählte Gehlen im Gespräch mit dem reporter. Die Farbe Gelb sei dabei die Verbindung und schaffe zugleich einen neutralen Hintergrund, der die Figuren klar herausstelle.
 
Die Ausstellung „Phase Gelb – Elmar Gehlen“ kann noch bis zum 17. Dezember montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr sowie freitags von 9 bis 14.30 Uhr besucht werden (außer 23. und 25. November). Zusätzlich ist am Sonntag, dem 21. November, von 14 bis 16 Uhr in Anwesenheit des Künstlers geöffnet. Es gelten die aktuellen 3-G-Regeln, ein Nachweis ist erforderlich. (he)


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