Marlies Henke

Gemeinsam stark: Freiwillige Feuerwehr Sierksdorf braucht neue Mitglieder

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Freuen sich über neue Kameradinnen und Kameraden: die Freiwilligen der Ortswehr Sierksdorf.

Freuen sich über neue Kameradinnen und Kameraden: die Freiwilligen der Ortswehr Sierksdorf.

Foto: Marlies Henke

Sierksdorf. „Hilfe, es brennt“ ist auf riesigen Bannern im Gemeindegebiet Sierksdorf zu lesen. Gemeint ist damit die personelle Situation der Freiwilligen Feuerwehr. Derzeit zählt die Ortswehr Sierksdorf nur 18 aktive Mitglieder, was gerade ausreicht, um die Mindestanforderungen zu erfüllen.

„Wir benötigen dringend neue Mitglieder, um die Zukunft der Feuerwehr sicherzustellen und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen zu können“, sagt Gemeindewehrführer Stephan Willert und erklärt: „Viele unserer Aktiven sind in den letzten Jahren aus altersbedingten, gesundheitlichen oder beruflichen Gründen ausgeschieden.“ Im Herbst vergangenen Jahres habe man deshalb versucht, durch Haustürbesuche potenzielle Mitglieder zu gewinnen. Bürgermeister Udo Gosch berichtet von der Resonanz: „Ungefähr 100 Personen wurden zu zwei Abenden eingeladen, aber alle 60, die dort erschienen, hatten bereits vorbereitete Erklärungen dafür, warum sie nicht mitmachen können. Als Hauptgründe wurden Schule, Studium, Berufliches wie Schichtdienst oder die Entfernung der Arbeitsstelle von Sierksdorf und gesundheitliche Gründe genannt.“ Einige Personen hätten sogar die Vorstellung, dass die Gemeinde eine Berufsfeuerwehr habe, erzählt Gosch und betont: „Die Realisierung einer Berufsfeuerwehr ist für eine Gemeinde mit 1.600 Einwohnern nicht möglich.“ Viele wären auch bereit, Spenden an die Feuerwehr zu leisten. „Allerdings liegt unser Problem nicht im materiellen Bereich, sondern in der Manpower“, fügt der Bürgermeister hinzu.

Amtswehrführer und stellvertretender Wehrführer der Ortswehr Roge Dirk Joedicke erzählt: „Das Problem ist ja: Egal, in welchen Ort man auch schaut. Ist Engagement in der Feuerwehr gefragt, heißt es: Ich nicht, geh du mal, Nachbar.“

Doch warum gibt es so wenig Bereitschaft, sich selbst aktiv in der Feuerwehr zu engagieren? „Die Zeit ist schnelllebiger geworden. Sich ehrenamtlich zu engagieren wird zunehmend von anderen Freizeitangeboten und beruflichen Verpflichtungen verdrängt“, erklärt Udo Gosch. Zusätzlich spiele auch gerade in Sierksdorf die Altersstruktur eine Rolle, da die Bevölkerung eher aus älteren Bewohnern besteht.

Trotz möglicher Hindernisse wie familiäre und berufliche Verpflichtungen appellieren Gosch, Willert und Joedicke an die Bürgerinnen und Bürger, ein Teil dieser wichtigen Gemeinschaft zu werden und sich für die Sicherheit aller zu engagieren. Dirk Joedicke betont: „Ich arbeite in der Landwirtschaft und bin nicht gerade in der Feuerwehr weil ich etwa zu viel Freizeit oder viel Langeweile hätte. Ich bin aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Gemeinschaft hier. Insbesondere wenn ich mir vorstelle, selbst einmal in einer Notlage zu sein, wie beispielsweise bei einem Brand oder einem Autounfall. Dann ist die freiwillige Feuerwehr schnell vor Ort und kann innerhalb kürzester Zeit Hilfe leisten.“

Eine große Rolle spiele dabei auch die Dankbarkeit und Anerkennung, die man von den Menschen erfahre. Eine besonders Motivation aber sehen alle in dem besonderen Zusammenhalt: „Die Kameradschaft ist sensationell. An den Dienstabenden sind oft 15 von 18 Teilnehmern da und wir haben viel Spaß“, erzählt Willert über die Ortswehr Sierksdorf. Zudem sei die Ausbildung interessant, abwechslungsreich und deutschlandweit anerkannt.

Dienstabende finden alle 14 Tage immer montags um jeweils 19.30 Uhr statt. Der nächste Termin ist Montag, der 5. Februar. Interessierte können dann einfach im Feuerwehrgerätehaus Sierksdorf in der Professor-Haas-Straße 63 unverbindlich vorbeikommen und dort auch Probeabende mitmachen. Weitere Informationen erteilt Gemeindewehrführer Stephan Willert gern über E-Mail an wf@feuerwehr-sierksdorf.de. (he)

 

 

Darum „lohnt“ sich Feuerwehr


Es gibt viele Gründe, sich in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Hier kommen die Top-5-Argumente, die dafür sprechen:

1. Gute Gemeinschaft: Gerade in einer kleinen Gemeinde wird in der Freiwilligen Feuerwehr eine einzigartige Kameradschaft gepflegt. Die gemeinsamen Erfahrungen bei Einsätzen oder Dienstabenden schaffen ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Kontakte auf lokaler Ebene werden geknüpft. Diese Vernetzung kann auch im beruflichen und persönlichen Leben nützlich sein.

2. Dank und Anerkennung: Die Mitglieder leisten einen wertvollen Beitrag zur Sicherheit und Wohlergehen der Gemeinschaft. Sie erfahren so viel Anerkennung, Wertschätzung und Dank.

3. Vielfältige Aufgaben: Neben Brandeinsätzen übernimmt die Feuerwehr auch Aufgaben bei Unfällen, Hochwasser, Sturm oder anderen Notfällen. Dies sorgt für Abwechslung und vielseitige Herausforderungen.

4. Ausbildung und Qualifikation: Die Ausbildung in der Feuerwehr ist deutschlandweit anerkannt und bietet die Möglichkeit, verschiedene Fähigkeiten zu erlernen, darunter Erste Hilfe, Technische Hilfeleistung, Brandschutz und mehr. Das Erlernte kann auch im Alltag von Nutzen sein.

5. Persönliche Entwicklung: Die Teilnahme an der Freiwilligen Feuerwehr trägt zur individuellen Entwicklung bei, denn sie ermöglicht die Entfaltung von Führungsqualitäten, Teamfähigkeit, Belastbarkeit und die Fähigkeit Probleme zu lösen. Zusätzlich stärkt das lokale Engagement das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung. (he)


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