Marlies Henke

Künstler, Freunde, Botschafter: Neustadt verabschiedete Triennale-Teilnehmer

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Neustadt in Holstein. Die 4. Europäische Skulpturen Triennale ist zu Ende. Am vergangenen Samstag wurden die sechs internationalen Bildhauer*innen feierlich verabschiedet. Nun ist Neustadt um fünf faszinierende Skulpturen reicher. Darüber hinaus bleibt eine tiefe Verbundenheit zwischen den Künstler*innen, der Triennale-Crew und manchem Fan des Bildhauer-Symposiums.
 
Bis auf die letzte Minute vor Start des Festaktes war das Künstlerteam noch mit dem Aufbau der tonnenschweren Werke beschäftigt, die seit dem 19. August im Freilichtatelier auf der Hafenwestseite entstanden sind und deren Entstehungsprozess vom Publikum miterlebt werden konnte. Diese Zeit fasste Kurator Dr. Jo Kley sichtlich gerührt zusammen: „Es sind großartige Skulpturen entstanden, es war eine super Truppe, Freundschaften sind hier entstanden. Wir hatten eine sehr schöne, intensive Zeit. Aus einem relativ ähnlichen Urmaterial, den knolligen Findlingen, sind Unikate geworden, die authentisch die Künstler widerspiegeln.“
 
Auch Bürgervorsteher Sönke Sela sprach von einem besonderen Moment: „Unsere Bildhauer haben diesen alten Steinen, die vor etwa 12.000 Jahren von der Kraft des Eises geformt wurden, neues Leben eingehaucht, beziehungsweise gehämmert und gefräst. Die Steine bleiben nun in ihrer neuen Form vielleicht weitere tausend Jahre fortbestehen. Und wir konnten den Prozess der Umwandlung miterleben – ein faszinierender Gedanke!“ Die Skulpturen würden nun im öffentlichen Raum der Stadt ihr Eigenleben beginnen, während die Bildhauer wieder in die Welt ziehen und zu Botschaftern für Neustadt würden, so Sela weiter. Neben den Kunstschaffenden würdigte der Bürgervorsteher insbesondere die „Triennale-Familie“, ohne deren Engagement die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Dazu zählen die Triennale-Crew (Orga-Team), die Gasteltern und Sponsor*innen von Geld- und Sachspenden sowie der Triennale-Beirat.
Letztmalig als Schirmherr dabei war der ehemalige Ministerpräsident Björn Engholm, der betonte: „Wer sich an die rohen und ungestalten Findlinge erinnert, die hier vor zwei Wochen gelegen haben und sie jetzt anschaut, der reibt sich nicht nur die Augen, der kriegt auch Respekt vor künstlerischer, kreativer Tätigkeit.“
 
Die Künstler*innen und ihre Werke
 
Francesca Bernardini (Italien) widmet ihre Skulptur „Daydreaming“ vor allem der jungen Generation, die an ihre Träume glauben und festhalten soll.
 
Thomas Reifferscheid aus Köln ließ sich bei der Namensgebung seines Werkes von der Stimmung der Triennale inspirieren. Im Rahmen der Präsentation seiner Skulptur sprach er von einer „wundervollen Konstellation“, die sich während des Symposiums ergeben hätte. So dann auch der Titel: „Konstellation“. Die drei sich durchdringenden Ringe sind als Zeichen des Urvertrauens dem Leben, dem Sein, unserer Existenz gegenüber zu verstehen.
 
Auch Julie Glaspy (Kanada) erzählte, sie habe sich in Neustadt wie in einer „extendet family“ gefühlt. Ihr diente das Thema Tor/Stadttor als Quelle der Inspiration. Glaspys „Gateway“ besteht aus zwei Findlingen mit einem Durchbruch, der auf wunderbare Weise die Vielschichtigkeit des Materials Granit zeigt.
 
Thomas Kadziola (Dänemark), dessen Felsgestalten „Dodekalitten“ auf Lolland wohl zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Dänemarks zählen, beerbt Neustadt mit seiner Skulptur „Moon“, ein monumentales Gesicht, das trotz seiner Ausmaße von berührender Zartheit ist.
 
Mit Blick auf die Cap-Arcona-Tragodie gab Ian Newbery (Schweden) seiner Skulptur den Titel „Strange Fish“, angelehnt an das Lied „Strange Fruit“ von Billie Holiday. Der Song gilt bis heute als Symbol gegen die Lynchmorde in den USA des 19. und 20. Jahrhunderts. (he)


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