Petra Remshardt

Letzter Neujahrsempfang mit Volker Owerien als Bürgermeister

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Scharbeutz. Mit so einem Andrang haben selbst Bürgervorsteher Peter Nelle und Bürgermeister Volker Owerien nicht gerechnet: So konnten sie am vergangenen Samstagnachmittag rund 600 Gäste zum Neujahrsempfang der Gemeinde Scharbeutz in der Turnhalle der Ostsee-Grundschule begrüßen, darunter die Staatssekretärin Bettina Hagedorn (SPD, MdB) und Ingo Gädechens (CDU, MdB), die Landtagsabgeordneten Sandra Redmann (SPD) und Hartmut Hamerich (CDU) sowie den ehemaligen und amtierenden Kreispräsidenten, Ulrich Rüder und Harald Werner (CDU).
In seiner Begrüßungsrede begrüßte Bürgervorsteher Nelle auch die zukünftige Bürgermeisterin Bettina Schäfer, der er eine glückliche Hand in der Amtsführung und ein persönliches Wohlergehen wünschte. „Frau Schäfer ist also unsere Zukunft,“ sagte er, was einen herzlichen Applaus auslöste.
Peter Nelle bedankte sich schließlich auch im Namen der Gemeindevertretung für die langjährige Zusammenarbeit bei Bürgermeister Volker Owerien und sagte: „Es war nicht immer ein ,Zuckerschlecken’, da aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Gemeindevertretung in den 18 Jahren auch so mancher Kampf bestanden werden musste. Doch Sie, Herr Bürgermeister, haben nie das Wohl der Gemeinde aus dem Auge verloren. In der Gesamtzeit Ihres Wirkens wurde für die Bürgerinnen und Bürger und auch für die Touristen ein neues Bild der Gemeinde Scharbeutz und eine begehrte Urlaubsdestination geschaffen.“ Und wieder gab es großen Beifall in der bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle. So gesehen war es ein Segen, dass der Kurparksaal wegen Umbauarbeiten für den diesjährigen Neujahrsempfang nicht zur Verfügung stand, da sonst nicht alle erschienenen Bürger, die den letzten Neujahrsempfang von Volker Owerien besuchen wollten, Einlass gefunden hätten.
„Im vergangenen Jahr haben wir uns auf die Dinge konzentriert, die wir hier vor Ort beeinflussen und selbst in die Hand nehmen können“, so Bürgermeister Volker Owerien zu Beginn seiner 18. und letzten Neujahrsansprache.
„Ausgangslage und damit auch Basis für die Investitionsentscheidungen unserer Gemeinde war und bleibt die erfreuliche Feststellung, dass die Gemeinde Scharbeutz aufgrund ihrer Entwicklung in den letzten Jahren eine hohe Attraktivität bei vielen Familien, Kapitalanlegern und Unternehmen genießt. Zu diesem Umstand trägt eben nicht nur die weiterhin positive Entwicklung unseres wichtigsten Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktors ,Tourismus’ bei, sondern insbesondere auch die Tatsache, dass unsere Investitionen in die für unsere Bürgerinnen und Bürger so wichtigen Infrastrukturen Schule, Kindertagesstätten, Wohnungsbau und Einzelhandel dazu beitragen, dass die Gemeinde Scharbeutz bei der Wohnortwahl vieler Menschen, aber auch bei der Standortwahl von Unternehmen eine sehr hohe Priorität genießt“. So hat man in die für Familien so wichtigen Infrastrukturen wie Schule, Kindertagesstätten und in die Bereitstellung von Wohnraum investiert, aber auch in den Brandschutz. „Es ist erfreulich, dass zwischenzeitlich auch die Hochbauarbeiten auf dem Gelände der Pro-Stiftung in Haffkrug fertiggestellt wurden. Damit stehen in Haffkrug 63 neue Mietwohnungen zur Verfügung, die auch bereits alle vermietet sind - und zwar, bis auf wenige Ausnahmen, - ausschließlich an Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde. Voraussichtlich im April werden die ersten Mieter einziehen“, so Owerien. „Ebenfalls weit vorangeschritten ist der Neubau von 15 Wohnungen der Lübecker Baugenossenschaft auf dem Grundstück neben der Einfahrt zum Bürgerhaus hier in Scharbeutz“.
Auch in die Kindertagesstätten hat die Gemeinde investiert. „So wurde für die Kita in Haffkrug der gesamte Außen- und Spielbereich neu gestaltet und erweitert. Auch 2020 werden wir weitere Betreuungsplätze in unseren Kindertagesstätten einrichten. So wird auf dem Gelände der Rappelkiste in Pönitz in der zweiten Jahreshälfte ein Neubau für drei Gruppen mit insgesamt 40 Betreuungsplätzen errichtet“.
Im Oktober konnte die Gemeinde mit der Grundsteinlegung für das Haffhuus „sicherlich eines der wichtigsten Projekte für die zukünftige Entwicklung Haffkrugs in die Umsetzung bringen“.
Nach einem Zitat von Herbert von Karajan („Wer alle seine Ziele erreicht, hat sie wahrscheinlich zu niedrig gewählt“) sagte Owerien: „Ich will nicht verschweigen, dass der Baubeginn des für Haffkrug geplanten Hotels immer noch nicht erfolgen konnte“. Dies brachte einige Besucher zum Schmunzeln. „Die Investoren haben inzwischen einen neuen Bauantrag auf Basis der vorherigen und nicht mehr beklagbaren Bauleitplanung eingereicht. Daran mögen Sie erkennen, dass alle weiterhin daran interessiert sind, dieses Hotel umzusetzen.
Natürlich werde man auch in 2020 weiter in die Infrastrukturen investieren“, so Owerien. „Bereits im Haushalt 2019 veranschlagt und mit den Erdarbeiten bereits begonnen wurde der Neubau eines Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshauses in Schürsdorf. In Pönitz wird bis 2021, wenn das 800-jährige Bestehen gefeiert wird, das neue Dorfgemeinschaftshaus - auch als kultureller Treffpunkt für die umliegenden Dorfschaften - fertiggestellt sein.
Aber auch in die touristische Infrastruktur wird weiter investiert, als Beispiele nannte Owerien die Sanierung und Umgestaltung des Kurparkhauses Scharbeutz zu einer multifunktionalen nutzbaren, maritimen Kindererlebniswelt, die gleichzeitige Modernisierung der dortigen Tourist-Info und die Sanierung des Kurparkhaus in Klingberg. „Erfreulich ist, dass diese Investitionen im touristischen Bereich ohne jegliche Kreditaufnahme geplant sind und allein aus der Rücklage respektive den Gewinn der Vorjahre finanziert werden können“, so Owerien.
„Der Gemeindehaushalt wird in diesen und in den Folgejahren ganz erheblich durch die Investition in unsere beiden Schulen in Scharbeutz und Pönitz geprägt sein“. Für den Umbau und Erneuerung der Ostseegrundschule werden nach derzeitiger Kostenberechnung insgesamt rund 10,3 Mio. Euro und für die Erweiterung und den Umbau der Schule in Pönitz rund 13,34 Mio. Euro aufzuwenden sein. Für den ersten Bauabschnitt ist der Gemeinde vom zuständigen Ministerium eine Förderung in Höhe von 4,5 Mio. Euro avisiert worden.
Owerien: „Eine Gemeinde kann ihr Geld nicht besser anlegen, als es in die Bildung ihrer Kinder zu investieren“.
Um all das zu finanzieren, hat die Gemeinde Scharbeutz in den vergangenen 18 Jahren dennoch nur in vier Haushaltsjahren überhaupt einen Kredit aufnehmen müssen. „Alle anderen Investitionskosten konnten im Rahmen der laufenden Haushalte erwirtschaftet werden. Der derzeitige Schuldenstand im Gemeindehaushalt ist sogar noch um 1,6 Mio Euro geringer als 2002, obwohl wir seitdem nur aus dem Gemeindehaushalt - also ohne die Ausgaben im Tourismus - Investitionen in Höhe von 62 Millionen Euro geleistet haben“, so Volker Owerien. „Wir haben mit dem Haushalt 2020 nunmehr auch das 15. Jahr in Folge einen in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen Haushalt vorgelegt und auch die mittelfristige Finanzplanung bis zum Jahr 2023 ist in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, auch unter Einberechnung aller Zins- und Tilgungsleistungen für die heute genannten Investitionen in unsere Schulen“.
Das Beste nannte er zum Schluss: „Wie werden auch das abgelaufene Jahr mit einem Überschuss in Höhe von 1,2 Mio Euro abschließen“.
Nach dem Dank an alle, die sich ehrenamtlich engagieren sagte Bürgermeister Volker Owerien: „Ich will nicht verhehlen, dass mir die Entscheidung, nicht mehr für eine vierte Amtszeit zu kandidieren, nicht leicht gefallen ist. Denn ein Amt, wie das eines Bürgermeisters loszulassen, das so unglaublich spannend und herausfordernd ist, indem so viele Möglichkeiten stecken, selbst Ideen einzubringen, um eine Gemeinde gemeinsam mit vielen anderen Beteiligten weiter zu entwickeln, täglich für Probleme auch Lösungen zu finden und mit unterschiedlichen Menschen umzugehen, das war, mit allen Höhen und Tiefen, aller Freude und manchmal auch Ärger, schon ein sehr schöner und erfüllender Beruf“.
Jetzt freue er sich auf einen neuen Lebensabschnitt und neue Aufgaben und bedankte sich bei allen, die ihn unterstützt haben für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit, „gerade auch dann, wenn es einmal Schwierigkeiten und kritische Situationen zu bewältigen gab“.
Gemeinsam mit Bürgervorsteher Peter Nelle hob Volker Owerien nach seiner letzten Neujahrsrede das Glas, um allen für das Jahr 2020 alles Gute zu wünschen. „Es war mir eine Ehre, Ihnen und unserer Gemeinde Scharbeutz dienen zu dürfen“, so Owerien zum Abschluss seiner Rede. Es folgten Standing Ovations und ein minutenlanger Applaus frei nach dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt“. (red)


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