Alexander Baltz

Was bedeutet „Reproduktionszahl“? - Haben Kontaktverbot und Lockdown etwas gebracht?

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Insgesamt gibt es in Deutschland noch rund 8.700 aktive Corona-Fälle.

Insgesamt gibt es in Deutschland noch rund 8.700 aktive Corona-Fälle.

Berlin. Mal sinkt er, mal steigt er - aber was sagt der Wert der Reproduktionszahl eigentlich aus? Und wieso hängen mit ihm die Corona-Lockerungsmaßnahmen zusammen?
 
Die Reproduktionszahl beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner eigenen Erkrankung ansteckt. Damit kann die Dynamik einer Pandemie besser eingeschätzt werden. Liegt die Zahl dauerhaft über eins, breitet sich eine Krankheit in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich dabei von der eins entfernt, desto schneller und heftiger verläuft der Trend - auch in umgekehrter Richtung. Mit Stand vom 19. Mai lag die Reproduktionszahl bei 0,82. Danach steckt also jede mit dem Virus infizierte Person in Deutschland im Mittel weniger als eine weitere Person an. Dieser Wert stellt das Infektionsgeschehen von vor circa eineinhalb Wochen dar.
 
 
Lockdown und Kontaktverbot
 
Für das Robert-Koch-Institut (RKI) geht es darum, den Wert der Reproduktionszahl (R-Wert) dauerhaft niedrig zu halten. Aber haben der Lockdown und das Kontaktverbot wirklich dazu beigetragen? Das RKI sagt ja. Die Wirksamkeit oder Notwendigkeit der Corona-Maßnahmen nur auf den R-Wert zurückzuführen, greife nach Angaben des RKI zu kurz. Wichtig seien außerdem unter anderem die Schwere der Erkrankungen sowie die absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen.
Am 18. Mai hat es zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern keine Neuinfektionen gegeben. Wichtiger als tägliche Schwankungen sind allerdings Trends, die sich über Tage oder Wochen fortsetzen. Und die sind aktuell sehr positiv zu bewerten - die Zahl der aktiven Corona-Fälle lag am 19. Mai deutschlandweit bei nur noch 11.500.
 
 
Bereits am 8. März empfahl Gesundheitsminister Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern abzusagen. Am 16. März veröffentlichten Bund und Länder gemeinsame Leitlinien: Bars, Kultur- und andere Freizeiteinrichtungen sowie Sportbetrieb sollten schließen und Zusammenkünfte, zum Beispiel in Kirchen und Moscheen, verboten werden. Zu diesem Zeitpunkt lag der R-Wert nach Schätzung des RKI etwas unter 2.
 
Eine Woche später wurde das bundesweite umfangreiche Kontaktverbot beschlossen. Da aber wie gesagt schon vor dem 23. März das öffentliche Leben zurückgefahren wurde, sei der R-Wert bereits vor dem bundesweiten Kontaktverbot abgesunken, so das RKI. Demnach helfe das Kontaktverbot, den R-Wert auf unter 1 zu stabilisieren. Lockerungsmaßnahmen sind also vertretbar, wenn das Kontaktverbot im allgemeinen weiter bestehen bleibt. Hierfür ist die Reproduktionszahl ein wichtiger Indikator. (ab/red)


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