Simon Krüger

Zinskosten berechnen: Wovon hängen die Kreditzinsen eigentlich ab?

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Ob nun ein Handy, neue Möbel oder ein Auto - heute werden einfach sehr viele Dinge per Kredit finanziert. Hier zeigt sich in den letzten 20-30 Jahren ein deutlicher Wandel: Galt es früher noch als verpönt, Kredite aufzunehmen, ist es heute ganz normal. Doch wer ein Darlehen aufnehmen möchte, steht immer vor der Frage: Was kostet mich das eigentlich? Aus diesem Grund schauen wir uns nun die Zinskosten genauer an: Wie werden diese berechnet? Welche Faktoren beeinflussen die Kredithöhe und was sollten potenzielle Kreditnehmer bei der Anbieterwahl beachten?

 

Zinskosten: Wie werden Zinsen heute berechnet?
Die meisten Darlehen für Konsumzwecke und sogar Baukredite werden heute als Annuitätendarlehen vergeben. Diese Form des Darlehens weist einige Besonderheiten auf:

  • Rate: Die monatliche Rate bleibt über die gesamte Laufzeit hinweg gleich.
  • Zinsen: Da jeden Monat der gleiche Betrag zurückgezahlt wird, verschieben sich die Ratenbestandteile mit jeder Zahlung. Zinsen können nämlich immer auf den offenen Restbetrag gefordert werden. Deshalb wächst der Tilgungsanteil der Rate mit jedem Monat um den Betrag, der bei den Zinsen eingespart.
  • Restschuld: Am Ende der Laufzeit ist der Kredit komplett abgezahlt. Eine Restschuld verbleibt nur bei sehr großen Krediten wie einer Immobilienfinanzierung.

 

Wie können Kreditnehmer die Zinsen berechnen?
Wer heute einen Kredit aufnehmen möchte, sollte dafür auf Vergleichsportale zurückgreifen. Diese bieten in den meisten Fällen auch entsprechende Kreditrechner, mit denen sich die genauen Kosten berechnen lassen. Geht es dabei beispielsweise um einen Kredit über 20.000 Euro, werden einfach folgende Daten in den Kreditrechner eingegeben:

  • Kreditsumme: 20.000 Euro
  • Laufzeit: gewünschter Zeitraum (zum Beispiel: 5 Jahre)
  • Zinssatz: der Zinssatz aus einem Angebot (zum Beispiel: 5,2% p.a.)
  • Verwendungszweck: der gewünschte Zweck (zum Beispiel: Neuwagen)

Daraus erstellt der Rechner dann die monatliche Rate und mitunter auch einen genauen Tilgungsplan. Daraus ergäben sich folgende Daten:

  • Monatliche Rate: 378,16 Euro
  • Zinskosten: 2.689,51 Euro

Auf diesem Weg wissen Kreditnehmer am Ende also ganz genau, welche Ausgaben in den nächsten Jahren auf sie zukommen. Dies hilft bei der Kalkulation und der Einschätzung, ob ein solcher Kredit sinnvoll ist.

 

Welche Faktoren beeinflussen die Zinsen für einen Ratenkredit?
Neben der reinen Berechnung der Zinsen sind natürlich auch die Einflussfaktoren wichtig, die einen Kredit teurer oder günstiger machen. In diesem Zusammenhang existieren viele verschiedene Möglichkeiten:

  1. Die Zinspolitik des jeweiligen Anbieters
    Banken sind bei der Gestaltung ihrer Konditionen relativ frei. So kann sich ein Kreditanbieter also durchaus dazu entschließen, seinen Kredit teurer anzubieten als die Konkurrenz. In Zeiten der Markttransparenz durch Online-Vergleiche sorgt dies jedoch dafür, dass die jeweilige Bank deutlich weniger Kunden findet. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass der höhere Zinssatz mit Gegenleistungen versehen wird. So könnte beispielsweise die Bonitätsprüfung etwas lockerer ausfallen oder es werden unbegrenzte kostenfreie Sondertilgungen ermöglicht. Durch einen Kreditvergleich finden Interessenten heute relativ einfach den Kredit, der bei den Zinsen am günstigsten abschneidet.
  2. Die Bonität des Kreditnehmers
    Auch die Bonität des Kreditnehmers spielt natürlich eine wichtige Rolle. Die Zinsen werden deshalb heute auf verschiedene Art und Weise ausgegeben:
    - Zinsspanne: Die von … bis …% Zins-Aussagen geben eine Spanne an, innerhalb derer sich der konkrete Zinssatz für ein Darlehen bewegt. Der individuelle Zinssatz eines Kunden hängt dann immer von dessen Bonität ab.
    - Einzelzinssatz: Wird in einem Kreditvergleich nur ein einzelner Zinssatz angegeben, ist dies meistens der Eingangszinssatz. Genauer: Der Zinssatz, der für Kunden mit Top-Bonität gilt.
    - Beispielzins: Banken sind heute gesetzlich verpflichtet, ihrer Kreditwerbung ein sogenanntes repräsentatives Beispiel beizufügen. Der dort angegebene Zinssatz muss so gewählt werden, dass er für durchschnittlich zwei Drittel aller Kunden realistisch ist. Er stellt also quasi einen Zinssatz für eine mittlere Bonität dar.
    Die Bonität von Kreditnehmern hängt hauptsächlich von 2 Faktoren ab:
    - Verfügbares Einkommen: Das verfügbare Einkommen errechnet sich aus den Einkünften einer Person, von der die regelmäßigen Kosten abgezogen werden. Deshalb fragen Banken immer nach dem Einkommen und fordern nicht selten eine Haushaltsrechnung. Zusätzlich setzen sie jedoch auch einfach statistische Durchschnittswerte für die Kosten an und kalkulieren auf dieser Basis, wie riskant eine Kreditvergabe ist.
    - Bonitätsauskunft: Auskunfteien wie die SCHUFA bieten ihren Vertragspartnern wie Banken eine Auskunft über das vorherige Zahlungsverhalten. Wer also sich also schon einmal grob vertragswidrig verhalten hat, muss eventuell mit negativen Einträgen rechnen, die eine Kreditvergabe häufig unwahrscheinlich machen. Darüber hinaus arbeiten Auskunfteien oft mit Scorings, die wiederum einen Einfluss auf die Höhe des Zinssatzes haben.
  3. Anzahl der Kreditnehmer
    In diesem Fall heißt es zwar nicht: Je mehr, desto besser. Aber ein zweiter Kreditnehmer kann die Bonität in Bezug auf die Kreditaufnahme deutlich erhöhen. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass sich die Kreditlast dann auf mehrere Schultern verteilt. Viele Kreditanbieter erkennen jedoch nur weitere Kreditnehmer an, die im gleichen Haushalt wohnen. Somit beschränkt sich das Ganze im Normalfall auf enge Verwandte. Darüber hinaus sollte der zweite Kreditnehmer über ein eigenes Einkommen verfügen.
  4. Gewählte Kreditsumme
    Je nach Kreditsumme können die Zinsen für einen Kredit unterschiedlich ausfallen. Dies liegt vor allem an zwei Faktoren:
    - Besondere Angebote: Mitunter bieten die Banken bestimmte Kreditsummen in Form von Sonderaktionen zu einem Aktionszinssatz an. Hier lohnt sich ein genauerer Blick für Interessenten besonders.
    - Bonität: Eine höhere Kreditsumme sorgt zudem dafür, dass durch das eigene Gehalt eine höhere Kreditsumme besichert werden muss. Dies kann die Bonitätsbewertung negativ beeinflussen.
  5. Verwendungszweck
    Auch der Verwendungszweck spielt eine wichtige Rolle für den Zinssatz. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass bestimmte Nutzungen von Darlehen selbst einen Sicherheitscharakter haben:
    - Autokredit: Dies ist zum Beispiel bei einem Autokredit der Fall, da das Auto selbst als Kreditsicherheit dient. In diesem Fall wird der Kredit zum einen durch das Gehalt des Kreditnehmers und zum anderen durch eine Sicherungsübereignung (Übergabe des Fahrzeugbriefs an die Bank bis zur vollständigen Abzahlung des Darlehens). Durch diese zusätzliche Besicherung verlangt die Bank einen leicht niedrigeren Zinssatz für das Darlehen.
    - Umschuldung: Eine Umschuldung an sich hat zwar keinen Sicherheitscharakter, aber in diesem Fall greift ein anderer Umstand: Die Umschuldung bringt dem Kreditnehmer keine neuen Schulden. Es werden lediglich vorhandene Verbindlichkeiten gegen neue getauscht. Da eine Umschuldung häufig dann durchgeführt wird, wenn der Zinssatz niedriger legt, verbessert sich die finanzielle Situation des Kreditnehmers auf diesem Weg sogar. Dies honorieren Banken mitunter durch günstigere Zinskonditionen.

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