Marco Gruemmer

Wanderausstellung: Demokratie zum Mitmachen und Mitdenken

Neustadt in Holstein. Wie kann Demokratie im Alltag erlebbar werden? Dieser Frage widmet sich die interaktive Wanderausstellung „Step by Step – Demokratieräume“, die seit Mittwoch, 9. September, im Zeittor Museum in Neustadt zu sehen ist. Bei der feierlichen Eröffnung konnten die Besucherinnen und Besucher das ungewöhnliche Ausstellungskonzept erstmals kennenlernen, eigene Haltungen hinterfragen und miteinander ins Gespräch kommen.

Eingeladen hatten das Kinder- und Jugend Netzwerk Neustadt in Holstein und der Kreisfachberater für kulturelle Bildung, Mano Salokat. Nach einer Einführung in die Idee und Zielsetzung der Ausstellung folgte ein gemeinsamer Rundgang durch die verschiedenen Stationen. Dabei wurde schnell deutlich, dass diese nicht nur zum Lesen, sondern vor allem zum Nachdenken und Mitmachen einladen. Immer wieder blieben Besucherinnen und Besucher stehen, stellten Fragen, tauschten Sichtweisen aus und brachten ihre eigenen Erfahrungen ein. Besonders bei Fragen zu Toleranz und unterschiedlichen Lebensformen entwickelte sich ein lebhafter Austausch. So wurde bereits bei der Eröffnung spürbar, dass Demokratie nicht nur ein abstrakter Begriff ist, sondern dort beginnt, wo Menschen einander zuhören, unterschiedliche Meinungen aushalten und bereit sind, die eigene Haltung zu hinterfragen.

„Demokratie findet nicht nur in Parlamenten statt. Demokratie findet dort statt, wo Menschen zusammenkommen, wo Meinungen aufeinandertreffen, wo man einander zuhört, manchmal auch widerspricht, vielleicht sogar seine Meinung ändert und am Ende versucht, gemeinsam einen Weg zu finden. Dafür braucht es Räume. Und genau solche Räume wollen wir auch in unserer Stadt schaffen und erhalten. Räume, in denen Menschen ins Gespräch kommen. Räume, in denen junge Menschen ihre eigenen Vorstellungen entwickeln und ihre Stimme einbringen können. Und Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstanden werden“, erklärte 1. Stadtrat Dirk Vowe.

Auch Medi Kuhlemann, Landeskoordinatorin von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Schleswig-Holstein, betonte die Bedeutung solcher Begegnungsräume: „Unsere Demokratie wird immer instabiler. Was bringt Jugendliche dazu, verschiedene Lebensformen nicht zu akzeptieren? Was brauchen junge Menschen, um Demokratie zu lernen? Dazu gehören Räume der Beteiligung und das Diskutieren von verbindenden, tragenden Werten.“ Sie begrüßte, dass die Ausstellung Platz für Dialog und Austausch bietet, und betonte: „Demokratie ist nicht selbstverständlich.“

Im Mittelpunkt von „Step by Step – Demokratieräume“ steht ein runder Kreis aus interaktiven Wänden. Zehn innere Werte, darunter Respekt, Toleranz, Empathie, Mut und Selbstkritik, bilden dabei die thematische Grundlage. Die Ausstellung lädt dazu ein, eigene Haltungen zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was eine demokratische Gesellschaft zusammenhält.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sind die sogenannten „Demokratielotsen“. Dafür ausgebildete Schülerinnen und Schüler begleiten die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung, stellen Fragen und regen Gespräche an. Themen wie Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und der Umgang mit Extremismus werden auf diese Weise nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam diskutiert. Gerade dieser persönliche Austausch macht die Ausstellung zu einem Ort, an dem Demokratie unmittelbar erlebt und ausprobiert werden kann.

Angesichts einer zunehmend polarisierten Gesellschaft soll „Step by Step – Demokratieräume“ dazu beitragen, demokratische Werte verständlich und erfahrbar zu machen. Die Ausstellung schafft dabei bewusst Raum für unterschiedliche Meinungen und lädt dazu ein, auch die eigene Perspektive zu hinterfragen. Das Konzept wurde vom Bremer Demokratieprojekt Square entwickelt und ist als Wanderausstellung bundesweit an unterschiedlichen Orten zu Gast.

In Neustadt ist „Step by Step – Demokratieräume“ noch bis zum 2. Oktober 2026 zu sehen. Die Ausstellung kann von Dienstag bis Samstag jeweils von 10.30 bis 17 Uhr besucht werden.

Gefördert wird das Projekt durch die Partnerschaft für Demokratie Neustadt in Holstein im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Unterstützt wird es zudem von der Sparkassenstiftung Ostholstein. (mg)


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