Reporter Eutin

„Wieso bist Du eigentlich Bürgermeister geworden?“

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Eutin (ed). Bunte Stifte, Apfelschnitze, Gummibärchen auf den Tischen des Sitzungssaales des Eutiner Rathauses – drumherum eine gut gelaunte Horde von Viertklässlern, die sich von der Atmosphäre des altehrwürdigen Saales kaum einschüchtern lassen. Mittendrin der Eutiner Bürgermeister Carsten Behnk, der sichtlich Spaß an dem eher ungewöhnlichen Besuch hat. Er erklärt den Kindern, wer dieses Rathaus gebaut hat und was sich von damals bis heute verändert hat: „Damals hat der Herzog bestimmt, wer der Bürgermeister ist“, sagt er, „heute wird ein Bürgermeister von den Stadtbewohnern gewählt.“ Und der Bürgermeister sei der Chef der Stadtverwaltung – „wisst Ihr, was so eine Stadtverwaltung macht?“ „Sich um die Sachen kümmern“, sagt Nils, „die in Eutin passieren?“ Genau. Nachdem die Stadtvertretung entschieden hat, dass ein Sportplatz gebaut werden, eine Schule eine neue Toilette bekommen, eine Straße geflickt werden oder eine neue KiTa gebaut werden soll, sorgt die Stadtverwaltung dafür, dass das auch passiert.
Im Rathaus könne man aber auch noch andere Sachen erledigen – im Bürgerbüro zum Beispiel einen Reisepass oder Personalausweis beantragen. „Und im Standesamt kann man heiraten. Das hab ich auch gemacht“, erzählt Carsten Behnk und schmunzelt: „Ist aber schon lang her.“ Zur Stadt gehöre außerdem auch das Ordnungsamt – und wie der Name schon sagt, sorgen da die Mitarbeiter dafür, dass alles ordentlich läuft. Schreiben schonmal Autos auf, die falsch parken, sagen Bescheid, wenn eine Hecke zu hoch ist und zum Sichthindernis wird, oder passen auf, dass auf dem Wochenmarkt alles seinen Gang geht. Manchmal arbeitet das Ordnungsamt dabei mit der Polizei zusammen, erklärt der Bürgermeister, „die gehört aber nicht zur Stadt sondern zum Land Schleswig-Holstein. Kennt Ihr noch andere Bundesländer?“ Ratzfatz sind alle 16 zusammen und der Bürgermeister staunt.
Vor dem Besuch im Rathaus haben die Grundschüler sich überlegt, was in Eutin noch fehlt oder was besser werden könnte – und da sind eine Menge Wünsche zusammen gekommen, keiner davon albern oder unvernünftig sondern begründet und pfiffig. Ava wünscht sich, dass Eutin einfach umweltfreundlicher wird. Leah fände einen richtigen Spielzeugladen toll – „das ist das Problem“, sagt der Bürgermeister, „um viele Wünsche kann ich mich kümmern, die Mülleimer zum Beispiel, aber welche Geschäfte es hier gibt, das kann ich nicht bestimmen.“ Mehr Mülleimer wünschen sich nicht nur York und Sarah, auch mehr Radwege wären toll, nicht nur immer neue Fahrradständer, finden Lilian, David und Mia. Ein ganz großer Wunsch ist die neue Skaterbahn, denn die alte sei echt ziemlich schlimm, sagt Nis. „Aber das wird gerade diskutiert“, so Carsten Behnk, „wir müssen nur einen Platz dafür finden.“ Der allerdings ist für die Kinder schon gefunden: Im Seepark. Hier erklärt der Chef der Stadtverwaltung die Sache mit den Zuschüssen – denn für den Seepark habe die Stadt Zuschüsse bekommen, und dann könne man nicht gleich danach alles wieder umbauen.
Natürlich dürfen die Viertklässler auch das Büro des Bürgermeisters erkunden – der Stuhl übt eine besondere Faszination auf die Kinder aus, jedes darf mal probesitzen. „Der Stuhl ist cool“, grinst Rokas. Genauso wie der große Bildschirm („nein, das ist kein Fernseher“, lacht der Bürgermeister auf eine ein wenig neidische Nachfrage), der bei Besprechungen eingesetzt wird. Gern erzählt der Bürgermeister ihnen von seinem Tagesablauf, der nach einem Streifzug durch Eutin meistens so um halb 9, 9 beginnt. „Da können Sie ja ausschlafen!“, sagt einer der Jungs. Und Mia fragt, wieviel Freizeit er denn hätte – „naja, nicht so viel, weil ein Bürgermeister auch am Abend und am Wochenende viel unterwegs ist.“
Dann die alles entscheidende Frage: „Wieso bist Du eigentlich Bürgermeister geworden?“ Er habe sich beworben und die meisten Stimmen bekommen, schmunzelt Carsten Behnk, „das ist die Kurzfassung. Aber eigentlich wollte ich schon als Jugendlicher Bürgermeister werden.“ Sein Onkel sei Bürgermeister gewesen und habe ihn ab und an mitgenommen – „das fand ich total cool. Später habe er sein Studium beim Kreis begonnen und sei dann viel durch die Gemeinden gefahren. Die Idee, sich um vieles kümmern zu können, habe ihm gefallen – „und da habe ich mich beworben.“ Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Dann sind alle Fragen beantwortet und der Rest des Rathauses ist dran. So geht Julia Babenihr mit den Kindern ins Standesamt und ins Trauzimmer – total spannend, auch wenns noch nicht aktuell ist, wie der ganze Rathausbesuch. „Cool“, sagt Nils, der sich, wenn er erstmal Bürgermeister ist, als Erstes um den Klimawandel kümmern wird.
Als Carsten Behnk seine Runde durch die Schulen gemacht hat, um für das Kinder- und Jugendparlament zu werben, sei die 4c so interessiert an seiner Arbeit gewesen, dass er sie spontan zu sich eingeladen habe, erzählt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. „Das ist die allererste Schulklasse überhaupt, die das Rathaus besucht.“ „Und das ist nur die erste von allen sieben vierten Klassen, die wir hier haben, denn natürlich sollen alle kommen dürfen“, schmunzelt Julia Babenihr aus dem Team der Eutiner Stadtverwaltung, die den Besuch zusammen mit Claudia Mohns, der Sekretärin des Bürgermeisters, zusammen organisiert hat. „Wir freuen uns sehr, es macht Spaß, die Türen zu öffnen.“


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