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Übergabe einer Schenkung

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Conrad Nolte und Kuno Brandt

Conrad Nolte und Kuno Brandt

Foto: der reporter

Heiligenhafen. Eine chinesische Seidenfahne und ein ausziehbares Fernrohr wurden am Dienstag von einer Dauerleihgabe in eine Schenkung für das Heimatmuseum Heiligenhafen umgewandelt. Im Namen seiner Mutter Frau Sigrid Nolte, eine in Heiligenhafen lebende Ur-Enkelin des Kapitän Massmann, repräsentierte Conrad Nolte die Familie bei der Unterzeichnung der Schenkungsurkunde. Hermann Kock, Stifter des Peter Cordt Kock Stiftes - war mit der in Lübeck ansässigen Familie Blohm befreundet und hatte 1876 zur Firmengründung der Werft Blohm & Voss in Hamburg 200.000 Mark Startkapital beigesteuert — als Rückzahlung war eine Flotte der in dieser Zeit modernsten Segler mit Dampfmaschinen-Hilfe vereinbart: Die Schiffe wurden „Ingraban“, „Ingo“ und „Welle“ getauft. Kapitän Rudolf Massmann befuhr auf den drei zur Reederei Kock & Massmann gehörenden Dampfseglern die Chinaroute — später auch auf japanische Rechnung im Monatscharter. Während eines Orkans rettete R. Massmann vor der chinesischen Küste sechs staatliche Hoheitsbeamte (Mandarine), die mit ihrer Dschunke in Seenot geraten waren und erhielt dafür als dankbare Anerkennung eine spezielle seidene Flagge. Sobald diese Flagge gesetzt wurde, stand die „Ingraban“ unter besonderem chinesischem Schutz und war so vor Piratenangriffen im chinesischen Meer sicher. Die vier großen Schriftzeichen in der Mitte der Flagge bedeuten: »Gutes zu tun ist höchste Freude!« Die Zeichenreihe links davon: »Dem Kapitän Weishi Masiman (chinesisch »Massmann«) des großen Schiffes Weili (chinesisch »Ingraban«) aus dem großen Deutschland zugeeignet«. Die Zeichen auf der rechten Seite enthalten die verschiedenen Titel des hohen Würdenträgers mit Namen Zhou Yougi: »Ehrerbietig überreicht von Zhou Yougi, Tongzhixian (Titel) der Provinz Fujian und nachfolgender Magistrat, Mitglied der Kommission zum Schutz (der Grenzen), ausgezeichnet mit der Blauen Feder der Großen Qing-Dynastie«. Ein weiteres Artefakt, das die Familie dem Heimatmuseum überließ, ist ein 67-83 cm langes Fernrohr von Troughton & Simms in London, das Kapitän Hermann Kock 1864 als Dank für die Rettung einer englischen Besatzung aus Seenot von der englischen Krone mit folgender [englischer] Gravierung geschenkt worden war:[dt. Übers.: Von der britischen Regierung als Geschenk an Kapitän H. Kock des Schiffes Anna-Elisabet aus Heiligenhafen in Holstein als Dank für die Rettung der Besatzung der 'Resolution of Shields', die Er im November 1864 aus Seenot rettete]. Conrad Nolte bemerkte, dass diese in der Vergangenheit liegenden Ereignisse einmal mehr zeigen, dass wir alle irgendwie auch in einem Boot sitzen und dass die Lebensumstände es immer wieder erfordern, dass wir uns gegenseitig helfen und einander in Notsituationen beistehen. Der bekannte Heiligenhafener Künstler Tilman Fritsch, ebenfalls ein Ur-Enkel des Kapitän Massmann, hat dieses Thema bereits in seiner 2001 vollendeten Kunstinstallation mit dem Namen „Arche Nova“, Am Ufer 15, in Heiligenhafen aufgegriffen.

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