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Gilde oder nicht Gilde, das ist hier nicht die Frage …

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Der Gildevogel.

Der Gildevogel.

Foto: hfr

Oldenburg. (h-pf) Leev Gillswestern un Gillbröder, leev Binnen-un Butenolnborger,
durch einen Vorstandsbeschluss hat die Oldenburger St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192 e.V. im April 2020 das offizielle Gildeleben eingefroren. Dieser Beschluss war mit der Hoffnung verbunden, dass im darauffolgenden Jahr mit dem Fastl-Abend-Ball alles wieder seinen alten Gang nehmen würde. Wie es sich herausstellte, war das ein Satz mit X!
 

Diese Hoffnung hat sich leider zerschlagen. Corona mit seinen Abwandlungen hat uns fester im Griff als je zuvor. Die Inzidenzzahlen steigen bis heute in nie dagewesene Höhen. Die Hoffnung auf eine schnelle Durchimpfung und die damit verbundene Reduzierung der Inzidenzzahlen haben sich als ein Trugschluss herausgestellt. Trotzdem ist ein kleiner, aber agiler Teil der Gilde im Rahmen der Möglichkeiten ständig am Wirken. So haben Gildemitglieder an der Oldenburger City-Clean-Up Aktion teilgenommen und Müll vom Schützenplatz und dem angrenzenden Bruchbereich entfernt. Neuland betrat die Gilde dann mit einer digital durchgeführten Zeltväterversammlung. Dieses Novum hat sich als bedingt machbar herausgestellt. Es geht nichts über eine Präsenzveranstaltung. Im Juni hat uns der Inhaber der Hubertusapotheke ein Schaufenster zur Verfügung gestellt, um der Bevölkerung und den Gästen einen kleinen Einblick in die Gilde zu geben. Dieses haben der Vorstand und die Schaffer mit Unterstützung einer Dekorateurin des Oldenburger Modehauses Johannsen selbstredend gerne angenommen und durchgeführt. Im Sommer gingen die Inzidenzzahlen zwar runter und nährten dadurch die Hoffnung auf baldige Rückkehr zum Normalzustand. Wenn auch die großen Gildefeste nicht stattfinden konnten, so wollte man doch versuchen, an Traditionen festzuhalten. Dazu gehört auch der plattdeutsche Gottesdienst unter der Vogelstange. Unter Coronaauflagen wurde der Gottesdienst auf dem Schützenplatz am eigentlichen Gildesonntag durchgeführt.
 
Das Lindenrund mit dem großen Birkenkreuz aus Putlos und die große Kirchenfahne bildeten eine stimmungsvolle Atmosphäre. Unser Gildepastor Andreas Gruben hielt auf Holsteiner Platt mit leichten ostfriesischen Einflüssen den traditionellen Sonntagsgottesdienst. Der Organist Matthias Voget sorgte mit dem Posaunenchor für die musikalische Begleitung. Auch unsere Bierschaffer waren unterdes nicht untätig und fertigten einen neuen, einfacher aufzubauenden Bierstand für die Gildehalle. Dieser wurde in einer feierlichen Zeremonie dem Gildevorstand übergeben. Den Startschuss für den Kultursommer Ostholstein in Oldenburg gab unsere Gildekapelle mit ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit langer Zeit. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch einen zünftigen und farbenfrohen Fahnenein- und -ausmarsch. Zusammen mit dem Verein „Bravo“, der zum Erhalt von Tradition und Brauchtum in Oldenburg gegründet wurde, betrieb die Gilde einen Kinderstand zur Hauptveranstaltung des Kultursommers mit Spielen und Naschgewinnen, sowie ein Fotoshooting auf einer originalen Seifenkiste, die beim Seifenkistenrennen auf Putlos mehrere Siege eingefahren hat. Auch hier konnte die Gilde zeigen, dass sie ein Bürgerverein ist, und sich, wo möglich, einbringt und zum Stadtbild Oldenburgs gehört. Unser Gildebruder und Gildewirt im Schützenhof, Gerrit Milbrodt, hatte über die Sommerzeit ein überdimensionales Beduinenzeltdach auf dem Schützenplatz aufgebaut. Dieses war für diverse Musikveranstaltungen ein heimeliger Unterschlupf. Unter dieser Zeltdachkonstruktion konnte die Gilde endlich eine außerordentliche Mitgliederversammlung in abgespeckter Form coronabedingt im Außenbereich durchführen. Hierbei wurden wichtige Dinge abgehandelt, die eigentlich jährlich im Ablauf der Gilde zur Sprache kommen sollten. Der Regenschutz des Daches kam der Gilde auch zugute beim Grillen unter der Vogelstange.
 
Die Gildekapelle und das opulente Grillbüfett trugen maßgeblich zum Gelingen des leider etwas nassen Abends bei. Das Stadt-Gilde-Pokalschiessen konnte aufgrund einer begrenzten Teilnehmerzahl unter Coronaauflagen stattfinden. Die Stadt errang den Pokal und stellte mit Susanne Knees die Siegerin. Diese ist eine gestandene Gildeschwester und so eine Genugtuung für die Gilde. Wir werden unsere Augen mit Zielwasser stärken und der Stadt im nächsten Jahr Paroli bieten. Die Gilde hatte große Anstrengungen unternommen, um das Zeltgemeinschaftsschießen durchführen zu können. Schweren Herzens musste diese Veranstaltung abgesagt werden, um die Gesundheit der vielen Schützen nicht zu gefährden. Zum Volkstrauertag erwiesen wir unseren Gefallenen mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal alle Ehre. Und dann kam die Adventszeit und im Vogelkasten leuchtete wieder der Tannenbaum. Der Gildevorstand besuchte einige Gildemitglieder und überbrachte herzliche Weihnachtsgrüße und gute Wünsche für das Neue Jahr. Die Oldenburger St. Johannisgilde ist nicht nur ein Verein zum Feiern. Sie nimmt auch viele soziale Aufgaben wahr und gibt Unterstützung im Gemeinwesen, wo es im Rahmen unserer Satzung möglich ist. Der Abschied vom alten Jahr verlief entgegen alter Traditionen eher still und mit dem beginnenden Jahr dreht sich das Gildekarussell von Neuem. Corona ist immer noch da und diktiert uns seinen Willen.
 

Wieder keine Ältermannübergabe, wieder kein Fastl-Abend-Ball in 2022. Wir haben jetzt zwei Jahre Erfahrung mit Corona und können uns auf deren Varianten einstellen und alles, was möglich ist, unternehmen, um dieses Jahr ein Gildesommerfest mit Vogelschießen durchzuführen. Der Termin hierfür ist vom 19.06.22 bis zum 22.06.2022 ! Wenn es sein muss auch unter „2G“. Die Vorbereitungen dazu sind angelaufen. Außerdem möchten wir für den ausgefallenen Fastl-Abend-Ball einen Ersatz in Form eines Gilde-Sommerballs einplanen. Der Termin hierfür muss noch festgelegt werden. Blievt gesund un hold ju fuchtig! Wi sünd Gill! In goden un in slechten Tieden! Im Namen vom Vorstand Hans-Peter Flindt, 1. Ältermann.


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