Reporter Eutin

„Wir haben unser Wahrzeichen wieder”

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Lütjenburg. (ed) Darauf haben die Lütjenburger länger als ein halbes Jahr gewartet, aber das Warten hat sich gelohnt. Die Hülle ist weg und das, was darunter zum Vorschein kommt, kann sich wirklich sehen lassen: Der Lütjenburger Bismarckturm hat in den vergangenen sieben Monaten nicht nur seine Zukunft sondern auch ursprüngliches Erscheinungsbild zurückbekommen. „Wir haben unser Wahrzeichen wieder“, freut sich Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn, „und das seiner ursprünglichen Ansicht aus der Kaiserzeit.“
 

1898 wurde der Turm seinerzeit dank der Spendenbereitschaft der Bürger zu Ehren des damaligen Reichskanzlers Bismarck erbaut, „und er hat sich über die Jahre hinweg, geprägt durch dieses bürgerschaftliche Engagement, stark als Wahrzeichen der Stadt etabliert“, so Dirk Sohn. „Und er sah 1899 schon genau so aus wie heute wieder.“ 1930 sei seine Gestalt geändert worden – so wurde unter anderem das kaiserzeitliche Brüstungsmauerwerk entfernt. Einer weiteren groben Sanierung wurde der Bismarckturm dann 1983 unterzogen – und da man um die Standfestigkeit des Turmes fürchtete, wurde er mit Metallbändern nachgerade geklammert. Bei einer Begehung wurde dann vor rund drei Jahren festgestellt, dass gerade der obere Bereich stark von Verfall bedroht war. Die ersten Betonteile bröckelten bereits ab, der Turm wies bis unter den Turmkopf starke Schäden auf. Es musste also gehandelt werden – die Stadt setzte sich mit Architekten in Verbindung, die Sanierungskosten in Höhe von 600.000 Euro berechneten. „Das war ein bisschen viel für unsere Portokasse“, sagt Dirk Sohn, „vor allem für einen so kleinen Turm wie unseren, also haben wir die Sanierung aufgeschoben.“ In der Zwischenzeit habe die Denkmalbehörde den historischen Turm unter Denkmalschutz gestellt, erzählt er, das wiederum habe ganz neue Möglichkeiten ergeben: Es konnten Fördermittel für die Sanierung beantragt werden.
 
Sie wurden in Höhe von 50 Prozent der Sanierungskosten aus einem Denkmalschutzprogramm des Bundes bewilligt – „und wir konnten starten.“ Der altehrwürdige Bismarckturm wurde eingerüstet und verhüllt – und das war wohl auch besser so, denn der gesamte Turmkopf musste abgetragen und wieder aufgebaut werden. So aber konnte der Bismarckturm entstehungszeitgemäß sein kaiserzeitliches Brüstungsmauerwerk mit den Vorsprüngen und Putzflächen wieder erhalten. Dachflächen wurden mit purpurfarbenem Schiefer eingedeckt, die Kunststoff-Fenster durch schmiedeeiserne nach historischem Vorbild ersetzt – die Plattform hat wieder einen ordentlichen Boden und statt der „Heizungsraumtür“ eine schöne geschmiedete, passend zum neuen alten Glanz des Turmes. Ein Detail ist ganz besonders schön: Die metallene Rose auf dem Dachvorsprung strahlt in neuem Glanz und in schönstem Rot, ihr goldenes Blüteninneres bildet einen wunderbaren Kontrast dazu, sodass sie zwar vom Turm nicht ablenkt, aber doch einen besonders liebenswerten Hingucker bildet.
 

Darüberhinaus wurden die Metallbänder entfernt und die Standfestigkeit des Turmes durch die Verankerung des Verblendmauerwerks an das tragende Hintermauerwerk durch nicht rostende Verblendsanieranker. Auch die Nebenräume des Turmes wurden wieder begehbar gemacht und grob saniert, sodass sie in naher Zukunft für eine Ausstellung genutzt werden können.
„Wir konnten den wirklich ursprünglichen Turm wieder herstellen“, strahlt Dirk Sohn, „darauf bin ich als Lütjenburger sehr stolz, denn das ist etwas ganz Besonderes für die Stadt.“ So habe er es sich auch nicht nehmen lassen, gleich nachdem die Hülle abgenommen worden war, oben auf der Turmspitze die Schleswig-Holstein-Flagge zu hissen. „Und ich habe schon ein paar Flaggen gehisst“, schmunzelt er, „aber das war etwas ganz Besonderes für mich.“ Sobald Corona es zulässt, solle der Turm wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – und geplant sei ein großes Fest zu Ehren des Bismarckturms, im Spätsommer, so hofft der Bürgermeister.
 

Und die Begeisterung des Lütjenburger Bürgermeisters scheint die der LütjenburgerInnen wider zu spiegeln: „Oh wie schön, er ist ja wieder da“, strahlt eine Lütjenburgerin, die unterhalb des Turmes mit ihren Hunden spazierengeht und erzählt, dass sie den Turm von ihrer Wohnung aus sehen kann, er ja aber so lange verhüllt gewesen sei. Aber jetzt sei er wieder da – und dann auch noch so schön: „Ich freu mich.“


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