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Spenden für eine Art Friedensmission

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Foto: L. Schneider

Kreis Plön (los). Die jährliche Haus- und Straßensammlung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) beginnt am kommenden Freitag, 28. Oktober mit einer Auftakt-Spendensammlung in der Kreisstadt Plön. Für die Unterstützung der Arbeit dieser Organisation werben der Vorsitzende des Volksbund-Kreisverbands Peter Sönnichsen und dessen Geschäftsführer Lars Bauer. Ebenso beim Auftakt dabei sind Kreispräsident Stefan Leyk, Plöns Bürgervorsteherin Mechtilde Gräfin Waldersee und Bürgermeister Lars Winter sowie der Kommandeur der Marineunteroffizierschule (MUS), Kapitän zur See Klaus Heermeier. Als weitere „Sammler“ im Boot sind auch Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 61 (FlaRakGrp 61) in Todendorf unter der Regie von Stabsfeldwebel Holger Seidler. Für Preetz und Umland organisiert Jürgen Spill als Beauftragter des Volksbund für die Zusammenarbeit mit den sich engagierenden Reservistenverbänden die Spendensammlung, die am 29. Oktober auf dem Markt beginnt.

 


Das ehrende Gedenken aller Menschen, die in den Kriegen ihr Leben verloren haben, nicht zuletzt auch der auseinandergerissenen Familien und ihre Schicksale, sei die Triebfeder der Arbeit des VDK, erklärt Peter Sönnichsen. Diese erfordere auch eine weitreichende Zusammenarbeit im Ausland, wo sich die Kriegsgräber befinden. „Im Großen und Ganzen sind wir die größte Friedensbewegung, die es gibt“, betont Sönnichsen. Erhalt und Pflege der Kriegsgräber seien jedoch ohne Mittel und Manpower nicht zu leisten. „Noch immer werden Umbettungen vorgenommen“, berichtet Peter Sönnichsen von der Arbeit des VDK im Ausland. Bis vor dem Angriff Russlands seien insbesondere auch in der Ukraine viele solcher Einsätze erfolgt.
Nicht nur dort, wo etwa Neubaugebiete erschlossen würden, habe es Hinweise auf Tote sowie auch Zufallsfunde gegeben. An solchen Stellen nach jahrzehntelang verborgenen Gräberreihen und immer noch vermissten Toten zu suchen, zähle zu den großen Aufgaben des VDK. Hierbei sei die Vorarbeit und Koordinierung durch die „Hauptamtlichen“ des Volksbundes vor Ort von Bedeutung. Denn nur mit Einsatz moderner Geräte sei es an potenziellen Fundplätzen möglich „herauszufinden, dass was im Boden ist“. Eine genaue Lokalisierung gehe der anschließenden Umbettung der Toten voraus, wobei die technischen Möglichkeiten diese mühselige Ermittlung heutzutage erleichtere. Aktuell haben diese Arbeiten in der Ukraine aufgrund des Angriffskriegs jedoch eingestellt werden müssen.

 


Ebenso wurde ein estnischer Soldatenfriedhof in der Partnergemeinde des Kreises Plön Rakvere mit betreut, da deutsche Soldaten dort begraben liegen, weiß Peter Sönnichsen, der bis 2018 das Amt des Plöner Kreispräsidenten hatte. Diese Betreuung leisteten Soldaten der Bundeswehr, „die von hier zum Arbeitseinsatz kommen“, erläutert Sönnichsen. „Solange es die Lütjenburger Bundeswehr noch gab, sind die Soldaten regelmäßig rübergeflogen“, berichtet er. „Der Landesverband kann nur dafür sorgen, dass Geld rein kommt und die Kooperation gepflegt wird, damit es zu Arbeitseinsätzen kommt.“ Neben den Soldaten engagiere sich auch die Reservistenkameradschaft als Verband ehemaliger Soldaten.
Hintergrund für diese Auslandseinsätze sei ein gesetzlicher Auftrag, erläutert Sönnichsen: „Der Bund hat die Aufgabe dem Volksbund übertragen.“ Dabei würden 40 Prozent der Kosten vom auswärtigen Amt gezahlt. Der Rest müsse durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert werden.

 


Dass die Kriegsgräberfürsorge manchem besonders am Herzen liege, zeige sich vor allem im Norden: „Derzeit haben wir in Schleswig-Holstein immer mehr Nachlässe, auch mit höheren Beträgen, zu verzeichnen.“ Letztlich ist die Summe aller Spenden von Bedeutung. Und so wird die Sammelaktion im gemeinsamen Schulterschluss über mehrere Wochen bis 26. November im Plöner und zum Teil im Segeberger Kreisgebiet gemäß der Verantwortungsbereiche der Bundeswehr sowie der Reservistenkameradschaft fortgesetzt. Für ihre konzertierte Sammelwoche im Zeitraum 7. Bis 11. November wirbt die FlaRakGrp 61 mit einer „VIP-Sammlung“ am kommenden Dienstag, 1. November in Lütjenburg. In der Aktionswoche werden die Todendorfer Soldaten in Schönberg, Höhe Fußgängerzone bei Edeka Alpen, für den guten Zweck für Spenden werben, kündigt Stabsfeldwebel Holger Seidler an. Zudem würden die zugeordneten Staffeln von zwei bis vier Soldaten im Verantwortungsbereich der Bundeswehr in Todendorf in sämtlichen Orten von Laboe bis Blekendorf, Hohenfelde bis Marienwarder sowie Howacht bis Hohensasel Spenden sammeln und Flugblätter verteilen. Die Flyer ermöglichten die bargeldlose Unterstützung, indem die Spender mit ihrem Smartphone das darauf befindliche QR Code-Feld erfassen, so Seidler.

 


Auch Soldaten der MUS werden im Monat November für die Sammlung im Einsatz sein und ein großes Gebiet abfahren. So finden weitere Haus- und Straßensammlungen in Plön, Schwentinental, Ascheberg und Wankendorf statt, kündigt Peter Sönnichsen an. Da der Standort Plön der Bundeswehr auch Teile des Kreises Segeberg umfasse, seien die Soldaten der MUS für den guten Zweck nicht nur in Plön, Schwentinental, Ascheberg und Wankendorf, sondern auch in Bornhöved, Trappenkamp, Boostedt und Bad Bramstedt unterwegs. Stabsfeldwebel Lars Bauer organisiere als Standortfeldwebel die Sammlungen und die Koordination mit den Partnern. Auch Jürgen Spill, im Volksbund Beauftragter für die Zusammenarbeit mit den Reservistenverbänden, koordiniere die Sammlungen im Gebiet Preetz, teilweise über die Kreisgrenzen hinaus.

 


Im vergangenen Jahr konnte der VDK Landesverband Schleswig-Holstein als Ergebnis der Haus- und Straßensammlung 172.000 Euro verzeichnen (Corona-Jahr 2020: 62.000 Euro; 2019: 200.000 Euro).

 


Der Kreisverband Plön sammelte 2021 eine Summe von 29.926,85 Euro ein. Davon entfallen auf die Auftaktsammlung in Plön rund 740 Euro, auf Preetz und Umgebung (für vier Wochen) rund 3.180 Euro, auf Todendorf und Umgebung rund 6.720 Euro. In dem Gesamtbetrag sind einige Spenden enthalten, die von den Kommunen traditionell überwiesen sowie von Kirchengemeinden als Kollekte erhoben werden.

 


Da die versiegelten Sammeldosen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Anlässen eingesetzt und zentral geöffnet werden, sind Teilergebnisse nicht vollständig erfassbar. Der Standortbereich der Bundeswehr reicht in den Kreis Segeberg, so dass auch dortige Sammlungen enthalten sind. Ebenso ist die Reservistenkameradschaft außerhalb des Kreises Plön zu Sammlungen unterwegs. Die Mitglieder des Kreisverbandes übernehmen Bereiche in ihrem unmittelbaren Umfeld.

 



Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.


- wurde 1919 als „Bürgerinitiative“ gegründet
- ist ein gemeinnütziger Verein mit humanitärem Auftrag
- handelt im Auftrag der Bundesregierung, denn Kriegsgräberfürsorge ist grundsätzlich eine staatliche Aufgabe
- erfasst, erhält und pflegt Gräber von Opfern von Krieg und Gewalt im Ausland
- pflegt zurzeit etwa 2,8 Millionen Kriegsgräber auf 832 Friedhöfen weltweit
- hilft bei der Erhaltung der Kriegsgräber in Deutschland
- hilft Angehörigen und Nachkommen bei der Suche nach Gräbern und der Klärung von Kriegsschicksalen
- veranstaltet Workcamps und führt junge Menschen an Kriegsgräbern zusammen
- leistet Jugend-, Schul- und Bildungsaufgaben in Schulen und Jugendbegegnungsstätten
- unterstützt Friedensbeziehungen
- finanziert seine Aufgaben zu 60 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden


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