Reporter Eutin

Starke Formen, besondere Blickfänge

Bilder

Wittmoldt (los). Gut Wittmoldt hat künstlerisch-kulturell aufgestockt: Seit Kurzem sind die vier Apokalyptischen Reiter des tschechischen Bildhauers und Hochschullehrers Jan Koblasa (* 1932, † 2017) ein neuer Blickfang im Skulpturenpfad „Seeweg“ auf der Halbinsel. Und auch die Sommerausstellung Sichten mit Arbeiten von Annabelle Fürstenau und janKB im Gutshaus verspricht eine Bandbreite ungewöhnlicher Eindrücke. Sie wird am kommenden Sonntag, 20. Juni eröffnet. Dialogführungen von Juli bis Oktober ergänzen das Angebot, sich hier in eine schöpferische Welt im historischen Ambiente zu vertiefen. Kuratorin Angeline Schube-Focke vom Kulturverein Seeweg Gut Wittmoldt hat das Konzept dazu entwickelt und freut sich, dass Koblasas Skulpturen als Dauerleihgabe an diesem Ort im kleinen Plöner See nun bleiben dürfen. Wer in dem Buchenwäldchen unterwegs ist, kann unter dem Eindruck des rauschenden Blätterdachs und veränderlichen Licht-Schatten-Spiels die Dynamik der wie bewegt geformten Statuen wahrnehmen. Dabei sind alle vier nur einige Meter voneinander entfernt und stehen dabei deutlich in Beziehungen zueinander. Uwe Gripp, Künstler aus Damendorf bei Eckernförde, hat an Transport und Aufbau mitgewirkt. Nicht von ungefähr, sind die Apokalyptischen Reiter in einem wesentlichen Arbeitsschritt auch sein Werk: „Ich hatte vor ein paar Jahren von Jan Koblasa den Auftrag erhalten, die Skulpturen in Metall zu übertragen“, erzählt er. Denn die Originale hatte Koblasa 1988 aus Holz gefertigt. Sie dienten Gripp, der als Assistent des Künstlers arbeitete, bei dem er auch studiert hat, als Prototypen für die Übertragung der Formen in Stahlblech als haltbarem Material. „Alle Holzskulpturen hatten von vornherein Stahlteile als Verbindungsstücke zwischen den Teilen“, erzählt Gripp. Diese waren so fest miteinander verschraubt und in Position gebracht. Was Koblasa „geritten“ hat, die Apokalyptischen Vier quasi neu in Form zu gießen, weiß er aus erster Hand: „Im Außenbereich ist Holz aber nicht so dauerhaft, daher wollte Jan Koblasa die Ausführung aus Metall“, berichtet er. Gripp arbeitet als Bildhauer häufig mit Stein. Vieles entsteht in seiner Werkstatt aber auch aus Metall, erzählt er. Die Umsetzung in Stahlblech habe er 2014 fertig gestellt. Durch die enge Verbindung zu den Werkstücken konnte Gripp seine Expertise in den Ab- und Wiederaufbau der zerlegten Skulpturengruppe einbringen.

Zuletzt hatten die Apokalyptischen Reiter in Büdelsdorf gestanden, wo sie nach ihrer Ausstellungszeit auf der Nordart vor einiger Zeit ausgemustert worden waren. Jetzt können die ausdruckstarken Gebilde erneut ihr Potenzial entfalten – vielleicht sogar besser als zuvor: „Sie stehen sehr gut“, findet Gripp, „ganz anders als in Büdelsdorf auf dem Ausstellungsgelände, das extra dafür hergerichtet worden ist.“ Die unmittelbare Nachbarschaft zu anderen Ausstellungsstücken entfällt. „Frei stehend kommen sie besser zur Geltung“, verdeutlicht Gripp den Effekt dieser Inszenierung am Seeweg. Hierfür war das Einverständnis der Ehefrau und Erbin Sonja Koblasa Voraussetzung gewesen. Ein Treffen vor Ort schuf Fakten. Anfang Juni sind die Kunstwerke umgezogen, neu zusammengefügt und für die etwas abenteuerliche Positionierung im waldigen Gelände mit einem Frontlader an den Haken genommen worden. Damit ist ein erster Schritt in der Weiterentwicklung des Seewegs getan. „Langfristiges Ziel ist es, mehr und andere Skulpturen aufzustellen“, berichtet Angeline Schube-Focke. Dass die neuen Objekte in ihrer Art zum vorhandenen Umfeld passen, sei dabei Vorgabe. Bisher prägen die Arbeiten von Bernhard G. Lehmann den Seeweg.
Die Einweihung der Apokalyptischen Reiter auf der Halbinsel erfolgt im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 20. Juni (14 bis 16 Uhr) auf Gut Wittmoldt. Zu einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kulturvereins Wilfried Hauke ist auch die Hamburger Künstlerin Sonja Koblasa bei der Veranstaltung dabei. Kunsthistorikerin Angeline Schube-Focke gibt eine Einführung in die Bilderausstellung. Zu sehen sind fotografische Stillleben und Landschaften. Die Künstler Annabelle Fürstenau und janKB arbeiten eng am Thema Natur, doch der Output erscheint gegensätzlich. Beide studierten an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und arbeiten als freie Fotografen. Die Weite einer Halliglandschaft findet sich ebenso im Spektrum der Aufnahmen wie das malerische Innenleben einer historischen Kartoffelsorte oder der hinterlassene Müll einer Wegwerfgesellschaft, der im Grün kontrastreich hervorsticht, so wie ihn janKB entdeckt und vor die Linse bekommen hat.
Die Ausstellung Sichten kann am 3. Juli und 1. August (jeweils mit Dialogführung) von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden, am 12. August von 18 bis 20 Uhr, am 22. und 29. August (jeweils mit Dialogführung) von 15 bis 17 Uhr, am 15. und 30. September (30.9. mit Dialogführung) sowie am 7. Oktober von 18 bis 20 Uhr und am 24. und 31. Oktober (31.10. mit Dialogführung) von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden.
Führungen durch die Ausstellung beginnen um 15 Uhr. Optional folgt ein Rundgang durch den Skulpturenpark. Eintritt: 5 Euro, mit Führung 10 Euro.
Alternative Termine können unter 0151-46 56 49 99 vereinbart werden.


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