Reporter Timmendorf

380-kV-Trasse: Gemeinde Ratekau fordert Fortführung des Bürgerdialogs von 2015

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Auf Unverständnis stößt bei Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller die Entscheidung, sich nicht mehr an die Ergebnisse des Bürgerdialogverfahrens von 2015 zu halten. Er fordert das Aussetzen der Planungen und eine Wiederaufnahme der Gespräche. Einwohner der Gemeinde können mit ihrer Unterschrift ihren Teil dazu beitragen.

Auf Unverständnis stößt bei Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller die Entscheidung, sich nicht mehr an die Ergebnisse des Bürgerdialogverfahrens von 2015 zu halten. Er fordert das Aussetzen der Planungen und eine Wiederaufnahme der Gespräche. Einwohner der Gemeinde können mit ihrer Unterschrift ihren Teil dazu beitragen.

Foto: Stefan Setje-Eilers

Ratekau. Mit den geplanten Leitungen von Siems (Lübeck) nach Pohnsdorf und von Pohnsdorf nach Göhl (Oldenburg in Holstein) ist die Gemeinde Ratekau gleich zweifach betroffen, wenn die Planungen zum Bau der 380 kV-Höchstspannungsleitungen umgesetzt werden.

Besonders bitter allerdings: Erst vor wenigen Wochen hat die TennneT quasi aus dem Nichts mitgeteilt, dass die Planungen sich nicht mehr an den Ergebnissen orientieren, die das Bürgerdialogverfahren von 2015 hervorgebracht hat und das seinerzeit mit den ermittelten Vorzugsvarianten vom Umweltministerium als großer Erfolg gewertet wurde.

Die TenneT ist als Stromnetzbetreiber von der Bundesnetzagentur damit beauftragt, den Netzentwicklungsplan zur sogenannten „Ostküstenleitung“ als 380-kV-Höchstspannungsleitung umzusetzen.

Im Bürgerdialogverfahen waren Trassenverläufe herausgearbeitet worden, von denen zwar ebenfalls Anwohner von den 65 Meter hohen und bis zu 40 Meter breiten Masten (zum Vergleich: Ratekaus Feldsteinkirche ist 48 Meter hoch) betroffen gewesen wären, die jedoch insgesamt für alle am verträglichsten gewesen wären.

Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller hat überhaupt kein Verständnis für den überraschenden Kurswechsel der TenneT. Vor allem für den neuen Trassenverlauf, der die Leitung von Pohnsdorf nach Göhl betrifft.

„Hier hat sich die Bewertung nahezu umgekehrt. Eine bislang als nachteilig bewertete Trasse ist nun die Vorzugsvariante“, ärgert er sich. Laut Dialogverfahren war hier geplant, die Leitungen im Hinterland zu errichten. Die Begründungen für diese Planänderung kann er überhaupt nicht nachvollziehen. „Da wird zum einen der Vogelzug genannt, der nun doch anders sein soll, als zunächst ermittelt. Zum anderen spielt auf einmal die Hinterlandanbindung zur Festen Fehrmanbeltquerung eine Rolle“, so Keller. Auch die Aussage, Betroffenheiten bündeln zu wollen und die Höchstspannungsleitung daher entlang der Bundesautobahn zu errichten, stößt bei ihm auf Unverständnis.

„Es gibt in einigen Bereichen Anwohner, die sind schon jetzt von der Autobahn, der Bahn und zum Teil auch noch von Windkraftanlagen betroffen. Und dann soll zusätzlich die 380-kV-Leitung hinzukommen? Da muss man sich doch mal fragen, was man Menschen in der Summe zumuten kann.“

Und ebenfalls ein Rätsel für Ratekaus Bürgermeister ist: „Entlang der Autobahn? Auf der geplanten neuen Trasse von Pansdorf nach Pohnsdorf verläuft gar keine Autobahn.“

Nach Kellers Informationen will TenneT demnächst ins Genehmigungsverfahren einsteigen und noch im ersten Halbjahr 2021 den Antrag auf Planfeststellung einreichen, „und darauf möchten wir nochmals Einfluss nehmen können.“

Allerdings gestaltet sich das derzeit als äußerst schwierig. Mit Nachbargemeinden und dem Kreis Ostholstein hat Ratekau von der TenneT und der Landesregierung transparente Informationen in Fortführung des Bürgerdialogs von 2015 gefordert. Weil das wegen der Pandemie nicht möglich ist, sollte die Planung ausgesetzt und von einer Einreichung des Planfeststellungsverfahrens im ersten Halbjahr 2021 abgesehen werden, fordern die betroffenen Gemeinden und der Kreis. TenneT und Landesregierung lehnen diese Forderung nach Kellers Angaben jedoch ab. Überhaupt gebe es von seiten Landesregierung in Sachen 380 kV-Trasse keinerlei Unterstützung, so Keller weiter, der dazu ergänzt: „Fraglich ist doch schon, ob man im 21. Jahrhundert überhaupt noch Freileitungen braucht. Wir wollen, dass solche Punkte noch einmal diskutiert werden und rufen daher die Einwohner unserer Gemeinde auf, sich mit uns für eine verträglichere Trassenführung und/oder Alternativen zur Erdverkabelung und Stromverwertung am Standort der Erzeugung stark zu machen“.

Gemeinsam mit der Umwelt- und Naturschutzinitiative der Gemeinde Ratekau (UNI) ruft die Gemeinde Ratekau zu einer Unterschriftensammlung auf, mit der eine verträgliche Trassierung, als Alternative die Prüfung von Wasserstofftechnologie am Standort der Stromerzeugung sowie Prüfung der Möglichkeiten der Erdverkabelung auf den Weg gebracht werden sollen.

Neben dem Flyer „Achtung Höchstspannung“, der mit der heutigen Ausgabe unseres Familienwochenblatt „der reporter“ nahezu flächendeckend an alle Haushalte der Gemeinde Ratekau geht, ist auch ein Vordruck für die Unterschriftensammlung mit eingelegt.

Die ausgefüllten Unterschriftenlisten sind bis zum 26. März an die Gemeinde Ratekau, Bäderstraße 19, 23626 Ratekau, oder eingescannt an info@ratekau.de oder uniratekau@gmx.de zu senden.

Ebenso ist es möglich, die „Unterschrift“ digital auf der Homepage der Gemeinde www.ratekau.de abzugeben.


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