Reporter Timmendorf

Asbest in der GGS-Strand Europaschule Timmendorfer Strand: Debatte in der Gemeindevertretung und Stellungnahme der Verwaltung – Labor: Staubproben ohne Asbestfasern

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Timmendorfer Strand. Großes Interesse herrschte am Dienstagabend, dem 17. Dezember, an der Sitzung der Gemeindevertretung: Der Sitzungssaal im Grand Hotel Seeschlösschen in Timmendorfer Strand war mit etwa 100 Besuchern gut gefüllt. Unter den Zuhörern waren Schüler, Eltern und Lehrer, die Antworten zum Asbestfund an der Grund- und Gemeinschaftsschule Timmendorfer Strand haben wollten. Viele von ihnen standen auf, stellten Fragen. Fragen, die ihnen bis jetzt keiner beantwortet hat: Warum hat die Timmendorfer Verwaltung das so lange verschwiegen? Wie groß ist die Gesundheitsgefahr? Wie geht es jetzt weiter an der Schule?


Die Leiterin des Fachbereichs Tourismus, Bauen, Umwelt und Immobilien, Christina Bonken, die erst seit 1. September im Amt ist, und Gutachter Dipl.-Ing. Eberhard Franke, der von der Gemeinde mit der Schadstoffuntersuchung beauftragt wurde, wurden nach einem Dringlichkeitsantrag aller Fraktionen zur Sitzung eingeladen. Bürgermeister Robert Wagner hatte sich am Montag krankgemeldet und war bei der Sitzung nicht anwesend.


Mit ihren Antworten sorgten sowohl Bonken als auch Franke dann jedoch immer wieder für ein Raunen im Publikum. Am Abend kam dann auch heraus, dass die Verwaltung bereits seit dem Frühjahr weiß, dass in der Grund- und Gemeinschaftsschule asbesthaltige Bodenplatten verbaut sind. Man habe aber keine Notwendigkeit gesehen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, da keine Gefahr bestanden habe und immer noch nicht bestehe.


Gleichzeitig berichtete der Gutachter aber auch von mehreren Rissen im belasteten Bodenbelag. Diese Stellen seien zur Sicherheit versiegelt worden. Diese Arbeiten wurden vom Hausmeister und zuletzt von Mitarbeitern des Bauhofs ausgeführt, was zu Kopfschütteln bei den Zuhörern sorgte.


Für viele waren es aber keine Antworten, die die anwesenden Eltern beruhigten, sondern noch mehr verunsicherten.


In einem internen Aktenvermerk steht, dass Gutachter Franke eine umgehende Sanierung der Räume mit asbesthaltigen Platten empfiehlt („der reporter“ berichtete), „da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Platten aufgrund des Alters spröde sind, bei Belastungen beschädigt und Asbestfasern freigesetzt werden können.“ Er legte jedoch keine Dringlichkeitsstufe fest.


In einer gemeinsamen Presseerklärung aller Fraktionen kritisieren die Kommunalpolitiker an der Verwaltungsspitze das „Verkennen der Dringlichkeit, das Zurückhalten von Informationen und das Unterlassen von einleitenden Maßnahmen, die Aufschluss über das Ausmaß einer möglichen Gesundheitsgefährdung von Schülern und Lehrern geben“. Die Gemeindevertreter kritisieren die fehlende Kommunikation der Verwaltung scharf und sind vom Verhalten des Bürgermeisters Wagner in diesem Sachverhalt enttäuscht - „das Vertrauen ist erheblich belastet“.


Gutachter Franke und Bauamtsleiterin Bonke mussten an diesem Abend schließlich den Unmut der Bürger und Politiker über sich ergehen lassen. „Sie bekommen den ganzen Druck ab, der sich eigentlich gegen den Bürgermeister richtet,“ sagte Gemeindevertreter Sven Partheil-Böhnke (FDP) dazu, bevor über ein Beschluss abgestimmt wurde.


Im öffentlichen Teil wurden dann folgende Beschlüsse gefasst:

1. Die Aufklärung einer möglichen Schadstoffbelastung wird mit höchster Priorität durch die Verwaltung behandelt.
2. Die Realisierung von Maßnahmen zur Ermittlung wie zum Beispiel Raumluftmessungen und Untersuchung weiterer Bauelemente (wie Fensterbänke und Lüftungskanäle) sind unverzüglich durchzuführen.
3. Umsetzung der „umgehenden Handlungsempfehlung“ laut Gutachten durch eine zertifizierte Fachfirma.
4. Entwicklung eines Realisierungsablaufs nach Feststellung des genauen IST-Zustandes.
Im nichtöffentlichen Teil wurde beschlossen, dass die Verwaltung beauftragt wird, schnellstmöglich einen Fachplaner zu suchen und zu beauftragen. Ziel ist es, die Maßnahmen zur Beseitigung des schadstoffbelasteten Bodenbelages und der Deckenplatten bis zum Ende der Sommerferien 2020 abzuschließen. Für die Abwicklung der Maßnahme sollen alle Alternativen zur Realisierung geprüft werden. Darüber hinaus ist ein Gutachter für die Erstellung eines Schadstoffkatasters schnellstmöglich zu beauftragen.


Am heutigen Freitag, dem 20. Dezember, hat Bürgermeister Robert Wagner zu einer groß angelegten Pressekonferenz ins Rathaus eingeladen. Dabei kritisierte er die große Berichterstattung und das Verhalten der Politik. „Ich war erstaunt und erschrocken über die Berichterstattung im Fernsehen,“ so Wagner. In seinen einleitenden Worten berichtete der Bürgermeister auch, dass er immer noch nicht die Arbeitsstruktur im Rathaus hat, die er sich wünscht, sei aber froh, dass die Bauamtsleitung wieder besetzt ist.


„Aufgrund meiner Veranlassung wurde eine Schadstoffuntersuchung erst durchgeführt. Das Wohlergehen und die Gesundheit meiner Bürger, insbesondere der Schüler, liegt mir sehr am Herzen. Der zitierte Aktenvermerk von Oktober wurde mir erst am 12. Dezember vorgelegt. Das Stillschweigen wurde von den anwesenden Personen vereinbart und nicht von mir angeordnet,“ so Wagner, der Fehler bei der Kommunikation zwischen Verwaltung und Politik sowie Schule einräumte, was er auch auf Personalmangel in der Verwaltung zurückführte. „Das ist ganz klar unser Versäumnis.“ Dass Versiegelungen von beschädigten Bodenplatten nicht bereits in den Herbstferien durchgeführt worden sind, hätte auch Wagner sehr überrascht.


Kritisiert wurde vor allem, warum nicht schon früher Staubproben genommen oder Raumluftmessungen vorgenommen wurden. „Der beauftragte Gutachter genießt in seiner Glaubwürdigkeit ein großes Vertrauen bei uns,“ so Wagner.


Am 16. Dezember wurden schließlich sogenannte Abklatschproben in drei Räumen der GGS-Strand Europaschule genommen (insgesamt sind 16 Klassenräume betroffen, so Wagner).


Die Auswertung der drei Kontaktproben (Staubproben), die am Freitagnachmittag, dem 20. Dezember, vorlag, ergab auf den untersuchten Proben keinen Fasernachweis des Altstaubes. Am 30. Dezember sollen nun Luftmessungen in der Schule durchgeführt werden. Über das Ergebnis berichten wir, sobald es vorliegt.


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