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Schulprojekt „Dahin wie ein Schatten“: Filmpremiere und Erinnerungsmal für ein jüdisches Geschwisterpaar

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Ratekau/Timmendorfer Strand. Am Dienstag, dem 1. November, fand in der Mensa der Cesar-Klein-Schule (CKS) in Ratekau die Premiere des Films „Dahin wie ein Schatten“ und die Einweihung und Enthüllung des Erinnerungsmals für das jüdische Geschwisterpaar Hanna und Hermann Mecklenburg aus Lübeck statt.

Der 50-minütige Film und die Erinnerungsskulptur sind das Ergebnis eines Kooperationsprojektes der Cesar-Klein-Schule Ratekau und des Ostsee-Gymnasiums Timmendorfer Strand. 20 Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen haben die Ergebnisse des Projektes präsentiert, die sie mit externer Unterstützung und ihren Lehrerinnen und Lehrern erarbeitet haben - und das außerhalb des Schulbetriebes, in ihrer Freizeit und ohne einer Vergütung oder Note.

 



„Ein großes Dankeschön für das Engagement an alle Beteiligten,“ so Dennis Kirk von der Schulleitung der CKS, der unter anderen Ratekaus Bürgervorsteherin Gaby Spiller, Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke und Bürgervorsteherin Anja Evers aus der Gemeinde Timmendorfer Strand, die Schulleiterin des OGTs, Dr. Cordula Braun, und Frau Dr. Klatt von der Gedenkstätte Ahrensbök sowie Dr. Gunnar Meyer vom Bildungsministerium aus Kiel unter den Gästen begrüßen konnte. „Ich freue mich, das Projekt stetig wachsen zu sehen.“

Das Projekt „…dahin wie ein Schatten“ hat zum Ziel, bei Jugendlichen eine Sensibilität für das Erinnern und Gedenken an begangenes Unrecht während der Naziherrschaft zu erreichen. Da es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird, müssen andere Formen des „Wachhaltens“ der Vergangenheit gefunden werden.

 



Das Projekt setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen: Neben der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz gehören auch die konkrete Ausein­andersetzung mit den Biographien jüdischer Familien aus Lübeck im Rahmen eines mehrwöchigen Theaterworkshops und eine Lesung im ehemaligen Wohnhaus der Geschwister Mecklenburg im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zeit des Erinnerns“ dazu. Weitere Bausteine sind die Entwurfsarbeiten in Zusammenarbeit mit dem Lübecker Bildhauer Winni Schaak für konkrete Erinnerungsmahnmale für das jüdische Geschwisterpaar Mecklenburg und die Erstellung eines Filmdokuments des Gesamtprojekts.

Ratekaus Bürgervorsteherin Gaby Spiller sagte in ihrer Rede: „Es ist ein großartiges Projekt, das wir heute wertschätzen. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass zwei Schulen dabei kooperieren. Die begleiteten Lehrer haben sich mit großer Leidenschaft und Engagement verschrieben, dem Vergessen vorzubeugen. Sie haben es gemeinsam mit den Schülern geschafft, die beiden Geschwister aus der Anonymität der Massen zu holen. Ein großer Dank an die Lehrkräfte und Schüler, die sich diesem schweren Thema angenommen haben.“

 



Zu dem Mahnmal, was im Rahmen des Projektes nach dem Entwurf der Schülerin Paula Lücke entstanden ist, sagte Spiller: „Ich bin sehr stolz, dass wir dieses Mahnmal bei uns in Ratekau stehen haben, dessen Aufgabe es ist, an das Geschehene zu erinnern und Ähnlichem vorzubeugen.“

Die Schüler des Kunstprofils der Cesar-Klein-Schule haben aus den drei Schülerentwürfen den Entwurf von Paula Lücke ausgewählt, der jetzt auf dem Schulhof der Cesar-Klein-Schule als Erinnerungsmal steht. Die Schülerin sagt zu „ihrer“ Skulptur, die von Bildhauer Winni Schaak realisiert wurde: „Ich wollte, dass sie so wirkt, wie wir uns in Au­schwitz gefühlt haben - eingedrückt und ängstlich.“

 



Die Kooperation zwischen der Cesar-Klein-Schule in Ratekau und dem Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand zum Thema Erinnerungskultur gibt es inzwischen seit vier Jahren. Die Schüler der beiden Schulen nehmen seither an einer gemeinsamen Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teil. Ausgelöst durch die ersten Fahrten haben die beteiligten Schülerinnen und Schüler zum Thema „Schicksal jüdischer Familien aus Lübeck“ geforscht.

„Dabei haben sie herausgefunden, dass von den vielen jüdischen Mitbürgern mindestens zwölf Menschen in Auschwitz ermordet wurden, darunter vier Jugendliche. Zwei dieser Jugendlichen, das Geschwisterpaar Hanna und Hermann Mecklenburg, hatten bis zu ihrer Flucht nach Belgien in der Mengstraße 52 gelebt,“ berichten die Lehrkräfte Andrea Finke-Schaak (OGT) und Günter Knebel (CKS). „Durch die starke Ausein­andersetzung mit diesen beiden Opfern entstand der Wunsch bei den Jugendlichen, den Opfern ihre Identität zurückzugeben.“

Die beiden Lehrkräfte traten dann an den bekannten Lübecker Bildhauer Winni Schaak heran, ihnen bei der Entwicklung und Realisierung eines Mahnmals für das Geschwisterpaar zu helfen. Der Plan war, drei Erinnerungsmale zu schaffen, je eins für die beteiligten Schulen und eines für die Hansestadt Lübeck. Und das erste, zirka zwei Meter große Erinnerungsmal steht jetzt in Ratekau ...

 



Dr. Gunnar Meyer vom Bildungsministerium sagte: „Ein großer Dank an alle Beteiligten. Das hier Geschaffene ist zur Nachahmung empfohlen!“ Er lobte die verschiedenen Verknüpfungen des Gesamtprojektes. Zum einen die Gedenkstätten-Fahrten entsprechend zu verarbeiten, die historische Recherche und Verarbeitung als Film und in eine Skulptur, aber auch die schul- und gemeindeübergreifende Kooperation.

Andrea Finke-Schaak vom OGT, die das Projekt mit ihrer Kollegin Uta Düppe (CKS) und dem inzwischen pensionierten Lehrer Günter Knebel leitete, berichtete über den langen Verlauf des Projektes: „Corona hat uns mehrmals einen Strich durch die Rechnung gemacht, es war nicht einfach, aber wir haben das Projekt nach 15 Monaten zu Ende gebracht. Wir dürfen das Geschehene nicht vergessen und möchten weiterhin daran erinnern!“
Nach der feierlichen Enthüllung des Erinnerungsmals auf dem Schulhof hielt der ehemalige Schulrat von Ostholstein, Dr. Peter Wendt, eine Laudatio und würdigte das Kunst- und Schulprojekt entsprechend.

 



Im Anschluss überreichten die Schulleitungen der beiden Schulen und Dr. Gunnar Meyer Zertifikate sowie eine DVD des Films an die Teilnehmenden. Die knapp dreistündige Veranstaltung wurde vom Klezmerensemble der Musikhochschule Lübeck musikalisch umrahmt. (rk)


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