Reporter Timmendorf

Thomas Braun – Hüter der historischen Uhr im ehemaligen Bad Schwartauer Amtsgericht

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Bad Schwartau. Aufmerksamen Bad Schwartauern sowie treuen Gästen der Stadt dürfte es schon aufgefallen sein: Die Uhr im Giebel des alten Amtsgerichts, das aktuell als Impfzentrum genutzt wird, schlug in den letzten Tagen nicht mehr so wie sie eigentlich soll. Normalerweise erklingen die Glocken der Uhr jede Viertelstunde – erst einmal, dann zweimal, dann dreimal. Und zur vollen Uhrzeit schlägt sie dann zunächst viermal und dann je nach Uhrzeit ein- bis zwölfmal.

Nachdem die Glockenschläge zur vollen Stunde aber nicht mehr richtig funktionierten, engagierte das Gebäudemanagement der Stadt Bad Schwartau einen versierten Uhrmacher, der die Uhr reparierte. Dass sie seitdem ohne Probleme läuft, ist vor allem Thomas Braun zu verdanken, der die alte Uhr als Uhrenbeauftragter der Stadt wöchentlich zweimal überprüft und aufzieht.

Thomas Braun, der als Hausmeister im Rathaus der Stadt Bad Schwartau tätig ist, übernahm diese Aufgabe zusätzlich zu seinen allgemeinen Hausmeisterpflichten im Jahr 2020, als das ehemalige Amtsgericht in den Besitz der Stadt überging. Jeden Montag und Freitag steigt er im Morgengrauen als erstes die Treppen in das Dachgeschoss des alten Amtsgerichts hinauf und zieht die drei jeweils rund 30 Kilogramm schweren Gewichte in die Höhe. Thomas Braun sagt: „Das filigrane Uhrwerk ist sehr empfindlich. Die Gewichte dürfen nicht zu hoch gezogen werden, da sich ansonsten die Seilwinden verhaken können. Gleichzeitig dürfen die Gewichte aber auch nicht den Boden berühren, da der notwendige Zug auf den Verbindungsschnüren sonst nicht mehr gewährleistet ist.“

Bad Schwartaus Museums- und Kulturmanagerin Judith Ohrtmann hat die Uhr auch schon öfter in Augenschein genommen und ist fasziniert von dem technischen Kulturdenkmal: „Die Uhr funktioniert komplett mechanisch und ist mit seinen vielen Rädchen, Drähten und Seilwinden ein spannendes Relikt aus einer anderen Zeit!“

Die Uhr im Frontspitz des Amtsgerichts war 1909 im Zuge des Baus des Amtsgerichts bei der Firma „Ed. Korfhage & Söhne“ in Auftrag gegeben worden. Die Firma „Ed. Korfhage & Söhne“ existiert seit 1810 und ist heute in der sechsten Generation in Händen der Familie Korfhage. Im Archiv der in Melle im Landkreis Osnabrück ansässigen Firma befindet sich noch heute die in altdeutscher Handschrift verfasste Bestellung der Bad Schwartauer Turmuhr. Die Herstellung der Uhr inklusive Lieferung und Einbau kostete damals 916 Reichsmark.

Die Uhr steht als Teil des alten Amtsgerichts seit 1980 unter Denkmalschutz. Mit ihrem hellen Glockenklang und ihrem vergoldeten Ziffernblatt gibt sie den Bad Schwartauern seit nunmehr 112 Jahren zu verstehen, was das Stündlein geschlagen hat.

Auffällig ist, dass die Zahl 4 des römischen Ziffernblatts als „IIII“ dargestellt wird und nicht wie seit dem späten Mittelalter üblich als „IV“. Die Kulturwissenschaftlerin Judith Ohrtmann erklärt: „Dies ist recht typisch für Turmuhren und auf die optische Symmetrie zurückzuführen. Durch die ‚IIII‘ entsteht ein optisch gleichwertiges Gegengewicht zur gegenüberliegenden ‚VIII‘. Zudem kommen auf diese Weise alle Zahlenarten gleich oft vor - je vier V-, X- und I-Zahlen.“

Thomas Braun ist von der Funktionsfähigkeit des alten Uhrwerks begeistert: „Heute sind solche mechanischen Turmuhrwerke nur noch selten in Betrieb. Dies liegt vor allem an der aufwändigen Wartung und Pflege. Viele dieser alten Uhren wurden umgebaut und funktionieren heute elektronisch oder durch Funk. Da sich unsere Uhr noch im Originalzustand befindet, ist sie etwas ganz Besonderes und ich freue mich, dafür verantwortlich sein zu dürfen.“


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