Gewässerverunreinigung in der Schwartau: Bis zu 5.000 tote Fische
Ratekau/Bad Schwartau. Diesen Moment wird Carsten Dietz wohl nie vergessen. Dietz ist Vorstandsvorsitzender und Gewässerwart des Angelsportvereins Bad Schwartau. Am Samstag, dem 20. Juni 2026, gegen 21 Uhr klingelt sein Telefon. Am Apparat: ein Vereinskollege aus Groß Parin, der gerade seine Joggingrunde im Waldgebiet Riesebusch läuft: „Du, hier an der Au sind ganz viele tote Fische. Und die, die noch leben, verhalten sich ganz komisch. Die springen aus dem Wasser und schnappen am Wasserrand nach Luft.“
Bei Carsten Dietz schrillen umgehend die Alarmglocken. Eilig nimmt er ein Sauertstoffmessgerät, das er in seiner Tätigkeit als Ehrenamtler besitzt, und eine Kiste Selterswasser unter den Arm und macht sich auf den Weg zu der Stelle, die ihm sein Vereinskollege am Telefon beschrieben hat. Im Riesebusch zwischen Ratekau und Groß Parin angekommen, entleert er eine der Seltersflaschen und füllt eine Probe aus der Au in die saubere Flasche, während um ihn herum immer mehr Fische an Land springen. Der Grund wird schnell klar. Laut Messgerät befinden sich gerade einmal 0,5 Milligramm Sauerstoff in der entnommenen Wasserprobe. „Je nach Fischart beginnt der kritische Bereich einer Sauerstoffuntersättigung bei vier schlimmstenfalls drei Milligramm“, berichtet Dietz. Also war ihm klar: „Die Fische zappeln hier herum, weil zu wenig Sauerstoff im Wasser ist.“ Umgehend wurde die Umweltpolizei angefordert, um dem auf den Grund zu gehen – sprich den Verursacher aufindig zu machen.
Dietz fährt zu einer Brücke, die zwischen Pansdorf und Sarkwitz liegt, um hier eine Wasserprobe zu entnehmen. Keine Auffälligkeiten. Zwischenzeitlich hat sich ein weiterer Kollege von ihm auf den Weg gemacht, um in Ratekau Proben zu entnehmen. Auch hier ist alles normal. Man trifft sich also auf halber Strecke – in Hobbersdorf. Und da wird schnell klar: Hier muss der Verursacher sein. Wo genau bleibt aufgrund der zunehmenden Dunkelheit jedoch zunächst weiterhin offen. Die Suche geht am nächsten Morgen weiter.
„Und da haben wir im Bereich der Hobbersdorfer Mühle auch tatsächlich eine Einleitung entdeckt. Ich konnte die Stelle eindeutig identifizeren“, beschreibt Dietz. Als vermeintlicher Verursacher wurde ein hier ansässiger Futtermittelgroßhändller ausgemacht.
Der Fall wurde der Umweltpolizei gemeldet und an die Kripo Bad Schwartau übergeben. Laut Dietz konnten die Beamten in den Räumlichkeiten der Mühle auf dem Boden eine Flüssigkeit entdecken, die von dort über einen Abfluss in die Schwartau lief. Mindestens zwei dieser Abflüsse habe er selbst gesehen, so Dietz. Bei der Flüssigkeit handelte es sich um Zuckerrübenmelasse, die dem Wasser Sauerstoff entzieht. „Um diese aus den Räumlichkeiten zu entfernen, wurde vermutlich mit Wasser nachgespült, was die Verbreitung in der Au noch beschleunigte“, erklärt Dietz.“
Der Angelsportverein arbeitet seit vielen Jahren daran, dass sich der Fischbestand in der Schwartau erholt. Mit dem Wiederansiedeln der Meeresforelle schienen sich erste Erfolge abzuzeichnen – nicht zuletzt, weil die Schwartau erst kürzlich zwischen Hobbersdorf und Groß Parin für rund 4,5 Millionen Euro renaturiert wurde. Und vor wenigen Wochen wurden 10.000 Elritze hier ausgesetzt.
Etwas Hoffnung machen Dietz die Totarme der Schwartau, die nicht vom Fließgewässer betroffen sind und in die sich einige der Fische zurückziehen konnten.
Insgesamt aber sollen rund drei Kilometer des Fließgewässers von dem Sauterstoffausfall betroffen gewesen sein. Alles in allem schätzt Dietz die Anzahl der toten Fische auf rund 5.000. „Auf alle Fälle ist es für mich als Angelsportler das Schlimmste, was ich je erlebt habe.“
Die Kripo Bad Schwartau ermittelt, wie die Flüssigkeit in die Schwartau gelangen konnte. (SE)