Reporter Timmendorf

Richtfest am Lilienberg: In Pansdorf entstehen 32 neue Wohneinheiten

Pansdorf. Wo vor gut einem Jahr noch Planungen und Erdarbeiten das Bild bestimmten, nimmt ein neues Wohnprojekt inzwischen deutlich Gestalt an: Am vergangenen Mittwoch feierte die Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein (Wobau OH) Richtfest für den zweiten Bauabschnitt am Lilienberg in Pansdorf. Mit 31 regulären Wohnungen, einer Gästewohnung und einem großzügigen Gemeinschaftstreff soll hier ein Wohnangebot entstehen, das bezahlbares Wohnen mit Nachbarschaft und Gemeinschaft verbindet.

„In Berlin heet dat hüüt Bauturbo, wi seggt dor in Oostholsteen bloots: Wat mutt, dat mutt – un denn wart dat maakt“, eröffnete Wobau-Geschäftsführer Fabian Weist das Richtfest mit einem Augenzwinkern. Dahinter stehe allerdings eine ernste Aufgabe: Ostholstein müsse auch künftig für Familien, Beschäftigte, ältere Menschen und junge Leute ein Ort bleiben, an dem sie nicht nur gerne leben, sondern sich das Wohnen auch leisten können.

Mit dem zweiten Bauabschnitt wird die Neugestaltung des Wobau-Quartiers am Lilienberg abgeschlossen. Bereits im ersten Bauabschnitt am Lilienberg 7 bis 9 entstanden zwei Häuser mit jeweils zwölf Wohnungen. Nun kommen am Lilienberg 11 weitere 32 Wohneinheiten hinzu.
Dabei soll es nicht allein um zusätzlichen Wohnraum gehen. Das Konzept steht unter dem Motto „Jeder für sich – aber keiner allein“. Eine Gästewohnung ermöglicht es den künftigen Bewohnern, Angehörige oder Freunde direkt im Haus unterzubringen. Herzstück des gemeinschaftlichen Konzepts ist ein großer Treffpunkt mit Lounge-Charakter. Er soll Raum für Gespräche, Veranstaltungen, gemeinsame Aktivitäten oder einfach eine Tasse Kaffee mit den Nachbarn bieten.

„Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit und soziale Isolation zunehmend zu gesellschaftlichen Herausforderungen werden, ist dieser gemeinschaftliche Ansatz besonders wichtig“, sagte Weist. Gute Wohnungsbaupolitik bedeute nicht nur, ein Dach über dem Kopf zu schaffen, sondern auch Nachbarschaften und Lebensräume zu gestalten.
Auch Ratekaus neu gewählter Bürgermeister Dennis Jaacks unterstrich die Bedeutung des Projekts für die Gemeinde. Das Mehrgenerationenhaus sei „beispielhaft für eine zukunftsorientierte Ortsentwicklung“. Es gehe darum, Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld zu ermöglichen. Besonders der Gemeinschaftsbereich biete die Chance, Nachbarschaft aktiv zu gestalten und persönliche Begegnungen zu fördern.

Die Wohnungen werden zwischen rund 55 und 100 Quadratmeter groß und mit Einbauküchen, Aufzügen sowie barrierearmen beziehungsweise barrierefreien Ausstattungsmerkmalen geplant. Stellplätze können in den Außenanlagen angemietet werden, zudem sind Lademöglichkeiten für Elektroautos vorgesehen.
Ein Teil der Wohnungen entsteht im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung. Nach Angaben von Bürgermeister Jaacks handelt es sich um zehn Wohnungen – jeweils fünf im ersten und fünf im zweiten Förderweg. Für die geförderten Wohnungen nannte Weist Kaltmieten zwischen 6,80 und 8,50 Euro je Quadratmeter. Im frei finanzierten Bereich sollen es rund 14 Euro pro Quadratmeter sein.
Auch energetisch setzt die Wobau auf einen hohen Standard. Das Gebäude wird im KfW-40-Standard errichtet, die Wärme soll aus einem Solarthermiepark des Zweckverbandes Ostholstein kommen. Die Dächer werden begrünt, zusätzlich erhält ein Teil der Südwestfassade im Eingangsbereich eine Begrünung. Diese soll unter anderem die Aufheizung des Gebäudes reduzieren, das Mikroklima verbessern und einen Beitrag zur Biodiversität leisten.

Für Weist zeigt das Projekt zugleich, unter welchen Bedingungen kommunale Wohnungsunternehmen derzeit bauen müssen. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie steigende Anforderungen und nicht immer verlässliche Förderbedingungen machten die Schaffung bezahlbaren Wohnraums zunehmend schwierig. Den häufig beschworenen „Bauturbo“ kommentierte er mit einem weiteren norddeutschen Bild: Nur weil man „Turbo“ auf einen Trecker schreibe, wachse das Korn schließlich nicht schneller. Für mehr Wohnungsbau brauche es vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbare Standards und eine langfristige Förderung.
Auch Landrat und Wobau-Aufsichtsratsvorsitzender Timo Gaarz (CDU) hob die gesellschaftliche Bedeutung des kommunalen Wohnungsbaus hervor. „Kommunaler Wohnungsbau ist weit mehr als ein Wirtschaftsgut – es ist ein Sozialgut, es ist Daseinsvorsorge, es schafft Sicherheit, ermöglicht Familienleben, gibt Menschen Heimat und ist eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt“, erklärte Gaarz.

Bis zum Richtfest ging es vergleichsweise zügig voran. Für das Vorhaben war zunächst die dritte Änderung des Bebauungsplans Nr. 69 erforderlich. Der Aufstellungsbeschluss erfolgte nach Angaben von Bürgermeister Jaacks im April 2024, bereits im Dezember desselben Jahres trat der geänderte Bebauungsplan in Kraft. Im Juni 2025 begannen die Erdarbeiten.
Besonderen Dank richteten die Redner deshalb an die beteiligten Planer und Handwerksbetriebe. Weist hob unter anderem die Architekten Heske und Hochgürtel, das Planungsbüro IMR, die beteiligten Statiker sowie die Firma Poggensee für das Maurerhauptgewerk hervor. Auch Mitarbeiter des eigenen Wobau-Regiebetriebes waren bei Erd- und Sielbauarbeiten im Einsatz. Erfreulich sei zudem, dass die bisherigen Arbeiten nach Kenntnis der Wobau unfallfrei verlaufen seien.
Die Investition ist beträchtlich: Für den zweiten Bauabschnitt wendet die Wobau nach Angaben ihres Geschäftsführers mehr als zehn Millionen Euro auf. Zusammen mit dem bereits fertiggestellten ersten Abschnitt liegt das Investitionsvolumen für die Neugestaltung des Quartiers bei mehr als 17 Millionen Euro.
Wenn alles weiter nach Plan läuft, soll das Haus im Frühjahr 2027 bezogen werden. Einige der künftigen Mieter waren bereits beim Richtfest dabei.

Ihnen gab Weist einen Wunsch mit auf den Weg: Am Lilienberg solle eine lebendige Hausgemeinschaft entstehen, in der das Motto des Projekts nicht nur an der Wand stehe, sondern tatsächlich gelebt werde: „Jeder für sich – aber keiner allein.“ (rk)


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