Abteilung „Kirchliche Friedhöfe Ostholstein“ seit Januar aktiv

Reporter Eutin 20
Georgy Palathunkal, stellvertretender Verwaltungsleiter des Kirchenkreises Ostholstein, und Steffen Wiedemann, Abteilungsleiter „Kirchliche Friedhöfe Ostholstein“, sind mit dem Start zufrieden.

Georgy Palathunkal, stellvertretender Verwaltungsleiter des Kirchenkreises Ostholstein, und Steffen Wiedemann, Abteilungsleiter „Kirchliche Friedhöfe Ostholstein“, sind mit dem Start zufrieden.

Bild: A. Jabs

Eutin (aj). Friedhöfe im Rahmen einer Trägerschaft gemeinschaftlich bewirtschaften, um zukunftsfähig zu bleiben – dieses Konzept wurde seit 2016 ausgiebig und durchaus kontrovers in den Gremien von Kirchengemeinden und Kirchenkreis diskutiert. Im vergangenen Sommer fällte die Synode dazu den entsprechenden Beschluss und jetzt werden praktische Erfahrungen gesammelt: Seit Januar ist die Abteilung „Kirchliche Friedhöfe Ostholstein“ (KFO) Kirchenkreises Ostholstein aktiv, um zunächst innerhalb eines Pilotprojektes den neuen Weg gangbar zu machen. Für die Friedhöfe der Kirchengemeinden von Eutin, Neustadt, Malente, Schönwalde und Oldenburg wird getestet, was später allen Friedhöfen des Kirchenkreises offenstehen soll. 

Drei Köpfe stark ist die neue Abteilung: Kerstin Duy und Ingrid Usinger sind als erfahrene Sachbearbeiterinnen an Bord, die Leitung liegt in den Händen von Steffen Wiedemann. Sein Name hat vor allem in Eutin einen guten Klang. In seiner Funktion als Friedhofsverwalter konnte Wiedemann in den vergangenen Jahren Akzente setzen: „Er bringt die Expertise mit, versteht sich auf Mitarbeiterführung und Friedhofsgestaltung“, erklärt Georgy Palathunkal. Der stellvertretende Verwaltungsleiter des Kirchenkreises ist zum Ortstermin auf den Eutiner Friedhof gekommen, um im Gespräch mit dem reporter unter anderem darzulegen, was sich im Zuge der Neu-Organisation für die Menschen ändern wird, die hier ihre Lieben betrauern und selbst ihre letzte Ruhestätte finden wollen. Viele von ihnen werden erleichtert sein zu erfahren, dass Nutzung und Aufenthaltserlebnis im wesentlichen bestehen bleiben: „Die Friedhöfe sollen weiterhin ein Ort des gelebten christlichen Glaubens sein“, betont Georgy Palathunkal. Für die Gestaltung des pastoralen Lebens durch Trauergottesdienste, aber auch Veranstaltungen wie Feste und Führungen bleiben die jeweiligen Kirchengemeinden maßgeblich. Im operativen und wirtschaftlichen Bereich erfahren sie eine konkrete Entlastung: „Für den Kirchengemeinderat fällt der Friedhof weg, es gibt keinen Friedhofsausschuss mehr“, erläutert Steffen Wiedemann. 

Er steckt derzeit in einer umfassenden Bestandsaufnahme. Die 21 Mitarbeitenden der fünf Friedhöfe sind alle übernommen worden, an jedem Standort ist ein Leiter präsent. Die Zusammenlegung bringe viele Vorteile, so Wiedemann: „In Urlaubszeiten oder bei anderen personellen Engpässen können die Mitarbeiter auch auf den anderen Friedhöfen eingesetzt werden“, führt er aus. Bestellungen von Pflanzen, Saatgut, Werkzeug und Ausrüstung laufen gebündelt effizienter und kostengünstiger: „Dasselbe gilt für den Baumgutachter und für spezielle Ausstattung wie Messgeräte zur Standsicherheit“, so Wiedemann. Für die Zukunft sei geplant, den Fuhrpark zu zentralisieren.

Die Umstellung auf den gemeinsamen Betrieb birgt natürlich auch Herausforderungen: „Wir operieren ja an einem System, das weiterhin arbeitet“, so beschreibt es Georgy Palathunkal, der mit der Arbeit der neuen Abteilung schon jetzt sehr zufrieden ist. Angesichts seit Jahren rückläufiger Steuersummen und einer „Verringerung der Seelenzahlen“ hätten Gutachten die Zentralisierung und Professionalisierung als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit ergeben. Die wirtschaftliche Situation ist zudem auch durch eine sich wandelnde Bestattungskultur alles andere als rosig. Erdbestattungen gehen zurück, Friedwälder und Seebestattungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Und mit schwindenden Mitgliedern fehlt es in den Gremien zunehmend an ehrenamtlichem und hauptamtlichem Personal. 

Dabei ist gerade jetzt ein starker Auftritt gefragt, wenn es darum geht mit den Kommunen zu verhandeln. Bestattungen fallen in die kommunale Zuständigkeit, da es in Ostholstein keine kommunalen Friedhöfe gibt, übernehmen die kirchlichen Friedhöfe diese Aufgabe. Vor dem Hintergrund fehlender Mittel wird von den Kommunen ein finanzieller Ausgleich erwartet: „Voraussetzung ist, dass die kirchlichen Träger nachweisen, dass sie zuvor alle zumutbaren Kostendeckungsmöglichkeiten ausgeschöpft haben“, erklärt Marco Heinen, Pressesprecher des Kirchenkreises. Es ist also erwartbar Verhandlungsgeschick, Geduld und Sachkenntnis gefragt, wenn es darum geht, die Kommunen in die Pflicht zu nehmen. Auch hier soll die neue Fachabteilung punkten. 

Die KFO stehen ganz am Anfang, das Ziel ist klar formuliert: Bestenfalls sind mittelfristig alle 30 Friedhöfe des Kirchenkreises mit im Boot. Dafür wolle man auf die Gemeinden zugehen, mit Taten überzeugen. Denn letztlich gebe es das gemeinsame Interesse, die kirchlichen Friedhöfe zu erhalten: „Wir stehen in einem Wettbewerb, da ist es sinnvoll, mit dem, was wir haben, auch nach außen geschlossen aufzutreten“, sagt Georgy Palathunkal. Dafür, dass eine solche Umgestaltung durchaus gut funktionieren kann, gibt es das Beispiel „Kitawerk“. „Wichtig ist, dass die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden erhalten bleibt“, merkt Steffen Wiedemann an, der genau daran arbeiten will. Ihn selbst findet man weiterhin regelmäßig dort, wo seine Friedhofs-Laufbahn begonnen hat: im Büro auf dem Eutiner Friedhof.