Aus der Eutiner Festspiele - Eutiner Stadtvertretung äußert sich in gemeinsamen Pressegespräch

Reporter Eutin 31
Die Fraktionschefs (v.l.) Matthias Rachfahl (CDU), Monika Obieray (Grüne), Marius Winkler (FDP), Sonja Wirges (Freie Wähler) und Uwe Tewes (SPD) nahmen am Sonnabend Stellung zur Causa „Eutiner Festspiele“. Foto: Graap

Die Fraktionschefs (v.l.) Matthias Rachfahl (CDU), Monika Obieray (Grüne), Marius Winkler (FDP), Sonja Wirges (Freie Wähler) und Uwe Tewes (SPD) nahmen am Sonnabend Stellung zur Causa „Eutiner Festspiele“. Foto: Graap

Bild: V. Graap

Eutin (vg). Am Sonnabend haben sich die Vorsitzenden der Fraktionen in der Eutiner Stadtvertretung zum verkündeten Aus der Eutiner Festspiele in einem gemeinsamen Pressegespräch geäußert. „Auch wir sind von der Entscheidung überrascht worden“, sagte CDU-Fraktionschef Matthias Rachfahl. Es gebe eine gemeinsame Haltung der Fraktionen und zwei Botschaften: „Wir waren und sind uns einig, dass die Festspiele für Eutin wichtig sind. Sie gehören zur Stadt. Unsere oberste Priorität war immer, den Weiterbestand zu sichern! Nur über das Wie wurde gerungen. Wir begrüßen, dass sich jetzt das Land eingeschaltet hat.“ Botschaft Nummer zwei: „Die Stadtvertretung muss in Gänze einbezogen werden, weil die Runde, die die Gespräche geführt hat, kein Mandat für Entscheidungen hatte. Auf Wunsch des Festspiel-Geschäftsführers Falk Herzog hatten wir uns zur strikten Verschwiegenheit verpflichtet. Aber der Prozess um die zukünftigen Strukturen einer Festspiel-Gesellschaft muss offen und transparent gestaltet werden“, so Rachfahl. Die Kommunalpolitik werde sich weiterhin aktiv am Prozess des Fortbestehens der Festspiele beteiligen.

Auch Grünen-Chefin Monika Obieray betonte: „Wir alle sind sehr enttäuscht. Die Absage wäre nicht nötig gewesen, wir hätten einen Weg finden können.“ Und FDP-Fraktionschef Marius Winkler fügt hinzu: „Aber es muss ein auch für die Stadt verantwortungsvoller und rechtssicherer Weg des Übergangs sein.“ Mit einem gemeinsamen Vorschlag sind die Fraktionsspitzen deshalb in ein weiteres Gespräch mit Herzog gegangen: Demnach sollte die Saison 2026 wie geplant und vollumfänglich unter der bisherigen Leitung stattfinden. Zusätzliches Personal sollte die Organisatoren entlasten. Die Stadt sollte externe Wirtschaftsprüfer beauftragen, um alle relevanten Sachverhalte und die möglichen Formen eines Einstiegs der Stadt Eutin bei der Festspiel-Gesellschaft prüfen.

„Außerdem war es unser Wunsch, dass Falk Herzog die ganze kommende Saison noch als Geschäftsführer leitet, weil er mit allen Abläufen vertraut ist“, so Obieray. Daneben sollte eine Person eingestellt werden, die sich frühzeitig in die operativen Abläufe der Festspiele einarbeitet, sodass ein zukünftiges Ausscheiden von Falk Herzog aus dem operativen Geschäft ohne Bruch erfolgen kann. Offenbar habe Herzog auch schon einen Kandidaten für den Posten eines hauptamtlichen Geschäftsführers parat gehabt, so Sonja Wirges von den Freien Wählern. 

Widerspruch von Falk Herzog

Doch es gibt Ungereimtheiten in den Stellungnahmen. Während die Fraktionschefs der Auffassung sind, die hauptamtliche Geschäftsführer-Stelle sollte von der Festspiele gGmbH finanziert werden, betont Falk Herzog ganz klar: „Wir haben in den Gesprächen zur potenziellen Beteiligung der Stadt an einer neuen Festspiele GmbH immer davon gesprochen, dass diese dann einen hauptamtlichen Geschäftsführer braucht. Dieser müsste ausgeschrieben, gefunden und finanziert werden – das war der Tenor in den Gesprächen, auch dass dafür Geld bereitgestellt werden müsste“, so Herzog gegenüber dem Reporter. Außerdem habe er auf sein Problem als Arbeitgeber hingewiesen: „Wenn die Politik kein ernsthaftes Signal einer Beteiligung von fünf Prozent mit Mehrheitsoption bis Sommer sendet, kann ich doch niemanden einstellen ohne eine echte Perspektive. Der politische Tenor lautete: Eine Entscheidung, ob eine Beteiligung stattfindet, würde erst nach der Prüfung – avisiert war Sommer – stattfinden. Einen solchen Jobwechsel aus ungekündigter Stellung kann keinem ernsthaft zugemutet werden“, so Herzog. Im letzten Gespräch der internen Runde sei das fraktionsinterne Papier von Ende November abermals als „nicht verhandelbar“ benannt worden – womit jedoch keine der Herausforderungen gelöst worden wäre. Herzog betont noch einmal: „Meine Zeit ist vorbei, aber für einen geordneten Übergang, das habe ich immer formuliert, stehe ich zur Verfügung.“

Positive Gespräche mit Land und Kreis

Inzwischen haben sich auch die Spitzen von Stadt, Kreis, Land und Festspielen über Zukunftsszenarien ausgetauscht. Die Gespräche fanden am Freitag auf Einladung von Staatssekretär Guido Wendt in Kiel statt und verliefen, wie die Eutiner Festspiele mitteilen, sehr positiv. „Gesellschafter, Stadt, Kreis und Land wollen gemeinsam Verantwortung übernehmen, um die Zukunft der Eutiner Festspiele zu sichern. Weitere Gespräche werden folgen“, so Staatssekretär Wendt. In NDR hat Ministerpräsident Daniel Günther sogar nicht ausgeschlossen, dass die Eutiner Festspiele Teil des Schleswig-Holstein Musik Festivals werden könnten.

Und was passiert in diesem Jahr? Die Fraktionsspitzen der Eutiner Stadtvertretung sind sich darin einig, dass die Freilichtbühne im Sommer nicht unbespielt bleibt. „Ein Programm wird es 2026 auf jeden Fall geben, wenn auch keine Festspiele“, ist SPD-Fraktionschef Uwe Tewes überzeugt. Angebote von Künstlern und weitere Unterstützungszusagen haben die Stadt und auch die Festspiele in den vergangenen Tagen erreicht. Und Monika Obieray betont: „Eigentlich war ja bereits der Neubau dieser herrlichen Tribüne ein Bekenntnis zu den Eutiner Festspielen.“

Die Zukunft der Festspiele wird auch Thema in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag, 27. Januar, um 18.30 Uhr in der Mensa der Albert-Mahlstedt-Schule sein.