Fissau pflanzt neu!

Reporter Eutin 28

Eutin (al). Der Schock saß tief, als der junge Tannenbaum Ende Februar auf der Kirchwiese in Fissau lag – sauber abgesägt. 

Dabei hatte er erst vor kurzer Zeit eine besondere Rolle im Dorf übernommen. Nachdem der alte, prägende Tannenbaum aus Altersgründen entfernt werden musste, war ein neuer Baum gepflanzt worden, der künftig wieder als Mittelpunkt der Adventszeit dienen sollte. Gerade für Kinder und Familien ist das jährliche Schmücken und das traditionelle „Anknipsen“ ein fester Bestandteil des Dorflebens.

Umso größer war die Bestürzung, als dieses Symbol der Gemeinschaft mutwillig zerstört wurde. Eine Anwohnerin berichtete dem reporter, sie habe am Tatabend zwischen 22.00 Uhr und 22.30 Uhr ein ungewöhnliches Geräusch gehört und eine Person auf der Kirchwiese gesehen. Erst am nächsten Morgen wurde das gesamte Ausmaß sichtbar.

Doch anstatt sich von der Tat entmutigen zu lassen, reagierte die Dorfgemeinschaft entschlossen: Innerhalb von weniger als 24 Stunden kamen über 1000 Euro an Spenden zusammen. 

„Das hat uns einmal mehr gezeigt, wie stark der Zusammenhalt in Fissau ist. Viele haben sofort geholfen. So etwas macht Mut, auch nach so einer Tat“, sagt Stephan Guth, 1. Vorsitzender des Dorfvereins Fissau-Sibbersdorf.

Mit Unterstützung der Firma Hein, die sogar mit einem großen Bagger vor Ort war, und weiterer Helfer konnte schließlich am Samstag ein neuer Tannenbaum aufgestellt werden.

Dabei wurde auch direkt ein Stromkabel verlegt, sodass der Baum in der kommenden Adventszeit wieder festlich beleuchtet werden kann. 

Die Stimmung bei der Baumpflanzung war ausgelassen, viele Anwohner kamen zum Schauen und Helfen vorbei. Der neue Baum gleicht dem vorherigen – vielleicht ist er ein wenig kleiner. Rund 800 Euro wurden für diesen ausgegeben. Mit dem restlichen Geld wurde die Stromversorgung umgesetzt. Das verbleibende Geld soll ebenfalls noch sinnvoll verwendet werden. Eine vielfach gewünschte Überwachungskamera darf auf dem Platz jedoch nicht installiert werden, so Guth.

Wer für die Tat verantwortlich ist, ist weiterhin unklar. Da sich der Vorfall auf Kirchengrund ereignete, wurde durch Pastor Bonse Anzeige erstattet.

Für die Dorfgemeinschaft steht jedoch längst etwas anderes im Vordergrund: Statt sich entmutigen zu lassen, hat Fissau gezeigt, was Zusammenhalt bedeutet. Der neue Tannenbaum ist damit nicht nur ein Ersatz, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, dass Gemeinschaft stärker ist als Zerstörung.

Ganz fachmännisch wurde der Baum anschließend noch mit einer Flasche Bier getauft und mit dem Segen von Stephan Guth sollte nun nichts mehr schiefgehen: „Jetzt haben wir ihn wieder hier und wollen hoffen, dass das so bleibt“.