Geschichte sichtbar machen
Eutin (mg). Plakate zuschneiden, Eröffnungsrede schreiben, Schilder beschriften – wer einer selbst geplanten Ausstellung den letzten Feinschliff geben will, hat alle Hände voll zu tun. Seit vergangenem Dienstag ist in der Kreisbibliothek Eutin die Ausstellung „Täter, Opfer und Menschen dazwischen – Personen in Eutin zur Zeit des Nationalsozialismus“ zu sehen. Organisiert wurde sie von der AG „Gegen das Vergessen“ der Beruflichen Schule des Kreises Ostholstein. Doch noch am Tag vor der offiziellen Eröffnung gab es einiges vorzubereiten.
Bereits zum dritten Mal in Folge hat sich die AG in diesem Schuljahr zusammengefunden. Zwölf Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren arbeiten gemeinsam daran, die regionale Geschichte aufzuarbeiten und ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In regelmäßigen Treffen nach Schulschluss widmeten sie sich der Recherche und Planung. Neben der Arbeit mit historischen Quellen standen auch eine Stadtführung zum Thema „Eutin im Nationalsozialismus 1932–1945“ sowie Workshops in Kooperation mit dem Stadtarchiv Eutin und der Gedenkstätte Ahrensbök auf dem Programm. Als weiterer Höhepunkt ist noch in diesem Jahr eine Fahrt nach Krakau geplant, um die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte zu vertiefen.
Am Montag vor Ausstellungsbeginn liefen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Neben organisatorischen Aufgaben wie der Planung eines Caterings zur Finanzierung der Abschlussfahrt und dem Verfassen der Eröffnungsrede wurde auch ein besonderes Projekt fertiggestellt: ein großes Mobile im Eingangsbereich der Bibliothek. Daran hängen beschriftete Karten, die die persönlichen Beweggründe der Jugendlichen widerspiegeln. „Wir wollen, dass auch andere mehr über den Nationalsozialismus nachdenken und vielleicht Interesse an Geschichte entwickeln. Vor allem darf diese Zeit nicht vergessen werden“, erklärt Schülerin Isabell Pflüger. Das Mobile soll den Besucherinnen und Besuchern die unterschiedlichen Perspektiven und Motivationen der AG-Mitglieder näherbringen.
Auch für die betreuende Lehrkraft Julia Kraft hat die Arbeit eine besondere Bedeutung: „Durch die Arbeit mit originalen Quellen wird Geschichte viel greifbarer als im normalen Unterricht. Das macht sie für alle Beteiligten direkter und eindrucksvoller.“ In den vergangenen Wochen recherchierten die Schülerinnen und Schüler intensiv im Stadtarchiv Eutin, um anhand ausgewählter Biografien die Rollen von Tätern, Opfern und Menschen dazwischen während der NS-Zeit zu beleuchten. Gleichzeitig verfolgt die Schule mit dem Projekt ein klares gesellschaftliches Anliegen. „Wir möchten bewusst ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und den aktuellen Rechtsruck setzen“, betont Kraft. Seit 2019 ist die Berufliche Schule Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das sich aktiv für ein respektvolles und diskriminierungsfreies Miteinander einsetzt. Die Ausstellung ist ab sofort zu den regulären Öffnungszeiten der Kreisbibliothek Eutin zu besuchen und soll einladen, gemeinsam über die Lehren aus der Vergangenheit und die Bedeutung von Gedenken und Gerechtigkeit zu diskutieren.
