„Trauer & Klöße“: Gemeinsam kochen, lachen und weinen
Eutin (aj). Die Trauer- und Sterbebegleiter*innen der Hospizinitiative Eutin sind da, wenn Tod und Trauer ins Leben treten. In den nächsten Wochen stellen wir Ihnen, liebe Leser*innen, die Fülle der Angebote vor. Den Auftakt macht die Gruppe „Trauer & Klöße“.
Natürlich gibt es kein Patent-Rezept für Trauer und Trost. Wie aber eine Tischgemeinschaft helfen kann, Worte für bislang Ungesagtes zu finden, Schmerz zuzulassen und sich auch nach dem Verlust eines geliebten Menschen wieder an schönen Momenten zu freuen, erfahren Brigitte Schwanholz und Marion Bornhöft immer wieder. Einmal monatlich, in der Regel am ersten Mittwoch, öffnen sie die Küche der Hospizinitiative Eutin in der Albert-Mahlstedt-Straße 20 für einen Abend mit dem vielsagenden Namen „Trauer & Klöße“. Dann wird geschnippelt, gebrutzelt, der Tisch gedeckt, genossen – und geweint.
Denn alle, die hier das Leben mit einem guten selbstgekochten Essen feiern, haben die Trauer um einen nahen Menschen im Gepäck. Dieser Schmerz, hier wird er zur Brücke. Brigitte Schwanholz beschreibt die Nähe so: „Tränen gehören hier dazu und alle verstehen das, da muss nichts erklärt werden.“ Und wie es im Leben ist: Nach dem Weinen geht es weiter. Schließlich gibt es einen guten Grund für die Zusammenkunft an Herd und Esstisch: „Wir wollen zusammen lecker essen“, bringt es Marion Bornhöft auf den Punkt.
Dafür bereitet das eingespielte Duo Schwanholz/Bornhöft im Vorfeld alles vor. Ein Menü wird geplant, die Zutaten eingekauft. Regional, saisonal und gern aufwändig soll es sein. Wichtig ist, dass alle etwas zu schnippeln haben. Damit nichts wirklich schiefgeht, liegen die jeweiligen Rezepte bereit, küchenfertig und gut leserlich laminiert. Schürze, Schälmesser, ein kleines Handtuch und eine Tupperdose für die Reste sollten mitgebracht werden.
Ehe es an Topf und Schneidebrett geht, eröffnet Brigitte Schwanholz die Runde mit einem Ritual. Dann ist Zeit, Erwartungen zu formulieren, mit den anderen zu teilen, was bewegt. Die qualifizierte Trauerbegleiterin Schwanholz setzt feinfühlig den Rahmen, den die Gruppe braucht. Denn es ist eben kein gewöhnlicher Kochkurs, der hier stattfindet: „Unser Anliegen ist es, den Menschen zu ermöglichen, dass sie in ungezwungener Atmosphäre ihre Geschichten austauschen, sich näherkommen“, sagt sie. Ihre Aufgabe sieht sie darin, die Gruppendynamik sanft zu lenken, darauf zu achten, dass alle zu Wort kommen, niemand übersehen wird. „Wenn etwas Trauriges zur Sprache kommt, wird es still, auch das teilen wir. Und dann erzählt jemand wieder etwas Lustiges, diese Balance trägt“, schildert Brigitte Schwanholz und schiebt hinterher: „Was sich hier zwischenmenschlich abspielt, ist einfach toll!“ Beim Rühren in den Töpfen ist Distanz bald überwunden. Am Ende nimmt man an der schön dekorierten Tafel Platz und isst in Gemeinschaft. „Das einmal im Monat zu tun, ist nicht selbstverständlich für Menschen in Trauer“, weiß Marion Bornhöft. Denn wenn der Stuhl gegenüber am Tisch leer bleibt, ist das ein Sinnbild für die Einsamkeit der Trauernden. Viele kochen nicht für sich allein. Die Gesellschaft anderer macht die Winter-Gemüsesuppe, die bei „Trauer & Klöße“ für das Ergebnis „satt und zufrieden“ sorgt, zu einem besonderen Genuss. „Wenn die Menschen gehen, haben wir das Gefühl, wir haben sie auf ihrem Weg ein kleines Stück vorangebracht“, erzählen die „Küchenchefinnen“. Eine Teilnehmerin hat dafür das passende Wort geprägt: „Ihr seid Engel mit Kochtöpfen!“
Nächster Termin für „Trauer & Klöße“ ist Mittwoch, 21. Januar. Um 17 Uhr werden die Schürzen angelegt, gegen 20 Uhr ist der Abwasch beendet: „Es darf ein langer Abend werden und eigentlich will am Ende niemand gehen“, meint Brigitte Schwanholz augenzwinkernd. Die Zahl der Teilnehmenden ist auf acht Menschen beschränkt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 04521 - 401 882 oder 04521-790776. Ein Rückruf durch die Hospizinitiative bestätigt die Teilnahme, deshalb bitte eine Rückrufnummer angeben. Eine Lebensmittelumlage wird am Kochabend eingesammelt. Weitere Informationen finden Interessierte auf www.hospizinitiative-eutin.de.

