Vortrag über den Schauspieler und Theaterdirektor Jacob Herzfeld
Eutin. „‘Aus der Tiefe heraussprudelnder Humor‘. Jacob Herzfeld (1769-1826) zwischen Hamburger Bühne und Weimarer Klassik“ lautet der Titel des Vortrags von Margrit Glaser am Mittwoch, dem 21. Oktober um 19 Uhr in der Eutiner Landesbibliothek.
Jacob Herzfeld, Sohn jüdischer Eltern aus Dessau, kam 1791 auf Betreiben Friedrich Ludwig Schröders nach Hamburg, debütierte dort am 18. März 1792 und blieb der Bühne bis zu seinem Tod verbunden: ab 1798 als Mitdirektor, von 1812 bis 1815 als alleiniger Direktor, danach gemeinsam mit Friedrich Ludwig Schmidt. Carl August Lebrun rühmte an ihm das feine Nuancieren in Lustspielrollen und jenen aus der Tiefe hervorsprudelnden Humor, mit dem er seine Rollen gab. Der Vortrag stützt sich auf Bestände des Goethe- und Schiller-Archivs: Briefe Herzfelds an Schiller, Goethe und Iffland. Diese Zeugnisse erlauben es, Herzfelds Kontakte nach Weimar und Berlin quellennah zu rekonstruieren und die Frage neu zu stellen, wie ein Hamburger Prinzipal zwischen Schröderscher Bühnenpraxis und klassischer Programmatik operierte. Herzfeld erscheint so als Vermittlerfigur zwischen zwei Theaterkulturen - und als Fall, an dem sich die Bedingungen einer künstlerischen Laufbahn im Umfeld der jüdischen Emanzipation exemplarisch beobachten lassen.
Wie schon die Vorträge über Johann Heinrich Voß, Johannes Falk, Jens Emmanuel Baggesen, Friedrich Weinbrenner und August von Hennings steht auch dieser Vortrag im Zeichen der Reihe „Obiit Anno 1826“ und spürt damit einer weiteren Persönlichkeit des geistigen Lebens im (Nord-)Europa der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach, die im Jahre 1826 verstarb.
Dr. Margrit Glaser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klassik Stiftung Weimar und Mitarbeiterin an der historisch-kritischen Ausgabe von Goethes Tagebüchern. Der Vortrag wird gemeinsam mit den Freunden der Eutiner Landesbibliothek veranstaltet. Der Eintritt ist frei. (red)

