„Cap Arcona 1945 - Verbrechen in der Kriegsendphase“
Neustadt in Holstein. In Vorbereitung des 81. Cap Arcona-Gedenktages kommt der renommierte Historiker Prof. Dr. Wolfgang Benz nach Neustadt und spricht am Samstag, 2. Mai, um 18 Uhr in der Kulturwerkstatt Forum über „Cap Arcona 1945 - Verbrechen in der Kriegsendphase“.
Im „Endkampf“ des Deutschen Reiches kam es zu kaum vorstellbaren nationalsozialistischen Gewaltorgien. Opfer dieser sogenannten Kriegsendphasenverbrechen wurden Menschen, die nicht mehr an den „Endsieg“ glaubten und sich der Fortsetzung des sinnlosen Kampfes verweigerten. Das Regime beschimpfte und verfolgte sie als „Volksfeinde, Gemeinschaftsschädlinge, Defätisten“.
Die zahlenmäßig größte Opfergruppe bildeten jedoch die Häftlinge der Konzentrationslager, die SS Reichsführer Heinrich Himmler im April 1945 räumen ließ. Die Gefangenen wurden auf Todesmärschen durch das Deutsche Reich getrieben. Durch Hunger, fehlende medizinische Versorgung und Massaker der SS-Wachmannschaften kamen bis zu 300.000 Gefangene ums Leben. Dazu zählten die Toten der Cap Arcona-Tragödie.
Nach der Räumung des KZ Neuengamme wurden bis zu 10.000 Gefangene auf die KZ-Schiffe „Cap Arcona“, „Thielbeck“ und „Athen“ verbracht. Unter unbeschreiblichen hygienischen Verhältnissen, nahezu ohne Wasser und Verpflegung starben Hunderte bereits vor dem Angriff der britischen Jagdbomber. Bei der Bombardierung der Schiffe am 3. Mai 1945 starben mehr als 7.000 Gefangene.
In den Morgenstunden des 3. Mai strandeten zwei Kähne mit etwa 1.500 Gefangenen aus dem KZ Stutthof am Ufer von Pelzerhaken. Bei dem Versuch, sich an Land und nach Neustadt zu retten, wurden mehr als 200 Gefangene, überwiegend jüdische Frauen und Kinder, von SS-Wachmannschaften, Feldjägern und Volkssturmmännern ermordet.
Prof. Dr. Wolfgang Benz ist einer der herausragenden Historiker des Nationalsozialismus und war langjähriger Leiter des „Zentrums für Antisemitismusforschung“ der TU Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Standardwerke. Zu seinen Werken zählen auch „Allein gegen Hitler. Leben und Tat des Johann Georg Elser“, „Exil. Geschichte einer Vertreibung 1933-1945“ sowie „Zukunft der Erinnerung - Das deutsche Erbe und die kommende Generation“. Wolfgang Benz ist Mitglied im Begleitausschuss des geplanten Cap Arcona Dokumentationszentrums in Neustadt.
Diese Veranstaltung des Arbeitskreises Cap Arcona wird vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert. Eintrittskarten sind kostenlos im Buchladen Buchstabe in der Hochtorstraße 2 erhältlich. (red)

