Dramatische Rettung vor Dahme

Marco Gruemmer 195

Ostseebad Dahme. „Wir hätten nicht länger durchgehalten. Nur wenige Minuten später und wir wären ertrunken.“ Mit diesen eindringlichen Worten erinnert sich Uwe Krüper an einen der dramatischsten Tage seiner Kindheit. Vor 60 Jahren, am 26. April 1966, wurden er, sein Zwillingsbruder Jens sowie die Brüder Wolfgang und Bernd Reshöft in der Ostsee vor Dahme in letzter Minute vor dem Ertrinken gerettet.

An jenem sonnigen und nahezu windstillen Frühlingstag wagten sich die vier Jungen mit einem rund drei Meter langen Plastikboot und einem vier PS starken Außenbordmotor auf die Ostsee hinaus. Das Boot hatte Uwes Bruder Axel aus Schweden mitgebracht und war zuvor bereits mehrfach zum Angeln auf dem Oldenburger Graben genutzt worden.

„Wir trugen das Boot bei Zedano über den Deich und fuhren die Küste entlang bis zur Seebrücke“, erinnert sich Krüper im Gespräch mit dem reporter. Auf dem Rückweg geschah das Unglück: Als ihnen das Boot des Aalkönigs Wichmann entgegenkam, geriet der Außenborder durch die Schwallwellen ins Stottern und ging aus. Während Krüper versuchte, den Motor wieder zu starten, sprang dieser plötzlich mit voller Leistung an. Der Bug bohrte sich ins Wasser, innerhalb weniger Augenblicke lief das Boot voll und kenterte. Die vier Jungen stürzten in die nur sechs Grad kalte Ostsee – rund 700 Meter vor der Küste, in Höhe des Restaurants „Zur Hütte“.

Die Wassertemperatur machte die Situation lebensgefährlich. Bereits nach kurzer Zeit drohen bei sechs Grad Celsius Kälteschock, Muskelversagen und Unterkühlung. Schwimmwesten trugen die Jungen nicht. „Ich rief immer wieder: ,Schwimmen! Schwimmen!‘ Aber das war mit Schuhen und dicker Kleidung kaum möglich“, berichtet Krüper. Verzweifelt winkten und schrien die Jungen um Hilfe. Vom Strand aus bemerkten Passanten die Notlage und liefen aufgeregt an der Promenade entlang.

Entscheidend für die Rettung war das schnelle Handeln von Karl-Heinz Kramer, dem Vater von Axel Kramer. Er alarmierte umgehend die Fischer Otto Severin und Julius Barkmann am Südstrand. Deren Bootsmotor war erst wenige Tage zuvor repariert worden, und die beiden Fischer waren gerade dabei, ihn zu testen. Ohne zu zögern machten sie sich auf den Weg zur Unglücksstelle.

Nach schätzungsweise 15 bis 20 Minuten im eiskalten Wasser erreichten Severin und Barkmann die völlig entkräfteten Jungen. „An Schwimmen war nicht mehr zu denken. Panik hatte uns ergriffen, und die Hoffnung war schon fast weg“, sagt Uwe Krüper. „Ich bin unendlich dankbar für die Rettung.“

Sechs Jahrzehnte später bleibt die Erinnerung an das Unglück lebendig. Drei der heute noch lebenden Jungen, die damals nur knapp dem Tod entkamen, haben eine Gedenktafel errichten lassen. Sie wurde am vergangenen Donnerstag am Gebäude des Fischervereins an der Dahmer Promenade eingeweiht.

Mit der Tafel möchten sie nicht nur an ihre eigene Rettung erinnern, sondern vor allem den beiden Rettern Otto Severin und Julius Barkmann sowie den letzten Dahmer Berufsfischern ein bleibendes Denkmal setzen. Für die Überlebenden ist die Erinnerung an den Mut und das selbstlose Handeln der Fischer bis heute eine Herzensangelegenheit. (mg)