Eine Liebeserklärung an das Kloster Cismar
Cismar. Als die Pianistin und Komponistin Anbée Andrea Benecke im vergangenen Jahr das Kloster Cismar besuchte, verliebte sie sich sofort in diesen Ort. Und das lag an der Kastanie im Innenhof des Areals. „Ich habe mich so wohl gefühlt, das alles als Oase empfunden. Die Kastanie hat mich an meine Kindheit erinnert, weil ich auf dem Dorf aufgewachsen bin und fünf Jahre lang Kastanien gesammelt habe, im Herbst, um mir damit mein Klavier selbst zu finanzieren“, erzählt sie bei der Übergabe der Notensätze dreier Musikstücke, die sie eigens über das Kloster Cismar komponiert hat. Die Oldenburger Niederlassung des Optikers Fielmann und die Fielmann AG haben für das Musikprojekt die Patenschaft und finanzielle Förderung übernommen. Benecke übergab jetzt eine handschriftliche Ausfertigung der Notenblätter.
Bei einer Matinee unter dem Titel „Liebeserklärung an ein Kloster“ werden die drei Stücke am Sonntag, 17. Mai um 11.30 Uhr in der Klosterkirche zur Uraufführung gebracht. Das insgesamt knapp zweistündige Konzert (Eintritt: 10 Euro) ist Teil einer von der Künstlerin und Remise-Betreiberin Dorothea Jöllenbeck und dem Kirchenkreis getragenen Schriftkunst-Ausstellung „damals - gestern - heute“, die noch bis 2. August im „Kunstraum Remise“ des Klosters zu sehen ist - und zu der die Notenblätter als zeitgenössischer Bezug ganz hervorragend passen. Sowohl die Klosterkirche wie auch der Kunstraum sind barrierefrei erreichbar.
Anbée Benecke spielt neben den drei melodischen, emotionalen Klavierkompositionen auch Stücke etwa aus ihrem Zyklus „Lichtklang Hamburg“, den sie Wahrzeichen und Plätzen ihrer Heimatstadt an der Elbe gewidmet hat. Darüber hinaus wird ein von Benecke entdecktes Stück des mittelalterlichen Komponisten Guillaume de Machaut zu Gehör gebracht; Werke von Mozart, Schubert und Debussy erklingen ebenfalls.
Bei Anbée Beneckes Besuch vor einem Jahr war der Kontakt zu Dorothea Jöllenbeck entstanden, die für die Schriftkunst-Ausstellung Werke der verstorbenen Schriftkünstler Hans-Heinrich Path und Hannelore Fischer ausgewählt hat. Path und Fischer waren für die Wiederbelebung des Areals in den 1980er Jahren prägend; nach dem Tode Fischers im Jahr 2024 hatten Jöllenbeck und Sabine Höft-Dammer, Erste Vorsitzende des Förderkreises Kloster Cismar, zahlreiche Schriftkunst-Werke aus dem Nachlass gesichtet und gesichert. In der kleinen Schau, die von der Timmendorfer Ulbrich Stiftung gefördert wird, sind außerdem Reproduktionen von Schriften zu sehen, die Benediktinermönche des Klosters im Mittelalter anfertigten. Die Originale der ausgewählten Schriftstücke aus der Klosterbibliothek befinden sich in der Königlichen Bibliothek Dänemarks in Kopenhagen.
Zur Übergabe der Notenblätter in Cismar waren neben Jöllenbeck und Benecke auch die beim Kirchenkreis für Kirche und Tourismus Zuständigen - Pastorin Gesa Paschen und Referentin Merle Fromberg - sowie Sabine Höft-Dammer vom Förderkreis zugegen. Andrea Herkelmann von der Fielmann-Niederlassung in Oldenburg und die Kunsthistorikerin Dr. Constanze Köster, die die Museumsförderung des Unternehmens verantwortet, zeigten sich begeistert. Werde sonst eher der Ankauf von Gemälden und Archivgütern möglichst unbürokratisch unterstützt, sei der Kauf einer Komposition und die Förderung einer Musikerin für das Unternehmen doch eher ungewöhnlich, sagte Köster. Für den Förderverein des Klosters betonte Sabine Höft-Dammer, dass das Kulturprogramm in Cismar auch wegen der besonderen Schönheit des Ortes nicht nur in der Region wahrgenommen werde, sondern bis nach Hamburg und Hannover ausstrahle. (red)

