Gefährliches Eis auf der Ostsee: Feuerwehr warnt vor Lebensgefahr
Lübecker Bucht. In Scharbeutz und Haffkrug entpuppte sich die zugefrorene Ostsee am vergangenen Wochenende als echter Besuchermagnet. Tausende Menschen zog es an die Küste, die in der Lübecker Bucht ein ganz besonderes Bild zeigte. Die Eisschollen reichten zum Teil mehrere hundert Meter ins Meer. Viele Schaulustige zog es an die Strände, doch dabei blieb es nicht. Zahlreiche Menschen betraten die Eisflächen und sorgten dadurch für ein einsatzreiches Wochenende der Rettungskräfte.
Feuerwehr rückte aus
Am Freitagabend war eine Person in Scharbeutz auf Höhe der Ostsee-Therme immer wieder im Eis eingebrochen und konnte sich nicht selbst befreien. Auch am Samstagvormittag brachen ein Hund und sein Herrchen im Eis auf der Ostsee ein. Der Mann hatte sich zunächst aus dem Wasser befreit, versuchte beim Eintreffen der Feuerwehr jedoch, seinen Hund selbst zu retten. Schließlich wurden beide durch den Einsatz eines Feuerwehrmanns der Feuerwehr Scharbeutz mit Eisrettungsanzug aus dem Eis gerettet.
Auf keinen Fall die Eisflächen betreten
Die Feuerwehr rät dringend, das Eis auf der Ostsee nicht zu betreten, da es dünn und brüchig sei. Auch solle man davon absehen, Selbstversuche zur Rettung zu starten und im Notfall die 112 wählen. Die Gefahr, die von den Eisflächen ausgeht, ist nicht immer ersichtlich. Verschiedene Faktoren können die Eisdecke schwächen und brüchig machen, auch wenn sie auf den ersten Blick tragfähig erscheint. Das Eis kann innerhalb kürzester Zeit seine Stabilität verlieren. Der wechselnde Salzgehalt, die Strömung und die Wellenbewegung des Wassers stellen ein hohes Risiko dar, da sich dort keine gleichmäßig tragfähige Eisdecke bilden kann. Wer in dem eiskalten Wasser einbricht, hat nur wenige Minuten, bevor er in Lebensgefahr gerät. Bürgermeisterin Bettina Schäfer aus Scharbeutz rät eindringlich: „Bleiben Sie mit beiden Füßen an Land.“
Sie richtete sich in einem Facebook-Posting direkt an die Menschen und erklärte: „Es mussten bereits Menschen aus dem Eiswasser gerettet werden, weil sie das Eis betreten haben und eingebrochen sind. Sogar Kinder und auch Hunde werden mit auf die vereiste Ostsee genommen und geraten dabei ebenso in Gefahr.“
Feuerwehr Grömitz auf dem Eis
Die Feuerwehr Grömitz nutzte die Witterungsbedingungen für eine seltene Gelegenheit. Langanhaltende Tieftemperaturen und strammer Ostwind in der Vorwoche ermöglichten es den Einsatzkräften, das Thema Eisrettung im Hafenbecken des Jachthafens unter realistischen Bedingungen zu proben. Nach einer kurzen Theorieeinheit mit dem Schwerpunkt der Sicherung von Mannschaft und Gerät, folgte ein ausgiebiger praktischer Teil auf dem Eis. Mittels Schleifkorbtrage, Steckleiter und Eisretter, einem eigens für die Eisrettung konzipierten luftgefüllten Einsatzmittel, gelang es den knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die im Eis eingebrochenen Personen, mit unterschiedlichen Techniken aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Dabei wurde deutlich, wie wichtig geeignete Schutzausrüstung und Einsatzmittel, die Sicherung der eingesetzten Kräfte und die Lastverteilung auf der Eisoberfläche sind. Unter den Augen zahlreicher interessierter Zuschauerinnen und Zuschauer sammelten die Kameradinnen und Kameraden wertvolle Erkenntnisse über den Umgang mit dem Rettungsgerät und das sichere Vorgehen auf dem Eis.
Feuerwehr Neustadt übte Eisrettung
Auch die Neustädter Feuerwehr erprobte den Ernstfall und übte die Eisrettung auf dem Neustädter Binnenwasser. Wer allerdings bereits Hoffnung auf eine Wiederholung des legendären Eisvergnügens mit Budenzauber hatte, den muss die Stadt Neustadt leider enttäuschen: „Eine Freigabe der Eisfläche beziehungsweise die Genehmigung einer Veranstaltung auf der Eisfläche durch die Ordnungsbehörde wird es nicht geben“, sagte Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann. Hintergrund seien unkalkulierbaren Risiken. Diese ergeben sich daraus, dass das Binnenwasser auf der einen Seite gespeist und auf der anderen Seite in die Ostsee mündet. Dadurch entstehen Strömungen. Temperaturschwankungen und Abweichungen im Salzgehalt stellen weitere Risikofaktoren dar. Eine Veranstaltung auf dieser Eisfläche würde ein erhebliches Risiko für Leib und Leben der Teilnehmenden darstellen, das nicht ausreichend ausgeschlossen werden könne, so Spieckermann.(ko)





