Unerwarteter Abbruch: Uferwanderweg war wieder Thema

Kristina Kolbe 240
Unverändert: Durch abbrechende Teile des Steilufers bleibt der Uferwanderweg gesperrt.

Unverändert: Durch abbrechende Teile des Steilufers bleibt der Uferwanderweg gesperrt.

Bild: Kristina Kolbe

Neustadt in Holstein. Wenn ein Steilufer abbricht, dann passiert das meist plötzlich. Die Kante stürzt einfach ab, völlig überraschend und genau darin liegt die Gefahr. In der Fachsprache nennt man das „Versagen ohne Vorankündigung“. Zu einem solch überraschenden Abbruch, wäre es um Haaresbreite auch beim Uferwanderweg zwischen Neustadt und Pelzerhaken gekommen, allerdings auf politischer Ebene.

In einer Hauptausschusssitzung im Oktober letzten Jahres wurde die Wiederhersellung, des seit der Sturmflut 2023/2024 teilweise gesperrten Weges (der reporter berichtete) zunächst abgelehnt. Durch seine touristische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz kam das Thema Uferwanderweg nun erneut auf die Tagesordnung der Politik. Zuletzt im Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss am vergangenen Donnerstag.

Eine fachliche Einschätzung

Hier machten die Politikerinnen und Politiker ihre Standpunkte deutlich, nachdem Volker Brand, Ingenieur und Experte für Tiefbau beim Neustädter Bauhof, seine fachliche Einschätzung zur Gefahrenlage und bautechnischen Anforderungen abgab. Sein Vorschlag: Den Uferwanderweg in Abhängigkeit der Böschungshöhe (ausgehend von einem Böschungswinkel von 45 Grad) nach innen zu verlegen. Das entspricht einem Abstand zur Uferkante im gleichen Verhältnis zur Höhe und erfordert eine Verlegung des Weges von teilweise bis zu acht Metern. Volker Brand möchte als derjenige, der im Schadensfall zur Verantwortung gezogen wird, die größtmögliche Sicherheit am Uferwanderweg herstellen. Daher plädierte er für einen Aufbau des Weges mit Frostschutzschicht, Schotter- und Kiesschicht sowie wassergebundener Deckschicht, bei einem Gefälle von zwei Prozent in Richtung Landesinnere und einer dahinterliegenden Drainage. Kosten: knapp 180.000 Euro.

CDU und SPD sind für einfache Lösung

Völlig übertrieben findet das die CDU. Dirk Vowe (CDU) favorisiert eine wesentlich einfachere Lösung. Seiner Meinung nach wäre ein Trampelpfad mit vier Metern Abstand zur Abbruchkante vollkommen ausreichend. Die Lösung solle in Anbetracht der Langlebigkeit so kostengünstig wie möglich sein, denn immer wieder könne es zu Sturmfluten kommen, die eine weitere Verlegung des Weges erfordern und somit die Investition hinfällig werden lassen könnten. Auch könne man eine Trampelpfadlösung noch in diesem Jahr realisieren.

Hermann Greve (SPD) ergänzte, dass er eine 60 Zentimeter hohe Aufbauschicht des Weges für übertrieben halte. Margit Giszas (SPD) unterstrich diese Position und fügte hinzu, dass der Aufbau des Weges letztlich egal sei. Sie erklärte: „Wenn die Abbrüche stattfinden, finden sie statt“. Eine Breite von bis zu 1,20 Meter reiche ihrer Ansicht nach aus, ein hochaufwändiger Aufbau des Weges sei nicht nötig.

BGN vertraut auf Expertise

„Es geht hier sehr viel um Gefühl“, stellte BGN-Mitglied Horst von Hörsten fest und machte sich für die Expertenlösung stark. Er bekräftigte, dass der Weg länger Bestand haben werde, je weiter er ins Landesinnere verlegt werde. „Ich vertraue auf die Expertise aus dem Bauamt“, sagte er. Conrad Rieger vom Bauamt bestätigte, dass nach seiner Ansicht dies die wirtschaftlichste Maßnahme sei. Man solle den Weg lieber einmal vernünftig anlegen, anstatt ständig nachbessern und erneuern zu müssen, so Rieger.

Letzte Hürden

Abschließend blieb jedoch fraglich, ob die Expertenlösung mit einem Abstand von bis zu acht Metern ins Landesinnere rechtlich realisierbar ist, immerhin müssten die privaten Eigentümer dann ein großes Stück ihrer Grundstücke zur Verfügung stellen. Bürgermeister Mirko Spieckermann gehe jedoch davon aus, dass man durchaus mit den Eignern sprechen könne. Er vertraue ebenfalls dem Vorschlag von Volker Brand und möchte einen verkehrssicheren und vernünftigen Weg. Er erinnerte auch noch einmal daran, dass die Kosten auf die Kurabgabe umlegbar seien und somit lediglich eine jährliche Belastung von 4.600 Euro auf die Stadt zukomme.

Der Beschluss

„Wir sind uns einig, dass wir den Weg wollen“, schloss Ausschussvorsitzender Mirco Stein von den Grünen. Abschließend verständigten sich die Politikerinnen und Politiker in einem einstimmigen Abstimmungsergebnis darauf, zunächst die aufwändige Lösung im Einvernehmen mit den Eigentümern anzustreben. Sollte dies nicht umsetzbar sein, solle eine einfachere Lösung, mit einem Abstand von vier Metern zur Kante umgesetzt werden. Am Donnerstag, dem 25. Juni könnte das Thema vorraussichtlich auf der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung dann zum Abschluss kommen. (ko)

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